Lastwechsel beim Motorrad minimieren Tipps und Tricks für ein besseres Lastwechselverhalten

Grobe Lastwechselreaktionen vermiesen die flüssige Kurvenhatz und nerven im Alltag. 2Räder sucht die Gründe und schafft Abhilfe.

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Ein Lastwechsel ist der Wechsel zwischen geöffnetem und geschlossenem Gasgriff. An sich kein Problem, schließlich machen wir Motorradfahrer das ständig. Was uns vor allem beim flüssigen Kurvenfahren zu schaffen macht, ist die Lastwechselreaktion. Sie bezeichnet den je nach Motorrad unterschiedlich starken Ruck, der beim Gasanlegen durchs Bike geht. Warum eigentlich? Anstatt das Hinterrad anzutreiben, wird der Motor bei geschlossenem Gasgriff vom Trägheitsmoment der Fahrzeugmassen am Laufen gehalten.

Je nach Bauart bremst der Motor den Vortrieb mehr oder weniger stark: Fette Cruiser-Twins erzeugen dabei ein größeres Bremsmoment als ein kleinerer Vierzylinder. Bedeutsamer ist allerdings die umgekehrte Richtung. Legt der Fahrer das Gas wieder an, wechselt der Motor vom Schiebebetrieb auf Zugkraft und treibt das Hinterrad an. Bei vielen Motorrädern gelingt auch dieser Vorgang wenig geschmeidig und erzeugt abhängig von Drehzahl und eingelegtem Gang den besagten Ruck.

Unter Umständen ändert sich die Geschwindigkeit abrupt, Unruhe gelangt ins Fahrwerk, in Kurven sind Lenkkorrekturen nötig. Nicht Motor und Gasgriff allein sind schuld, sondern die vielen Beteiligten im gesamten Antriebsstrang. Durch das Spiel der involvierten Komponenten kann der Zündschlag regelrecht Schwung holen und dann das Motorrad mit Schmackes überraschend beschleunigen.

Das Spiel dient aber auch dazu, die Wucht der übertragenen Kräfte zu dämpfen. Daher sitzen sowohl im Kupplungskorb als auch im Hinterrad entsprechende Ruckdämpfer.

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Kurbelwelle, Kupplungskorb, Getriebeklauen - die Technik im Detail

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Kurbelwellen mit großen und schweren Kurbelwangen mit entsprechend hoher Massenträgheit dämpfen den harten Zündschlag besser als eine leichte Welle mit kleinem Durchmesser der Kurbelwangen. Im Gegenzug bringen geringeres Gewicht und Abmessungen höhere Agilität, der Motor wird spritziger.

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Im Kupplungskorb sitzen federbelastete Ruckdämpfer, um die hohen Verbrennungsdrücke des Motors abzufedern. Aus diesem Grund kann sich der Kupplungskorb um wenige Winkelgrade verdrehen.

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Um die Drosselklappen beim Gasanlegen dosiert zu öffnen, werden progressiv wirkende Gasgriffe verwendet. Zu Beginn wickeln Sie den Gaszug über einen kleineren Radius (s. Bild).

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Erst ab zirka einem Drittel der Gasstellung öffnen sie die Drosselklappen schneller.

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Das größte Spiel im Antrieb entsteht durch den freien Verdrehwinkel der Getriebeklauen. Bei Lastwechseln verdrehen sich die Gangräder zwischen 10 und 30 Grad, bevor sie die Kraft ans Hinterrad weiterleiten.

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Die Antriebskette sollte nicht zu viel Durchhang aufweisen, sonst werden lästige Lastwechselschläge verstärkt. Außerdem kann das ruckartig gespannte Kettentrum hart und laut auf die Führungsschienen auf der Schwinge schlagen.

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Zwischen Kettenblatt und Hinterradnabe verbirgt sich der zweite Ruckdämpfer im Antriebsstrang. Ist das Spiel zwischen den eingelegten Gummi-Elementen und dem Kettenradträger zu groß, verstärken sich die Lastwechselreaktionen.

Tipps für ein besseres Lastwechselverfahren

Hier und da ein wenig Feinarbeit, und ihr Motorrad benimmt sich gleich viel manierlicher. Mitunter hilft einfach ein leichter Tritt zur rechten Zeit.

Spiel im Gaszug optimieren

Hat der Gaszug zu viel Spiel, kann der Fahrer den "Anfang" der Gasbetätigung schlecht fühlen. Das Resultat: Er reißt die Drosselklappen heftig auf. Ist das Spiel dagegen knapp justiert, kann der Fahrer vom ersten Millimeter an die Drosselklappen fein dosieren. Bei der Reduzierung des Spiels im Öffner-Gaszug darauf achten, dass der Zug auch bei voll eingeschlagenem Lenker etwas Spiel hat. Eventuell muss bei der Verkleinerung des Spiels der Schließer-Gaszug nachgestellt werden.

Kettendurchhang justieren

Um festzustellen, wie stark sich die Kette spannen lässt, wird die Schwinge so weit eingefedert, dass Hinterachse, Schwingenachse und Ritzel auf einer Linie liegen. Jetzt muss sich die Kette mit leichtem Druck (auf halbem Weg zwischen Ritzel und Kettenrad) etwa 10 bis 15 mm nach oben oder unten bewegen lassen. Ist dieser Wert erreicht, wird das Hinterrad komplett entlastet und der Kettendurchhang am gleichen Punkt nachgemessen. Diesen Wert notieren, er dient in Zukunft als Anhaltspunkt.

Hinterradbremse benutzen
Besonders in Haarnadelkurven ist der Tritt aufs Bremspedal hilfreich. Bei der langsamen Kurvenfahrt hält man die Maschine mit leicht geöffnetem Gas unter Zug und reguliert die Geschwindigkeit, indem man die Hinterradbremse nur leicht betätigt - bei einem Tempo unter 50 km/h ist die thermische Beanspruchung von Scheibe und Belägen völlig unbedenklich. So vermeidet man das Schließen und Öffnen des Gasgriffs und die damit verbundene Unruhe im Fahrwerk.

Ruckdämpfer vorspannen
Tipp für fortgeschrittene Schrauber: Weisen selbst neue Gummidämpfer für das Hinterrad zu wenig Vorspannung auf, lässt sich hier das Spiel auf einfache Weise minimieren: Kleben Sie entsprechend dünne Alu-Bleche auf die Nabe, so werden die Gummis stärker vorgespannt.

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