Leserfragen Thema Recht Leser fragen, MOTORRAD antwortet

MOTORRAD beantwortet Leserfragen zum Thema Recht. Welche Reifentypen dürfen gleichzeitig gefahren werden oder was bedeuten die Lautstärkeangaben genau.

Foto: Hartmann
Leserfrage: Bei eurem Dauertest der Aprilia Mana ist mir unter „Wartung + Reparaturkosten“ aufgefallen, dass ihr den ersten Hinterreifen auf Metzeler Sporttec M1 bei 6320 km gewechselt habt, den Vorderreifen aber erst bei 8613 km. Heißt das, dass ihr vorn die Erstbereifung Dunlop und hinten Metzeler von 6320 km bis 8613 km gefahren seid? Ich dachte, dass man immer paarweise wechseln muss. Oder mache ich da einen Denkfehler? Es existiert in der StVZO kein Verbot, vorn und hinten Reifen von zwei verschiedenen Herstellern aufzuziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass die aufgezogenen Dimensionen und Geschwindigkeits-Indizes mit denen aus der Zulassungsbescheinigung übereinstimmen. Technisch ist von Mischbereifung allerdings unbedingt abzuraten: Meistens harmoniert ein solcher Mix nicht untereinander und mit dem Motorrad. Fahrstabilität (gerade auch bei Topspeed), Handling und Lenkpräzision leiden in aller Regel ziemlich. Hinzu können unerwünschte Nebenwirkungen kommen, wie etwa störrisches Einlenken oder plötzliches Abklappen, wenn Profil und Kontur von Vorder- und Hinterreifen nicht zueinander passen. Also bei einem Notfall im Ausland nach Möglichkeit auf wenigstens "große Ähnlichkeit" von Vorder- und Hinterreifen achten. Sonst tut man sich mit Mischbereifung keinen Gefallen, auch wenn juristisch nichts dagegen spricht. Etwas anders liegt der Fall bei einer speziellen Reifenbindung. In diesem Fall dürfen die explizit angegebenen Reifen nicht gemischt, sondern allein paarweise gefahren werden. Dann (und nur dann) gilt also entweder "Metzeler X" oder "Continental Y". Dazu ein konkretes Beispiel: Die aktuelle Honda VFR 1200 F darf in Deutschland derzeit entweder nur mit Bridgestone BT 021 "N" oder Dunlop Roadsmart "K", jeweils vorn und hinten, gefahren werden. Allerdings funktioniert die VFR mit dem famosen Dunlop Roadsmart deutlich besser. Diese Paarung ist übrigens ohne Sonderkennung auch für die Aprilia Mana erste Wahl. Bei einer Reifenbindung darf also vorn wie hinten über den gleichen Hersteller hinaus nur der jeweils angegebene Reifen-Typ gefahren werden, gegebenenfalls sogar noch mit zu beachtender Sonderkennung.
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Leserfrage: Wie kommt es eigentlich zu den großen Unterschieden bei der Dezibel-Angabe auf dem Typenschild der Motorräder? Zum Beispiel Yamaha FZ1: 95 dB(A), Yamaha R1: 97 dB(A),die neue BMW S 1000 RR: 103 dB(A)! Das sind doch alles Vierzylinder mit identischem Hubraum. Offenbar meinen Sie das in den Fahrzeugpapieren eingetragene Standgeräusch, welches in dB(A) an-gegeben wird. Sein Zweck ist, etwa der Polizei bei Kontrollen einen Prüfgrundlage zu bieten, ob das Motorrad sich geräuschmäßig im legalen Bereich befindet oder nicht. Letztlich ausschlaggebend dafür ist allerdings das Fahrgeräusch, welches aber nur mit großem Aufwand zu messen ist. Die Unterschiede im Standgeräusch, nach denen Sie fragen, sind technisch bedingt. So sind unterschied-liche Motoren und Abgasanlagen in unterschiedlichen Belastungszuständen unterschiedlich laut. Eine große Rolle spielt hierbei auch die Peripherie, sprich eine eventuell oder eben auch nicht vorhandene Verkleidung, Wasserkühlung etc., die je nach Typ mehr oder weniger geräuschdämpfend wirken kann. Der für aktuelle Motor-räder derzeit gültige Fahrgeräusch-Grenzwert liegt bei 80 dB(A).

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