Grundlagen Motoröl

Ohne Öl fährt gar nichts. Was so simpel aussieht, ist ein echte Hightech-Wunderstoff. Öl ist nicht gleich Öl. Was ist drin, wie wird´s behandelt?

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Was ist Öl?
Grob vereinfacht: tote Tiere. Genauer: abgestorbene Kleinstlebewesen, deren Exítus bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgte. Chemiker sehen die Sache einfacher . Für sie besteht Erdöl aus den Elementen Wasserstoff und Kohlenstoff. Damit aus den Kohlenwasserstoffverbindungen Motorradöl wird, muss das Rohöl in der Raffinerie zerlegt, gereinigt und weiterverarbeitet werden. Wird ein so gewonnenes mineralisches Grundöl veredelt, entsteht daraus ein Hydrocracköl. Für die vielfältigen Einsatzzwecke der Öle verlassen sich die Mineralölkonzerne aber nicht nur auf Mutter Natur und deren Kohlenwasserstoffverbindungen, sondern basteln sich auch eigene Verbindungen. Diese maßgeschneiderten Stoffe heißen Synthetiköle. Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl. Die Aufgaben des Öls: Es muss schmieren, Kräfte übertragen, kühlen und abdichten. Nebenbei soll das Öl die bei der Verbrennung anfallenden Rückstände bis zum nächsten Ölwechsel in Schwebe halten. Es muss Säuren neutralisieren, Wasser aufnehmen und vor Korrosion schützen. Dabei darf es kaum altern, nicht schäumen und muss bei allen Temperaturen gleichermaßen fließfähig bleiben. Das schafft so ein Grundöl nur mit Hilfe von Additiven. Das sind teure Wirkstoffe aus der Chemieküche, die bei hochwertigem Motoröl bis zu 20 Prozent ausmachen.

Unterscheiden sich Motorradöle von Auto-Ölen?
Sie sollten sich zumindest unterscheiden, denn die anforderungen sind sehr unterschiedlich. Motorradmotoren erreichen meist sehr hohe Literleistungen und benötigen dafür weit höhere Drehzahlen als PKW-Motoren. Besonders die luftgekühlten Motorradmotoren belasten das Öl stärker als die fast ausschließlich wassergekühlten Automotoren. Außerdem muss das Öl bei fast allen Motorrädern Getriebe und Kupplung mitversorgen. Die Markenöl-Hersteller gehen bei der Auswahl der Additive auf diese Unterschiede ein.

Ab welcher Preislage gibt es motorradtaugliche Öle?
Ordentliche Mineralöle sind bereits ab etwa vier Euro pro liter zu bekommen, die aufwendigeren synthetischen Motoröle gibt es ab etwa sieben Euro.

Was ist Viskosität?
Viskosität ist die Eigenschaft einer Flüssigkeit, ihrer Verformung einen Widerstand entgegen zu setzen. Öl hat eine hohe Viskosität, wenn es zähflüssig ist (im kalten Zustand), eine miedrige, wenn es dünnflüssig ist (im heißen Zustand). Die Problematik: Motoröle müssen beim Kaltstart dünn genug sein, um schnell überall hin zu gelangen und heiß immer noch dick und zäh genug, damit der Schmierfilm nicht reißt.

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Weitere Infos über Öl

Was bedeutet die API-Angabe auf der Ölflasche?
Das American Petroleum Institute (kurz API) teilt das Öl nach Qualitätsklassen ein. Der erste Buchstabe ist bei Ottomotoren ein S, der zweite sollte ein E, F oder G sein – je höher, desto besser. Allerdings ist die API eine Auto-Norm, und selbst Billigöle erfüllen oft schon API SE oder SF.

Sind synthetische Öle besser?

Nicht grundsätzlich. Ein hervorragendes Mineralöl kann mehr als ein mittelprächtiges Synthetiköl leisten. Hochwertige Synthetiköle sind Mineralölen aber klar überlegen. Sie sind belastbarer, altern weniger und sorgen für sauberere Motoren.

Welches Öl für welchen Fahrer?
Mit hochwertigen Mineralölen sind alle Normalfahrer gut bedient, deren Motoren zwar auf Temperaturen kommen, aber nicht ständig am Limit bewegt werden. Wenigfahrer mit vielen Kaltstart- und Kurzstreckenbetrieb sowie Sportfahrer sind mit hochwertigen Synthetikölen besser bedient. Für einige hochbelastete Motoren schreiben die Hersteller zwingend Synthetiköl vor.

Können Mineralöle mit synthetischen Ölen gemischt werden?

Ja, alle Motorenöle sind untereinander mischbar.

Sollte ein neues Motorrad von Anfang an mit synthetischem Öl betrieben werden?

Nein, die ersten 2000 km sollte zwingend ein Mineralöl verwendet werden, denn in dieser Einfahrzeit müssen sich alle bewegten Teile einander anpassen. Dieser gewünschte Verschleiß klappt mit Mineralöl besser.

Was ist zu beachten, wenn der Motor von Mineral- auf Synthetiköl umgestellt werden soll?
Der Ölverbrauch kann anfangs etwas höher liegen. Das Synthetiköl kann Stoffe lösen und sollte daher nach der Erstbefüllung nur zwei Drittel des Wechselintervalls laufen.

Altert Öl im Winter?
Jein, natürlich altert jedes Öl, das mit Sauerstoff in Berührung kommt, aber bis zu einem Jahr Standzeit ist für ein frisches Öl kein Problem.

Muss bei jedem Ölwechsel auch der Ölfilter getauscht werden?

Unbedingt, denn im Filter verbleibt immer ein Rest Altöl, der sofort die Qualität des frischen Öls reduziert.

Muss man moderne Motoren immer noch warmfahren?
Ja, Motoröl "arbeitet" erst ab zirka 50 Grad Celsius, und das Laufspiel der Mechanik hat erst bei Betriebstemperatur den richtigen Wert. Fünf Kilometer Halbgas sollten es mindestens sein.

Reicht es zur Sicherheit aus, nur die Ölkontroll-Lampe im Auge zu behalten?
Nein, die Ölkontroll-Lampe warnt nur vor zu geringem Öldruck, nicht vor zu niedrigem Ölstand. Wenn der Öldruck infolge von Ölmangel abfällt und die Lampe aufleuchtet, ist es oft zu spät. Schäden durch Überhitzung und Schmiermangel sind dann bereits entstanden. Daher den Ölstand unbedingt regelmäßig übers Schauglas oder per Peilstab prüfen.

Können Kupplungsprobleme mit der verwendeten Ölsorte zu tun haben?
Ja, doch speziell bei Synthetikölen bringt die Wahl eines anderen Synthetiköls meist wenig. Oft hilft aber das Zurückrüsten auf Mineralöl.

Sagt die Farbe des Öls etwas über die Qualität aus?

Nein, ganz im Gegenteil. Wenn ein Öl schnell dunkel wird, heißt das nur, dass es Fremdstoffe in der Schwebe hält – und genau das soll es auch.

Wohin mit dem Altöl?
Natürlich nicht in den Ausguss oder die Landschaft. Bereits ein Gramm Öl pro Liter Wasser ist für Fische tödlich. Wer Öl verkauft, ist verpflichtet, die gleiche Menge Altöl kostenlos zurük zu nehmen. Also: Kassenbon aufbewahren.

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