Hauptuntersuchung, Abgasuntersuchung und Umbau-Eintragungen beim Motorrad TÜV-Termin richtig vorbereiten

Ein Motorrad benötigt alle zwei Jahre eine Hauptuntersuchung und, darin eingeschlossen, eine Abgasuntersuchung für Krafträder, wie sie z. B. TÜV, DEKRA, GTÜ und KÜS durchführen. Ochsenaugen-Blinker, Hochlenker, Sonnenbrille – hierauf achten die Prüfer, wenn sie die Plakette vergeben.

Foto: Archiv

Bevor sich die Interessenvertreter der einen oder anderen Prüforganisation wieder schwer auf den Schlips getreten fühlen, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir den Begriff "TÜV" als Synonym für "Prüforganisation" gebrauchen. Die alle zwei Jahre fällige Hauptuntersuchung (HU) und die im gleichen Rhythmus zu bestehende Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK) können selbstverständlich auch von Organisationen wie der DEKRA, der GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) oder der KÜS (Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger) durchgeführt werden.

TÜV ist auch nicht gleich TÜV, denn DEN Technischen Überwachungsverein gibt es nicht, dafür aber diverse TÜV Sowieso, die im Wettbewerb miteinander stehen. Einzelabnahmen sind in den alten Bundesländern tatsächlich reine TÜV-Sache, in den neuen Bundesländern erledigt das die DEKRA. Die Eintragung von Bauteilen mit ABE oder Teilegutachten dürfen aber auch alle anderen Prüfdienste erledigen. Alles klar? Die nachfolgenden Seiten helfen hoffentlich dabei, einen ersten Überblick darüber zu bekommen, wer was darf.

Anzeige
Video: Die Hauptuntersuchung beim Motorrad (Quelle: TÜV Süd)
Anzeige
Foto: Archiv

Diese Umbauten müssen eingetragen werden

Bauteile oder Baugruppen, für die eine ABE oder ein Teile­gutachten erforderlich ist und die in die Papiere eingetragen werden müssen. Ausnahme: Wird die ABE mitgeführt, ist der Eintrag nicht zwingend. Ansaugstutzen, Bremsarmatur, Bremsbeläge, Bremsflüssigkeitsbehälter, Bremshebel, Bremsleitungen, Bremspedal, Bremspumpe, Bremsscheibe, Bremszange, Cockpitverkleidung, Fahrwerkshöherlegung, Fahrwerkstieferlegung, Federbein(e), Felgen, Fußrastenanlage, Gabel, Gabelbrücke, Gabelfedern, Gabelstabilisator, Getriebeabstufung, Hauptbremszylinder, Hauptständer, Heckhöherlegung, Hecktieferlegung, Heckverkleidung.

Bauartgenehmigung eintragungspflichtig: Anhängerkupplung.

Eintragungspflichtig per Einzelabnahme: Heckrahmen kürzen, Rahmen polieren (nur nach vorheriger Absprache mit Sachverständigem), Hinterradabdeckung, Kettenrad (bei nicht identischer Zähnezahl), Kotflügel, Krümmer (nur wenn sich Rohrführung oder Querschnitt ändern), Lampenmaske, Lenker, Lenkerenden-Blinker (bei aktuellen Motorrädern nur in Verbindung mit hinterem Blinkerpaar), Lenker-Klemmböcke (Riser), Lenkungsdämpfer, Luftfilter, Luftfiltereinsatz (bei verändertem Luftdurchsatz), Luftfilterkasten, Reifen (bei Dimensionsänderung), Ritzel (bei nicht identischer Zähnezahl), Schwinge, Seitenständer, Sekundär-Übersetzung, Sitzbank (bei massiven Veränderungen der Abmessungen), Soziushaltegriffe, Tachometer, Tank, Vergaser, Vergaser-Bedüsung, Verkleidung, Verkleidungskiel, Verkleidungsscheibe.

Foto: Archiv

Eintragungsfreie Umbauten

Bauteile oder Baugruppen, die nicht in die Papiere eingetragen werden müssen und weder Teilegutachten, noch ABE oder EG-BE benötigen: Batterie, Bordsteckdose, Drezahlmesser, Gabelprotektoren, Gaszug, Gehäusedeckel, Gepäckträger (sofern keine maßgebliche Veränderung am Fahrzeug), Griffgummis, Handschalen/-protektoren, Heizgriffe, Kerzenstecker (muss Spezifikationen bezüglich Funkenstörung entsprechen), Kettenrad (bei identischer Zähnezahl), Kickstarter, Kühlwasserschläuche, Kupplungsarmatur, Kupplungsflüssigkeitsbehälter, Kupplungshebel, Luftfiltereinsatz (bei unverändertem Luftdurchsatz), Motorschutzwanne, Navigationsgerät, Öltemperatur-Direktmesser, Rahmen lackieren, Rahmenschützer/sturzpads, Ritzel (bei identischer Zähnezahl), Sitzbank (unter Beibehaltung der Originallänge; Haltevorrichtung für Sozius beachten), Suchscheinwerfer (darf nicht während der Fahrt benutzt werden), Vibrationsdämpfer (an Lenkerenden), Warnblinkanlage, Zündkerzen (müssen Spezifikationen bezüglich Funkenstörung entsprechen).

Foto: Rizoma

Bauartgenehmigung eintragungsfrei

Teile, die mit einem EG- oder ECE-Prüfzeichen versehen sind und nicht in die Papiere eingetragen werden müssen: Blinker, Glühlampen, Hupe, Kennzeichenbeleuchtung, Miniblinker, Nebelscheinwerfer, Rücklicht, Rückstrahler (Winkel senkrecht zur Fahrbahn beachten), Scheinwerfer, Spiegel, Zusatzscheinwerfer.

Foto: Archiv

Sonderfälle

Die folgenden Bauteile sind streng genommen ein Fall für eine ABE, was in der Praxis allerdings nicht angewendet wird - daher: eintragungsfrei. Alarmanlage, Benzinfilter, Benzinleitung, Benzinleitung-Schnellkupplung, Bremsscheibenabdeckung, Heckinnenkotflügel, Kennzeichenhalter, Kettenschutz, Kühlergrill, Schutzbügel, Soziusabdeckung.

Foto: Archiv

Schalldämpfer mit EG-Betriebserlaubnis

Schalldämpfer; KAT-Problematik: Müssen Nachrüstdämpfer mit EG-BE einen Kat besitzen, wenn auch der Serientopf einen aufweist? Alle ab 2006 nach Euro 3 homologierten Motorräder, die serienmäßig einen Kat besitzen, dürfen nur auf einen Nachrüstdämpfer mit Kat umgerüstet werden. Anders sieht es mit älteren, beispielsweise nach Euro 2 zugelassenen Motorrädern aus. Selbst wenn sie serienmäßig mit Kat ausgestattet sind, dürfen Nachrüstdämpfer ohne Kat angebaut werden. Allerdings nur, wenn diese vor dem 18. Mai 2006 eine EG-Betriebserlaubnis erhalten haben. Wenn dann bei der AUK der für das Motorrad (vom Hersteller) vorgegebene Wert überschritten werden sollte, gibt’s lediglich einen entsprechenden Vermerk im Prüfbericht. Zumindest sollten zwischenzeitlich alle Überwachungsvereine entsprechend instruiert worden sein.

Foto: DEKRA

Hauptuntersuchung (HU)

Motorräder müssen – auch dann, wenn es sich um Neufahrzeuge handelt – alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Wann der nächste Termin ansteht, geht aus den Fahrzeugpapieren hervor. Und wer sich die Plakette auf dem Kennzeichen anschaut, weiß ebenfalls, wann es so weit ist.

Wer vor dem Prüftermin die wichtigsten Kriterien selbst checkt (siehe nächste Seite), sollte vor unliebsamen Überraschungen sicher sein. Denn bei erheblichen, weil sicherheitsrelevanten Mängeln, gibt es keine neue Plakette. Geringe Mängel wie beispielsweise eine zu lockere Kette oder eine defekte Instrumentenbeleuchtung werden meist mit dem Hinweis toleriert, dass der Schaden umgehend zu beheben ist.

Wenn es doch mal beim ersten Anlauf nichts mit einer Plakette war, weil vielleicht ein abgefahrener Reifen, eine unzulässige Auspuffanlage oder ein loses Lenkkopflager vom Prüfer als "erheblicher Mangel" eingestuft wurde, dann hat der Fahrzeugbesitzer genau einen Monat Zeit, um die Mängel zu beseitigen. Zusammen mit dem Prüfbericht sollte er innerhalb dieser Frist zur Nachuntersuchung, bei der in erster Linie die Mängelbehebung interessiert. Wer jedoch länger als einen Monat wartet, muss erneut eine komplette HU inklusive der vollen Kosten über sich ergehen lassen.

Foto: Archiv

Checkliste für HU-Vorbereitung

  • Beleuchtung: Sämtliche Lampen müssen voll funktionsfähig und ihre Gehäuse unbeschädigt sein. Instrumenten- und Kennzeichenbeleuchtung nicht vergessen.
  • Bremsen: Funktion? Zustand von Bremsscheiben (Riefen, abgenutzt) und Bremsleitungen (dicht)? Beläge verschlissen? Außerdem Bremslichtschalter vorn und hinten kontrollieren.
  • Lenkung: Funktioniert das Lenkerschloss? Lenker von Anschlag zu Anschlag leichtgängig ohne spürbare Rastpunkte? Kein Lagerspiel spürbar?
  • Reifen: Stimmen Reifengröße und -bezeichnung mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren überein beziehungsweise gibt es eine Unbedenklichkeits-bescheinigung für die Reifenpaarung? Ausreichend Profiltiefe vorhanden (mindestens 1,6 Millimeter)? Stimmt die Laufrichtung? Reifenoberfläche frei von Rissen, Beulen oder Schnitten?
  • Sonstiges: Funktionieren Tacho und Hupe? Motor, Getriebe, Kühlleitungen dicht (Öl oder Kühlflüssigkeitslecks)? Federbein(e) und Gabelrohre funktionsfähig und dicht? Seiten- und Hauptständer in Fahrstellung gesichert bzw. Zündunterbrechung ok?  Motor-Aus-(Kill-)Schalter?
Foto: TÜV Süd

Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK)

Alle Krafträder, die nach dem 1. Januar 1989 erstmals zugelassen wurden, müssen seit April 2006 im Zweijahresrhythmus zur AUK. Der Gesetzgeber schreibt als Obergrenze für den CO-Ausstoß (Kohlenstoffmonoxyd) bei Krafträdern ohne Katalysator 4,5 Volumen-Prozent und bei Modellen mit geregeltem Katalysator 0,3 Volumen-Prozent vor. Allerdings können die Fahrzeughersteller EIGENE GRENZWERTE festlegen und diese den Prüfstellen bekannt geben. Motorräder, die technisch in Ordnung sind, sollten keine Probleme haben, diese Werte einzuhalten. Dennoch lohnt es sich, vor der Fahrt zur Prüfstelle einige Punkte selbst zu kontrollieren.

Tipps für die AUK

  • Ansaugstutzen: Nicht richtig sitzende oder poröse Exemplare saugen Luft an und beeinflussen die Abgaswerte. Hier hilft nur festziehen, abdichten oder Austausch.
  • Luftfilter: Um tadellose Funktion zu gewährleisten, das Filterelement vor der AUK begutachten, eventuell reinigen.
  • Zündkerzen: Verschmutze oder verschlissende Kerzen reinigen beziehungsweise gegen neue Kerzen mit dem vorgeschriebenen Wärmewert (siehe Handbuch) ersetzten.
  • Sonstiges: Auch Steuerzeiten, Zündung und Ventilspiel beeinflußessen das Abgasverhalten, lassen sich jedoch bei modernen, mit Elektronik vollgestopften Motoren bis auf das Ventilspiel von Hobbyschraubern nicht mehr einstellen oder überprüfen.
  • Geheimtipp: Ausgiebiges Warmfahren vor der AUK. Am besten absolviert man einige Kilometer auf Autobahn oder Schnellstraße bei mittleren bis hohenDrehzalen, damit Brennräume, Ansaug- und Abgaswege freigeblasen werden.

Preise Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung für Krafträder

Die von den Prüfdiensten verlangten Gebühren für Haupt- und Abgasuntersuchung unterscheiden sich nur geringfügig und liegen nach offiziellen Angaben grundsätzlich zwischen 54 und 57 Euro (Komplettpreis, wenn beide Untersuchungen wie üblich bei einem gemeinsamen Termin wahrgenommen werden).

Extra von Kiel nach München zu fahren, weil's dort vielleicht etwas günstiger ist, wäre also reichlich überzogen. Wer allerdings ohnehin durch Deutschland kurvt, kann selbstverständlich an jeder beliebigen Prüfstelle die HU und AUK durchführen lassen. Sollte es wider Erwarten beim ersten Anlauf keine Plakette geben, ist eine Nachprüfung erforderlich. Die Kosten dafür unterscheiden sich hier deutlicher und liegen zwischen 10 und 20 Euro.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote