Grundlagen Richtig sitzen und entspannen

Motorradfahren fordert Konzentration. Dass im Sattel oft jede Faser des Körpers angespannt ist, ermüdet. 2Räder gibt Tipps, wie man länger fit bleibt.

Foto: Bilski

Wer schon öfter längere Strecken mit dem Motorrad zurückgelegt hat, der kennt das: Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem das Fahren keinen Spaß mehr macht, sondern nur noch anstrengt. Der ganze Körper ist angespannt, man ist verkrampft – und fühlt sich plötzlich unsicher im Sattel. Kein Wunder, denn Motorradfahren fordert permanent höchste Konzentration. Genau die aber kann nur liefern, wer körperlich entspannt ist. Ganz abgesehen davon, dass auch der so wichtige direkte Körperkontakt, also die Kommunikation zwischen Fahrer und Motorrad, mit lockerem Körper am besten funktioniert. Wie lässt sich Entspannung erreichen? Etwa mit regelmäßigen Pausen, aber auch durch Übungen während der Fahrt. Raum für Verrenkungen gibt es im Sattel eines Motorrads natürlich nicht.

Grundsätzlich sollten die Hände unterwegs an den Griffen und der Hintern auf der Sitzbank bleiben. Aber auch so ist viel möglich: Etwa die Lenkergriffe fest drücken und wieder locker zu lassen. Das entspannt, 30- bis 40-fache Wiederholung vorausgesetzt, die ganze Armmuskulatur. Auch wiederholtes An- und wieder Entspannen der Gesäßmuskulatur und wechselnde, leichte Gewichtsverlagerungen entkrampfen. Gut für die Durchblutung der Beine: Knie an den Tank pressen und wieder lösen, Zehen und Fersen abwechseln nach unten auf die Rasten drücken und wieder lösen, alles beliebig oft wiederholt. Weitere Tipps: siehe Fotos unten und nächste Seite.

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Foto: Sdun

Entspannen auf dem Bike

1. Schultern  als Variation zu Übung 5 auf vertikaler Achse bewegen: anheben, absenken, nach unten drücken
2. Bizeps anspannen und entspannen, gleichzeitig und wechselseitig, auch in Kombination mit Übung 3
3. Hände drücken gleichzeitig horizontal zur Lenkermitte, dabei Brust raus. Wieder relaxen. Griffe drücken und lösen
4. Hals lang machen, Kopf nach oben recken, Kinn unten lassen. Stellen Sie sich vor, die Wirbelsäule würde verlängert
5. Schultern auf waagrechter Achse vor und zurück bewegen, anschließend in kleinen Kreisen rotieren lassen
6. Brust nach vorn und oben strecken, Brustmuskeln anspannen, Anspannung lösen, Brust wieder in Ruheposition
7. Gesäßmuskeln anspannen, wieder lösen. Zweite Übung: So tun, als wolle man von der Sitzbank aufstehen, setzen
8. Oberschenkelmuskeln an- und wieder entspannen. Beide Schenkel fest an Tank drücken, wieder relaxen
9. Knie nach außen spreizen, relaxen. Als Variation von Übung 8 beide Knie im Wechsel ans Bike drücken
10. Ferse hoch und runter bewegen. Ferse zum Motorrad hin und wieder weg kreisen lassen; die Ballen bleiben auf den Rasten
11. Fußspitze mal links, mal rechts kurz anheben. Zehen wechselweise spreizen und krümmen
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Foto: Sdun

Übungen für die Pause

 Händehinter dem Kopf verschränken. Doppelkinn machen und Kopf nach hinten gegen die Kraft der Hände drücken. Etwa 10 Sekunden kräftig anspannen und ruhig weiter atmen.
 Die Armezu den Seiten ausbreiten und horizontal leicht nach hinten federn. Variation: Die Handflächen einmal weit nach oben, einmal weit nach unten drehen, locker kreisen lassen.
 Augenschließen und Grimassen schneiden. Mag blöd aussehen, ist aber höchst effektiv, entspannt das Gesicht und versorgt die Augen mit frischer Tränenflüssigkeit.
 Bewegungrunter vom Motorrad, ein paar Meter gehen, dann 50 Meter locker joggen. Recken und strecken. Arme nach oben hinten strecken, Becken nach vorn, kurz halten.
 SchulterÜber die rechte Schulter im maximal möglichen Winkel zur Seite sehen, Kopf in einem Halbkreis nach unten zur anderen Seite kreisen lassen und über linke Schulter sehen.
 
 Augen
Beim Fahren sind die Augen der wichtigste Körperteil überhaupt. Sie sind pausenlos gefordert, müssen mit Widrigkeiten wie Dunkelheit, bei Nässe spiegelndem Fahrbahnbelag, blendenden Scheinwerfern, beschlagenem oder zerkratzem Visier usw. fertig werden. Wer das Gefühl hat, zu wenig zu sehen, der verkrampft und wird unsicher. Wichtig: Regelmäßig das eigene Sehvermögen kontrollieren lassen: Eine schleichende Verminderung der Sehfähigkeit ist bei Menschen ab 40 leider normal. Augenärzte raten zum Seh-Check alle fünf Jahre, ab 45 sogar alle zwei Jahre. In Fahrpausen: Augen kurz zu, Gesichtsmuskeln zur Grimasse anspannen, das bringt Tränenfilm auf die Hornhaut – und wieder bessere Sicht.
 
 Richtig sitzen
Entspanntes, unverkrampftes Sitzen ist auf dem Motorrad das A und O. Sogar für Rennfahrer, denn wirklich schnell fahren und im Bedarfsfall schnell reagieren kann nur, wer locker ist. Was keineswegs bedeutet, dass man auf dem Bike herumlümmeln soll: Ein Rundrücken und lasch hängende Arme bieten kaum Körperkontakt zur und Gefühl für die Maschine. Sich immer wieder bewusst gerade setzen und Arme durchstrecken hilft nicht nur fürs Wohlbefinden.

 

 

 
 



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