Lenkkopflager wechseln Lenkkopflager wechseln

Wenn die Lagerung im Lenkkopf der Maschine defekt ist, kriegt auch der erfahrene Biker in Kurven keinen sauberen Strich mehr hin.

Wenn die Lagerung im Lenkkopf der Maschine defekt ist, kriegt auch der erfahrene Biker in Kurven keinen sauberen Strich mehr hin. Ein defektes Lenkkopflager läßt sich leicht feststellen. Das Motorrad wird aufgebockt, so daß das Vorderrad in der Luft schwebt. Also auf den Hauptständer stellen und durch eine zweite Person hinten belasten.


Falls kein Hauptständer vorhanden ist, läßt die Maschine sich zur Not auch über den Seitenständer kippen. Dann muß sich der Lenker frei und ohne einzuhaken aus der Mittelstellung nach rechts und links bewegen lassen. Defekte Lager machen sich meistens dadurch bemerkbar, daß die Lenkung in der Mittelstellung einrastet. Die Folge: schlechte Lenkeigenschaften und instabile Straßenlage vor allem in schnellen Kurven.

Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich überprüft werden, ob die Lager spielfrei oder etwa zu stramm eingestellt sind. Dazu unten an der Gabel vor und zurück ruckeln. Klackert es im Lenkkopf, dann muß nachgestellt werden. Manchmal läßt sich geringes Spiel aber nicht beseitigen, da durch ungenaue Fertigung die Lagerringe auf dem Schaftrohr Spiel haben. Im Extremfall führt das zu Pendeln bei schneller Geradeausfahrt. Wer diesen Fehler beseitigen will, sollte sich an den Lagerspezialisten Emil Schwarz (Telefon 0 71 81/417 66) wenden. Er kann spezielle Über- oder Untermaß-Lagerringe auf Maß fertigen.


Keinesfalls sollte das Lager zu stramm eingestellt sein, besonders Kugellager vertragen erhöhten Druck gar nicht und sind in kürzester Zeit ruiniert. Die Lenkung sollte widerstandslos über den gesamten Lenkeinschlag gleiten. Bei der Kontrolle aufpassen: Züge oder Kabel können manchmal etwas Reibung und Widerstand bewirken.

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Um an die Lenkkopflager heranzukommen, muß zunächst die gesamte Gabel ausgebaut werden. Das heißt: Das Vorderrad muß raus, die Bremsanlage, dann die Gabelholme, eventuell muß auch der Lenker demontiert werden, manchmal muß auch die Verkleidung weg. Dann kann die Zentralmutter der oberen Gabelbrücke abgeschraubt werden.

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Die obere Gabelbrücke kann abgenommen werden, darunter befinden sich ein oder zwei Nutmuttern. Diese werden mit einem Hakenschlüssel gelöst, gelegentlich ist einer im Bordwerkzweug vorhanden. Bei doppelten, gekonterten Muttern braucht man jedoch zwei Schlüssel. Beim Abschrauben der Muttern untere Gabelbrücke festhalten.

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Ein defektes Lager ist meistens auch optisch schnell zu erkennen. Es verrät sich durch Druckstellen oder stark abgenutzte Laufbahnen der Kugeln oder Rollen. Keinesfalls sollten einzelne Schalen oder Laufringe getauscht werden. Immer obere und untere Lager im Set tauschen, eine preiswertere Alternative zu originalen Ersatzteilen bietet der Zubehörhandel.

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Mit einem Dorn können die Lagerringe aus dem Lenkkopf herausgetrieben werden. Dabei in vielen Schritten wechselweise und mit nicht zu groben Hammerschlägen arbeiten, damit der Ring nicht verkantet. Oft sind zwei gegenüberliegende Aussparungen im Rahmen vorhanden, damit ein Dorn angesetzt werden kann.

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Die Kante, an der der Dorn den Lagerring fassen kann, ist meistens ziemlich schmal. Wichtig ist, daß die Spitze des Dorns scharfkantig angeschliffen ist, um ein Abrutschen zu verhindern. Zur Not tut es auch ein goßer, ausgedienter Schraubendreher. Wenn diese Mittel versagen, helfen nur noch spezielle Ausziehwerkzeuge.

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Der Innenring des unteren Lagers ist auf das Steuerrohr gepreßt. Zum Trennen gibt es Spezialwerkzeuge, notfalls kann man sich mit Hammer und Meißel behelfen. Erhitzen im Backofen erleichtert die Arbeit auf jeden Fall. Mit dem Meißel muß unbedingt gefühlvoll und vorsichtig umgegangen werden, damit der Lagersitz keinen bleibenden Schaden davonträgt.

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Wenn der untere Lagerring nach einigen Meißelschlägen ein bißchen angehoben worden ist, lassen sich Montierhebel oder große Schraubendreher ansetzen. Dabei gleichmäßig hebeln. Die Hebel können, wie hier im Bild gezeigt, auf dem Lenk-Anschlag aufgelegt werden. Besser sind Holzstücke als schonende Unterlage.

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Vor der Montage des neuen Lagerrings wird dieser an der Innenseite mit Kupferpaste bestrichen, das erleichtert das Aufpressen und verhindert Rostbildung. Erwärmen des Lagerrings kann auch hier nicht schaden. Aber nicht mit dem Brenner ausglühen, sondern im Ofen oder mit dem Heißluftgebläse auf maximal 150 Grad erhitzen.

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Unter dem Lager liegt oft die Dichtkappe, die Eindringen von Schmutz und Wasser verhindert. Nicht vergessen. Dann den Lagerring mit einem passenden Rohr montieren. Dessen Ende sollte auf jeden Fall plan und winklig sein, sonst verkantet der Lagerring. Das Rohr darf keinesfalls auf den Laufflächen ansetzen.

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Der kniffligste Schritt beimTausch der Lager ist der untere Innenring. Wem das Werkzeug oder Erfahrung fehlen, kann dies auch in der Werkstatt erledigen lassen. Dort steht meist das hilfreiche und materialschonende Spezialwerkzeug zur Verfügung. Dann den Lagerkäfig mit reichlich Fett aufsetzen.

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Manchmal ist die Passung der äußeren Lagerringe im Rahmen etwas locker. Zur Not hilft hier Einsetzen mit Lagerklebstoff, zum Beispiel Loctite 648. Beim Einsetzen der Lager unbedingt darauf achten, daß die Ringe gerade angesetzt werden. Dann vorsichtig mit leichten Hammerschlägen eintreiben. Ein passender Alu-Ring ist dabei hilfreich.

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Mühsam wird es, wenn die Kugeln keinen Käfig haben. Dann mit sehr viel Fett einsetzen und aufpassen, daß die Kugeln vollzählig sind und korrekt sitzen. Reichlich Fett verwenden, das schmiert und schützt gleichzeitig vor Wasser. Gut geeignet ist zum Beispiel das Fett von Belray.

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Die obere Staubkappe beim weiteren Zusammenbauen nicht vergessen. Die Dichtlippen überprüfen, gegebenenfalls eine neue Kappe verwenden. In einigen Fällen ist der Dichtring bereits am oberen und unteren Lager angeklebt. Dann die Hutmuttern mit der Hand aufschrauben und provisorisch mit dem Hakenschlüssel festziehen.

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Wenn die untere Gabelbrücke provosorisch montiert ist, sorgen ein paar gefühlvolle Schläge mit dem Gummihammer dafür, daß die Lager sich in ihren Sitzen setzen. Niemals mit einem Metallhammer auf das Steuerrohr dengeln, blitzschnell wäre sonst das empfindliche Gewinde ruiniert.

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Nun das korrekte Spiel einstellen. Die Drehbewegung der Gabelbrücke muß über den gesamten Lenkeinschlag leichtgängig und gleichmäßig sein. Wenn es in einer Stellung erhöhten Widerstand gibt, wird es kompliziert. Dann ist irgend etwas krumm, die Lagersitze sind unrund, oder das Schaftrohr ist verbogen.

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Auf jeden Fall nach dem Einbau von Gabel und Vorderrad abschließend die Einstellung der Lager noch einmal prüfen. Durch das Festziehen der oberen Gabelbrücke könnte die Einstellung zu stramm geworden sein. Falls noch einmal justiert werden muß, dazu immer die Klemmung der oberen Gabelbrücke an den Gleitrohren lösen.

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