Fehleranalyse bei Motorproblemen 50 Gründe, warum Ihr Motorrad nicht richtig läuft

Blauer Qualm aus dem Auspuff, Fehlzündungen, unrunder Leerlauf. Jetzt nur die Ruhe bewahren und analytisch auf Fehlersuche gehen. In dieser Werkstattfolge finden Sie 50 Tipps, wie Sie wieder kraftvoll aufdrehen können.

Wenn der Motor vom Elektro- oder Kickstarter durchgedreht wird, aber nicht anspringen will

  • Altes oder verunreinigtes Benzin im Tank: vor dem nächsten Startversuch die Schwimmerkammern entleeren, auf Schmutz untersuchen und frischen Sprit nachlaufen lassen.

 

  • Unterdruck-Benzinhahn öffnet nicht: Schlauch am Benzinhahn abziehen, Startversuch machen. Wenn kein Benzin kommt, ist wahrscheinlich die Unterdruck-Membran im Benzinhahn oder die Unterdruck-Zuleitung defekt. Hebel am Benzinhahn versuchsweise auf "Pri" stellen.

 

  • Filter im Benzinhahn oder Schlauch verstopft: Schlauch direkt am Benzinhahn abziehen und prüfen, ob beim Öffnen Benzin läuft. Wenn ja, ist der Nachrüst-Benzinfilter verstopft und muss erneuert werden. Wenn nicht, liegt der Fehler wahrscheinlich im Benzinhahn: ausbauen und reinigen.
  • Motor abgesoffen: Zündkerzen ausbauen und trocknen, Benzinhahn schließen, Licht aus. Motor mit Vollgas einige Male durchdrehen (E-Starter) bzw. durchtreten (Kickstarter bei ausgeschalteter Zündung).

 

  • Luftfilter dicht: reinigen oder erneuern.

 

  • Kein Funke an den Zündkerzen: neue Zündkerzen einbauen, Zündkerzenstecker, Zündkabel und Zündspulen überprüfen.

 

  • Zünd-/Motorelektrik defekt: prüfen, ob die Batterie richtig angeschlossen und geladen ist. Versuchsweise eine voll geladene Batterie einbauen. Zündanlage auf trockene Anschlüsse, einwandfreie Verkabelung und sicheren Masseanschluss prüfen.

 

  • Kompression zu niedrig: Entweder sind nur die Zündkerzen lose, oder aber die Kolbenringe verschlissen, Ventilsitze durchgeblasen, Zylinderkopfdichtung defekt. Dann müssen Zylinderkopf, Kolben und Zylinder überholt werden.

 

  • Kein Benzin im Tank: auf zur nächsten Zapfsäule.

 

  • Benzinhahn geschlossen: öffnen bzw. auf "Reserve" stellen.
Anzeige
Foto: Archiv

Wenn der Elektrostarter nicht durchdreht

  • Motor-Killschalter steht auf "Off".

 

  • Spannung zu niedrig: Batterie laden oder erneuern.

 

  • Schlechter Kontakt im Zündschloss oder Anlasserknopf: Schalter öffnen und Kontakte durch Abschmirgeln reinigen.

 

  • Hauptsicherung oder Anlasserrelais defekt: prüfen und defekte Teile austauschen.

 

  • Defekt im Anlasser z. B. durch durchgebrannte Stator- oder Ankerwicklung oder verschlissene Anlasserkohlen. Anlasser ausbauen und bei Fachwerkstatt oder Bosch-Dienst überprüfen und ggf. reparieren lassen.

Wenn der Elektrostarter den Motor nur langsam durchdreht…

  • Batterie zu schwach oder Kabel schlecht angeschlossen: Batterie laden, erneuern, Anschlusskontakte reinigen, Kabel korrekt anschließen.

 

  • Zu dickes Öl (z. B. Winteröl mit SAE-50-Spezifikation) eingefüllt: dünneres Öl in einer den Außentemperaturen angepassten Viskosität einfüllen.


Wenn der Elektrostarter läuft, aber den Motor nicht durchdreht…

  • Anlasserfreilauf defekt bzw. läuft nach Revision durch falsch zusammengebautes Gehäuse oder falsch angeschlossene Klemmen rückwärts; Zahnräder am Anlasser und/oder Einrückritzel defekt: in eingebautem Zustand beim Elektro-Spezialisten (z. B. Bosch-Dienst) überprüfen lassen.

Wenn das Anlasserrelais klickt, der Motor aber nicht durchgedreht wird…

 

  • Anlasserkabel schlecht angeschlossen oder Kurzschluss  durch Kabelbruch: Anschlüsse auf festen Sitz prüfen, Korrosion beseitigen, mit Multimeter auf Durchgang prüfen.
Anzeige
Foto:

Wenn der Motor schlecht anspringt, nur stotternd oder unrund läuft und oft ausgeht…

  • Benzin verschmutzt: Dreck im Tank, in den Benzinleitungen, im Vergaser. Benzin ablassen, Tank und Vergaser reinigen, frisches Benzin einfüllen.

 

  • Leerlaufdrehzahl zu niedrig: Drehzahl und Leerlaufgemisch einstellen.

 

  • Tankentlüftung verstopft: prüfen, ob die Entlüftungsbohrung (im Tankdeckel) z. B. durch einen zu fest aufgebauten Tankrucksack verschlossen wird, ggf. Bohrung reinigen.

 

  • Chokekolben hängt, Motor läuft deswegen zu fett: ausbauen, reinigen, Bowdenzug auf leichten Lauf kontrollieren.

 

  • Falschluft wird angesaugt, weil Vergaser oder Ansaugstutzen lose oder rissig sind: festschrauben, Stutzen auf Porosität untersuchen.

 

  • Unterspannung in der Zündanlage: Batterie laden, alle elektrischen Anschlüsse auf festen Sitz prüfen, Korrosion beseitigen, ggf. neue Zündkerzen, Stecker und Zündkabel montieren.

 

  • Falscher Elektrodenabstand oder Masseanschluss an der Zündkerze: Zündkerzenwärmewert und Zustand überprüfen, Elektrodenabstand einstellen, ggf. neue Zündkerzen montieren.

 

  • Anschlusskabel oder Verbindungsstecker der Zündspulen und Zündkerzenstecker beschädigt, gebrochen, Kerzenstecker nicht richtig aufgesteckt. Zündkabel herausziehen oder herausdrehen, ein kleines Stück abschneiden und wieder einbauen/eindrehen. Prüfen, ob Stecker in der Klemmung korrodiert sind und Kabel in ihren Klemmstellen korrekt sitzen.

Wenn der Motor schlecht anspringt und bei niedrigen Drehzahlen nur geringe Leistung hat…

  • Ventile falsch eingestellt oder zu wenig Spiel, Ventileinstellschrauben lose, Kipphebel verschlissen; Ventilfedern gebrochen oder Nockenwelle abgenutzt: Ventilspiel prüfen und korrekt einstellen, Ventilspiel-Einstellschrauben, Kontermuttern, Kipphebel, Kipphebelachsen, Ventilfedern und Nockenlaufbahnen auf übermäßigen Verschleiß begutachten.

 

  • Ventilsitze undicht, verbrannt, Ventilführung verschlissen, Ventil verbogen, sitzt fest: Kompression per Druckprüfer in einer Fachwerkstatt messen lassen.

 

  • Zylinderkopfdichtung undicht oder Zylinderkopf verzogen bzw. gerissen: Sichtprüfung auf Ölaustritt am Zylinderkopf, bei laufendem Motor auf austretende Verbrennungsgase an der Kopfdichtung achten.
Foto:
Schritt 5: Beim Einsetzen des gereinigten oder neuen Luftfilters unbedingt die Einbaurichtung beachten. Ist das Luftfiltergehäuse wieder zusammengebaut, gleich noch die Ansaugstutzen auf richtigen Sitz oder Risse überprüfen. Zieht der Motor Nebenluft, führt dies zu einer Abmagerung des Gemischs. Folge: Motorschäden.
Schritt 5: Beim Einsetzen des gereinigten oder neuen Luftfilters unbedingt die Einbaurichtung beachten. Ist das Luftfiltergehäuse wieder zusammengebaut, gleich noch die Ansaugstutzen auf richtigen Sitz oder Risse überprüfen. Zieht der Motor Nebenluft, führt dies zu einer Abmagerung des Gemischs. Folge: Motorschäden.

Wenn der Motor nur geringe Leistung hat und viel Benzin braucht

  • Luftfilter verdreckt, Luftansaugsystem verstopft: Filter reinigen, eventuell erneuern. Prüfen, ob alle Luftansaugöffnungen frei sind und der Motor ungehindert Frischluft ansaugen kann.

 

  • Zünd-/Motorelektrik defekt: prüfen, ob die Batterie richtig angeschlossen und geladen ist, Zündanlage auf trockene Anschlüsse und einwandfreie Verkabelung überprüfen.

 

  • Unterspannung in der Zündanlage: Batterie laden, alle elektrischen Anschlüsse auf festen Sitz prüfen, Korrosion beseitigen.

 

  • Zündkerzen defekt: Zündkerzenwärmewert und Zündkerzenbild überprüfen, Elektrodenabstand überprüfen und ggf. einstellen, versuchsweise neue Zündkerzen montieren.

Wenn der Motor im Leerlauf unrund läuft

  • Ventilspiel zu weit oder zu eng: korrekt einstellen.

 

  • Zündzeitpunkt stimmt nicht: neu justieren.

 

  • Zündkerzenstecker bzw. Zündkabel haben keinen richtigen Kontakt zu den Zündkerzen: Zündkabel aus Bauteil herausziehen/herausdrehen, ein kleines Stück abschneiden und wieder einbauen/eindrehen.

 

  • Zündbox defekt: versuchsweise Zündbox eines gleichen Typs einbauen, auf sauberen Masseanschluss achten.

 

  • Vergaser nicht synchronisiert: Gleichlauf der Gasschieber mit Synchrontester (beispielsweise von Böhm) einstellen.

 

  • Leerlauf verstellt: korrekt einstellen.
Foto: Archiv

Wenn der Motor nicht durchzieht und es schwarz aus dem Auspuff raucht…

  • Fettes Gemisch durch zu große Vergaserdüsen und zu hohen Schwimmerstand: kleinere Düsen einbauen, Schwimmerstand einstellen, Vergaser einstellen.


Wenn der Motor nicht durchzieht und es blau aus dem Auspuff raucht

  • Motoröl gelangt durch zu hohen Stand in den Verbrennungsraum, wird über die Motorentlüftung in den Luftfilterkasten gedrückt und dort wieder angesaugt: Ölstand kontrollieren, ggf. ablassen, Luftfilter reinigen.

 

  • Zylinder und/oder Kolben verschlissen, haben Riefen oder Schrammen, Laufspiel von Kolben zu Zylinder zu groß, Kolbenringe oder Ölabstreifringe verschlissen, gebrochen, keine Spannung mehr oder falsch montiert: Kompression messen. Wenn Wert zu niedrig: Zylinder, Kolben und Kolbenringe demontieren und Einbaumaße kontrollieren, erneuern, Zylinder ausschleifen.

 

  • Ventilführungen oder Ventilschäfte abgenutzt, Ventilschaftabdichtung(en) defekt: Zylinderkopf demontieren, Einbaumaße der Ventile und Ventilführungen kontrollieren, ggf. erneuern. Neue Ventilschaftabdichtungen einbauen.

Wenn der Motor nicht durchzieht und zu heiß wird…

  • Gemisch zu mager, weil die Vergaserdüsen verstopft sind: Sprit komplett aus dem Tank ablassen, Vergaser zerlegen und reinigen, unbedingt frisches Benzin einfüllen.

 

  • Gemisch zu mager, weil Vergaser falsch eingestellt oder falsch bedüst sind: Vergaser korrekt einstellen.

 

  • Falschluft wird angesaugt: Vergaser sitzt zu locker, Ansaugstutzen sind rissig oder porös.

 

  • Benzinleitung gequetscht, eingeklemmt, Schlauch geknickt: prüfen, ob alle Leitungen frei verlegt sind. Ebenfalls nachsehen, ob eventuell ein Befestigungsriemen vom Tankrucksack den Benzinschlauch unter dem Tank einklemmt.

 

  • Zu wenig Öl im Motor: korrekten Ölstand schaffen.

 

  • Ölpumpe defekt oder Ölkreislauf verstopft: Motor sofort abstellen, Fachwerkstatt aufsuchen!

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote