So geht´s Lebensverlängernde Maßnahmen

Wer sich kümmert, hat länger etwas von seinem Motorrad. Das Kümmern ist gar nicht kompliziert oder teuer: Augen und Ohren auf, Gasgriff nicht zu früh auf Anschlag, gutes Öl nehmen – das ist’s schon.

Foto: Gargolov
  • Sich selbst nicht zu viel zutrauen, nichts verschlimmbessern. Zweirad-Mechaniker ist nicht ohne Grund ein anspruchsvoller Lehrberuf!
  • Den Motor nicht ständig untertourig fahren und quälen. Am wohlsten fühlt er sich bei dynamischer Landstraßenfahrt, bei der sich Drehzahl und Last ständig ändern. Bei warmem Motor (!) auch mal das letzte Drehzahl­drittel benutzen, dafür wurde der Antrieb schließlich konstruiert.
  • Drohende Defekte unverzüglich angehen, um Folgeschäden zu vermeiden: Ungewohnte Geräusche von der Fachwerkstatt kontrollieren lassen, zerschlissene Züge und abgefahrene Bremsbeläge schnellstmöglich tauschen. Aber funktionierende Teile auch nicht ohne Not wechseln. Nur echte Schwachpunkte ausmerzen. Und Züge sowie Gelenke regelmäßig schmieren.
  • Gutes Motorrad(!)-Öl verwenden. Es muss nicht zwingend das teuerste oder im Handbuch empfohlene sein. Es muss aber unbedingt auf die hohen Scherkräfte beim Schmieren von Getriebe und Kupplung abgestimmt sein. Beides brauchen Auto-Öle wegen separater Getriebe-Öle und Trockenkupplungen nicht zu leisten; zudem lassen Auto-Öle Nasskupplungen oftmals rutschen.
  • Das A und O der Motor-Fürsorge ist die richtige Betriebstemperatur. Das gilt insbesondere für luftgekühlte Motoren. Sie brauchen länger, um „auf Temperatur” zu kommen und werden etwa im Bereich des Zylinderkopfs wesentlich heißer als wassergekühlte. Bei älteren Motoren empfiehlt es sich, ein Ölthermometer zu montieren.
  • Nichts mindert die Dauerhaltbarkeit mehr als höchste Drehzahlen unmittel­bar nach dem Kaltstart. Dann ist das Öl noch zähflüssig, und die Betriebstoleranzen der Bauteile sind noch nicht aufeinander eingespielt (wg. unterschiedlicher Ausdehnung verschiedener Metall-Legierungen). Also: Bei kaltem Motor (minimal fünf Kilometer nach dem Start) sachte beschleunigen, höchstens halbe Maximaldrehzahl und geringe Last abrufen.
  • Zwar sind heutige Fertigungstoleranzen viel enger als früher, die verwendeten Werkstoffe hochwertiger und die Fertigungsmaschinen in der Produktion präziser. Trotzdem: Bei einem neuen Motor unbedingt die Einfahrvorschriften des Herstellers beachten. Last und Drehzahl kontinuierlich steigern, bis der Motor voll eingefahren ist. Gilt in besonderem Maß für großvolumige, luftgekühlte Motoren wie BMW-Boxer und Guzzi- oder Harley-V2.
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Weitere Pflege- und Wartungs-Tipps


  • Bei Vergasern: Einstellung regelmäßig kontrollieren und justieren (lassen). Zu mageres Gemisch erhöht die Temperatur im Zylinder stark, zu fettes kann im schlimmsten Fall zu einer Verdünnung des Motoröls mit Benzin führen, das an den (noch kalten) Zylinderwandungen kondensiert. Rückschlüsse aufs Gemisch lassen die Kerzenbilder zu. Vor der Winterpause den Sprit aus den Schwimmerkammern ablassen, sonst drohen im Frühjahr wegen Verharzung „Verstopfungen” und Startschwierigkeiten.
  • „Eine persönliche Beziehung“ zu seinem Motorrad aufbauen. Es ist wie in einer wahren Partnerschaft: Wenn man sich gut kennt, erkennt man kleine Wehwehchen noch rechtzeitig, weiß schon kleine Mucken richtig zu deuten.
  • Öl rechtzeitig wechseln. Motoröl altert durch Oxidation auch beim Stehen. Ein Wechsel vor der Winterpause schwemmt gebundene Säuren aus dem Motorgehäuse. Mit dem frischen „Winteröl“ kann man dann, je nach Fahrleistung, noch einen guten Teil der Folgesaison abspulen. Den Ölfilter grundsätzlich bei jedem Ölwechsel ebenfalls erneuern.
  • Regelmäßiges, schonendes Putzen schärft den Blick auch für verborgene Ecken, etwa Rostnester am Rahmen, abvibrierte Schrauben, gebrochene Schweißnähte. So wie früher: Mit Eimer, Schwamm und anschließend mit Chrom- und Lackpolitur pflegen und polieren. Macht sogar Spaß...

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