Grundlagen: So entstehen Handschuhe Zu Besuch beim Handschuhproduzenten Held

2Räder schaute den Mitarbeitern des renommiertesten deutschen Handschuhproduzenten, der Firma Held, über die Schultern.

Foto: Bilski
Hände und Finger sind zweifellos die wichtigsten Werkzeuge des Menschen. Wir sollten sie also besonders gut schützen. Und zwar vor Temperatureinflüssen, Nässe und Verletzungen. Beim Motorradfahren sind die Anforderungen an geeignete Handschuhe besonders hoch, vor allem bei einem Sturz. Hartschalen, Schaumeinlagen, Kevlarmatten, Nietenbesatz und reißfestes Leder sollen Verletzungen verhindern. Doch nur wenn die einzelnen Komponenten richtig verarbeitet und zusammengefügt werden, entsteht maximaler Schutz. Eine unsachgemäß angebrachte Naht, und die Fingerlinge fliegen beim ersten Bodenkontakt auseinander. Kaum ein Handschuhproduzent hat ähnlich viel Erfahrung wie die im Allgäu ansässige Firma Held, bei der sich 2Räder die einzelnen Arbeitsschritte zeigen ließ.
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Schritt 1 Stanzen

Angefeuchtetes Leder wird zunächst in Längs­richtung gedehnt und dann ausgestanzt. Dadurch kann sich der Handschuh später nur noch in der Breite etwas weiten. Die Stanzeisen sind beidseitig geschliffen, um spiegelbildliche Teile zu erhalten.
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Schritt 2 Nieten

Als Schleifschutz am Handballen dienen je nach Modell und Handschuhgröße unterschiedlich viele Mes­sing­nieten. Deren Position wird bereits beim Stanzen markiert. Eine spezielle Vernietung sorgt für sicheren Halt. Von innen werden die Nieten mit Kevlar unterlegt.
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Schritt 3 Knöchelprotektoren

Ausgestanzte Karbon- oder GFK-Platten werden zunächst in etwa einer Minute auf rund 450 Grad erhitzt, wodurch die Teile weich und formbar werden. Eine Presse sorgt anschließend mit zirka 40 Tonnen Druck für die endgültige Form der Protektoren.
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Schritt 4 Nähen

Die Einzelteile werden auf besonders stabilen Nähmaschinen durch speziell ausgebildete Mitarbeiter ver­bunden, welche die sehr schwierigen Nähte hinzaubern. Besonders das Fixieren der harten Knöchelprotektoren aus GFK oder Karbon verschleißt sehr viele Nadeln.
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Schritt 5 Schließen

Die separat fertig gestellten Ober- und Unterteile der Handschuhe werden schließlich von „links“ mitein­ander vernäht. Da sich bereits kleinste Fehler auf die Passform auswirken, ist hier reichlich Fingerspitzengefühl gefragt.
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Schritt 6 Umwenden

Mit Hilfe eines hölzernen Dorns müssen sämt­liche „links herum“ vernähten Handschuhe umgestülpt werden – und zwar jeder Finger einzeln. Eine mühsame Arbeit, die viel Geschick erfordert. Bei der Gelegenheit werfen die Mitarbeiter gleich einen prüfenden Blick auf die Qualität der Nähte.
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Schritt 7 Verkleben

Bei wasserdichten und gefütterten Handschuhen werden die Mem­branen und/oder das Thermofutter in die Lederaußenhülle eingeklebt. Wird nicht exakt gearbeitet, gibt’s später nasse Finger. Deshalb wird jeder Handschuh anschließend einem ­Dichtigkeitstest unterzogen und erst danach an der Stulpe vernäht.
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Schritt 8 Endkontrolle

Vor dem Verpacken stülpen die Mitarbeiter zur Naht- und Verarbeitungskontrolle jeden Handschuh über beheizte (80 bis 100 Grad) Metallformen. Dieser letzte Arbeitsschritt gibt den Fingern eine leichte Krümmung mit auf den Weg, die später das Griffgefühl verbessert.

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