Grundlagen Motorradfahrer-Verletzungen

Wir verdrängen es gern, aber Motorradfahren ist nun mal gefährlicher als Schachspielen. Was alles passieren kann, zeigt uns der Ex-WM-Rennfahrer Dirk Heidolf (32).

Foto: Künstle
Der Sachse Dirk Heidolf fuhr von 2002 bis 2007 in der 250er-Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. In diesen Jahren und der Zeit zuvor kam einiges zusammen: festgehende Motoren, gelöste Kühlerschläuche mit persönlicher Rutschbahn als Folge, Gegner, die einen unfreiwillig abräumen und natürlich auch das Aus- und Überreizen physikalischer Grenzen – und damit jede Menge Stürze auf höchstem Niveau. Wie im Zeitraffer zeigt Dirks Verletzungs-Historie, was einem Motorradfahrer im Laufe eines Biker-Lebens alles passieren kann. Mit ein paar ganz wesentlichen Unterschieden: Dirk stürzte ausschließlich auf abgesperrter Strecke mit entsprechender Auslaufzone; er steckte immer in bestmöglicher Schutzbekleidung; und er konnte sicher sein, dass ärztliche Hilfe immer vor Ort war.
Die nach seiner Einschätzung gefährlichste Sturzform: Highsider, also eine Situation, in der das Hinterrad kurz seitlich wegrutscht, gleich wieder Grip bekommt, der Fahrer wie eine Puppe hoch über den Lenker vom Motorrad geschleudert wird und entsprechend hart landet. Ähnlich verletzungsintensiv: Stürze, bei denen man nicht schnell genug von der Maschine wegkommt und – in Dirks Fall von einer Motocross-Trainingsmaschine – der Lenker sich in den Bauch rammt. Eine zerfetzte Milz und Prellungen an Leber, Niere und Blase waren die Folgen. Okay, was gehen mich die Verletzungen eines Rennfahrers an? So könnte nun die Frage von Otto Normalfahrer lauten. Klare Antwort: Einfach in sich gehen und überlegen, ob die sommerliche Mal-eben-im-T-Shirt-zum-Bäcker-Tour wirklich eine gute Idee ist. Auf eine sichere Saison 2008!
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Dirks Verletzungs-Historie

Vom Gegner abgeräumt, über dessen Motorrad gestürzt: Schulter gebrochen, eine Woche zur OP im Krankenhaus (u. a. Platte eingesetzt); nach weiteren drei Wochen wieder Rennen.
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Beim Motocross-Training gestürzt, Lenker in den Bauch bekommen: innere Organe schwer verletzt, Milz und 20 Prozent der linken Lunge entfernt; vier Wochen Krankenhaus, nach weiteren drei Wochen wieder Rennen.
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Sturz beim Training auf dem Sachsenring: auf die Hände gefallen und rechts das Kahnbein gebrochen, das ist der am schlechtesten heilende Handgelenksknochen; nach fünf Wochen Start beim Deutschland-GP.
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Motor in Brasilien fest gegangen: Sturz unvermeidlich, der aufgerissene Ellenbogen musste genäht werden. Das läuft bei Rennfahrern unter „Lappalie” und sorgt im Normalfall nicht für längeres Pausieren.
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Typischer Ausrutscher: Auch mit bester Schutzkleidung kann es bei längeren Asphaltrutschern aus sehr hohem Tempo zu Verbrennungen zweiten Grades kommen. In Jeans wäre das Bein einfach weg gewesen.
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Gesammelte Werke: Die Knie als komplizierteste Gelenke des menschlichen Körpers bekommen bei heftigen Stürzen fast immer etwas ab. Bänderrisse sind oft die Folge. Nach einer Knie-OP dauert der Heilungsprozess sehr lange.
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Sitzposition bei Rennfahrern und Normalfahrern

Verspannt? Rennfahrer sitzen eigentlich unbequem auf ihren Arbeitsgeräten, doch sie leiden kaum unter Verspannungen. Die Abwechslung macht’s: Sie wechseln ständig die Sitzposition; Bremsen und Beschleunigen be- und entlasten Hände und Arme, sie sind immer in Bewegung. Beim Normalfahrer kann es dagegen durch Anwinkelung der Handgelenke und Anspannung der Unterarmmuskulatur zu Taubheitsgefühlen an den Fingen kommen (Karpaltunnelsyndrom).
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Harndrang beim Motorrad fahren

Angst-Pipi? Warum führt Motorradfahren bei vielen Menschen zu verstärktem Harndrang? Der (positive) Stress macht’s. Es wird mehr Adrenalin produziert, das bewirkt eine vermehrte Blutzuckermobilisation im Blut und damit eine verbesserte Nierendurchblutung – Puller-Alarm!

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