So geht's: Motorrad richtig bremsen Stopp! So bremsen Sie richtig

Ob Naked Bike, Enduro oder Cruiser - richtiges Bremsen will gelernt sein. Um im Ernstfall rasch anhalten zu können, ist der erste Schritt, die Physik zu durchschauen. Der zweite bis dreiundneunzigste: Training. 2Räder erklärt, wie es funktioniert.

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Faustregel
Ein Rad kann höchstens so viel Bremskraft übertragen, wie Gewichtskraft auf ihm lastet. Wer eine stärkere Bremsung versucht, erntet ein überbremstes, also blockierendes Rad. Passiert das hinten, kann das Heck ausbrechen - was oft glimpflich ausgeht. Ein blockierendes Vorderrad ist weitaus unangenehmer.

Wenn es dazu kommt, sofort die Bremse lösen, sonst droht ein Sturz. Fahrer von ABS-Motorrädern sind fein raus: Ein Computer reduziert den Bremsdruck automatisch, wenn ein Rad blockiert. Durchatmen, es folgt eine gute Nachricht: Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht von Fahrer und Maschine in Richtung Vorderrad.

Deshalb kann die vordere Bremse eine höhere Bremsleistung umsetzen als das entlastete, vielleicht gar leicht schwebende Hinterrad. Wie stark die sogenannte dynamische Radlastverlagerung ausfällt, hängt von mehreren Größen ab: je heftiger die Bremsung, je kürzer der Radstand und je höher der Schwerpunkt, desto stärker.

Wie bremst man nun richtig? Der Fahrer sitzt mit etwas Körperspannung aufrecht auf dem Motorrad, hat die Knie am Tank und die Ellenbogen leicht angewinkelt. Gestreckte Arme fühlen sich zwar stabil und belastbar an, sind aber nicht handlungsfähig!

Der erste Bremsimpuls gilt dem Hinterrad: Das Motorradheck zieht sich dadurch in die Federung und gewinnt an Stabilität. Einen Sekundenbruchteil später zieht der Fahrer den Handhebel und baut nicht ruckartig, aber zügig möglichst viel Bremsdruck auf. Über den Daumen: Binnen einer halben Sekunde sollte der Maximaldruck erreicht sein. Dann kann der Fahrer die hintere Bremse lockern und die Hauptarbeit dem Vorderrad überlassen. Klingt kompliziert? Richtig. Sicher wird man nur durch Routine, und die bekommt man nur mit viel Übung: am zweitbesten auf einem freien Platz, am besten auf einem Sicherheitstraining

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Enduro

Enduros, Supermotos und andere Hochbeinige kämpfen besonders mit der Überschlagsgefahr. Der hohe Schwerpunkt und die steile Gabel sind die Hauptgründe dafür. Bei dieser Geometrie ist der einleitende Tritt aufs Bremspedal besonders wichtig.

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Naked Bike

Aus dem Lehrbuch: Knie am Tank, Arme angewinkelt und Körperspannung halten. So behält der Fahrer die volle Kontrolle, auch wenn das Hinterrad den Bodenkontakt verliert.

Gut zu sehen: Die hintere Bremse ist offen, das Rad rotiert noch, ist auf dem Foto unscharf.

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Cruiser

Niedriger Schwerpunkt und langer Radstand; relativ wenig Gewicht verlagert sich nach vorn. Dazu kommt häufig eine hohe Gesamtmasse. Das Vorderrad überbremst relativ früh. Also ist die Hinterradbremse deutlich stärker gefragt, zumal das Rad am Boden bleibt und viel Kraft übertragen kann.

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Die Massenkraft ist so groß wie die erzeugte Bremskraft und ihr entgegengerichtet; die Gewichtskraft wirkt im Schwerpunkt senkrecht nach unten. Wenn die Resultierende aus Massen- und Gewichtskraft die Fahrbahn vor dem Vorderrad trifft, hebt das Hinterrad ab.

Tipps

Haltung
Locker, nicht lässig. Gespannt, nicht verkrampft. Knie an den Tank, Arme angewinkelt.

Blick
Weit geradeaus schauen. Augen nie auf ein Hindernis richten, sondern auf die Lücke.

Bremsdruck

Schnell und kontinuierlich steigern. Ruckartiges Bremsen lässt die Räder blockieren.

Ohne ABS
Wenn das Vorderrad blockiert, Bremse kurz lösen und neu anlegen. Nicht festfrieren.

Training
Immer wieder auf einem verkehrsfreien Platz üben. Die Abläufe müssen sich im Unterbewusstsein und den Reflexen verankern. Sicherheitstrainings gibt´s zum Beispiel unter www.actionteam.de.

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