Grundlagen Rockerkunde

Klar strukturiert, sehr gut organisiert, nach festen Regeln lebend – Rocker sind meist alles andere als tumbe Haudraufs.

Foto: fact

Die Historie
Gern wird die Geschichte von den entwurzelten GIs (US-Soldaten) erzählt, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ins bürgerliche Leben zurückfanden und die ersten MCs (Motorcycle Clubs) gründeten. Für ein paar Clubs (Hells Angels – teilweise ehemalige Bomberbesatzungen) mag das stimmen, die Mehrzahl kam aber über illegale Motorradrennen zur Clubszene (Outlaw – außerhalb der Sportgesetze).

Die Clubs
Zu den größten und einflußreichsten MCs in Deutschland gehören die Hells Angels (bald 35
Jahre in Deutschland), Bandidos, Gremium und Outlaws. Der Gründungsclub ist das Mutter-Chap-ter, die regionalen Ableger heißen „Chapter” (bei den Hells Angels „Charter”). Die genannten Clubs sind auch international sehr aktiv und haben allein in Deutschland teilweise über 60 Chapter. Ein Chapter hat selten mehr als 20 Mitglieder (Members). Clubgründungen und wichtige Szene-Nachrichten werden in der monatlich erscheinenden Zeitschrift „Bikers News” bekanntgegeben.

Die Kutte
Jeans- oder Lederweste mit dem Colour (Abzeichen) des Clubs. Im Gegensatz zu MFGs (Motorradfahrer-Gemeinschaften) oder Free Bikern (ohne Clubmitgliedschaft) tragen MC-Members ausschließlich ihr eigenes Colour auf der Kutte. Patches (Aufnäher) von Treffen oder anderen Clubs gehören nicht aufs wichtigste Kleidungsstück. Die Kutte darf schmuddelig sein, muss es aber nicht unbedingt.

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Der Werdegang
Wer Clubmitglied werden möchte, lässt sich mal im Clubhaus oder bei Treffen sehen. Wer sich öfter im Club-Dunstkreis rumtreibt, wird zum Hangaround (kurz: Hänger). Irgendwann kommt vielleicht das Angebot, Prospect (Anwärter) zu werden (nie direkt danach fragen). Prospects dürfen bereits einen Teil des Colours tragen und müssen beweisen, dass sie in den Club passen. Nicht mit irgendwelchen Mutproben, sondern durch Zuverlässigkeit und Prospect-Dienste: auf Motorräder aufpassen; Clubhaus heizen; nüchtern bleiben, wenn alle anderen trinken. Nach erfolgreicher Prospect-Zeit wird man mit der Kuttentaufe zum Full-Member und darf das komplette Club-Colour tragen.

Die Funktionäre

MC-Chef ist der Presi. Sein Stellvertreter ist der Vice-President. In der Praxis hat der Vize am meisten Verwaltungsarbeit. Der Secretary kümmert sich um den Schriftkram. Der Road Captain arbeitet die Streckenführung bei Treffenbesuchen aus und fährt zusammen mit dem Presi an der Spitze. Der Schatzmeister heißt Treasury, und einige Clubs haben auch noch einen Sergeant at Arms (Waffenmeister), der allerdings weniger für Waffen als für Disziplin (Ordnerdienst etc.) sorgen soll.

Die Äußerlichkeiten
Tätowierungen können sein, müssen aber nicht. Einige Brothers tragen ihr Colour als Rücken-Tattoo. Frisurenmäßig geht der Trend seit Längerem zur Glatze (hat nichts mit Skinheads zu tun). Die Harley ist immer noch Biker-Gerät Nummer 1, alte Engländer oder gut gemachte Intruder gehen aber auch.

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