So geht's: Motorrad-Grundcheck Grundcheck vor der Fahrt

In fünf Minuten kann man eine Menge erledigen: Fertigsuppe kochen, eine Zigarette rauchen, der Erbtante eine Postkarte schreiben - oder vor einer Tour schauen, ob rund ums Motorrad alles in Ordnung ist. Der kleine Moment Aufmerksamkeit kann großen Ärger sparen.

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Foto: Jacek Bilski

Kettenkontrolle: Durchhang und Fett

Eine Antriebskette  ist ein einfaches Gebilde, genügsam obendrein: Geschmiert will sie sein, damit die Glieder geschmeidig laufen. Und sie braucht Durchhang: Beim Einfedern vergrößert sich der Abstand von Ritzel und Zahnrad. Sitzt die Kette zu straff, wirkt beim Einfedern eine Zugkraft auf die Glieder, auf das Getriebeausgangslager und das hintere Radlager. Die Kette längt sich, die Lager können Schaden nehmen. Dem ist mit einem Griff vorgebeugt: Die bloße Hand erfühlt leicht, ob die Kette noch genügend Fett hat und ob der Durchhang stimmt. Der genaue Wert steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs. Für Sportler und Naked Bikes sind zwei bis zweieinhalb Zentimeter Durchhang ein guter Richtwert; Enduros brauchen etwas mehr.

Wer besonders gründlich prüfen will, checkt den Durchhang an mehreren Stellen. Gut, wenn das Motorrad einen Hauptständer hat. Ist die Kette ungleichmäßig gelängt, sollte sie demnächst getauscht werden. Bei deutlich zu viel Durchhang muss dieser justiert werden - wiederum siehe Handbuch. Fühlt sich die Kette trocken an, bekommt sie jetzt eine Ladung Kettenspray. Und nach der Tour gleich nochmal, denn wenn es nicht lang genug ablüften konnte, haftet das Fett nicht richtig auf der Kette und zentrifugiert sich davon. Besitzer von Motorrädern mit Kardanantrieb sollen sich nicht übergangen fühlen: Sind alle Lager, Manschetten und Gelenke sauber und dicht, oder tritt irgendwo Öl aus? Zahnriemenfahrer nehmen den Riemen selbst in Augenschein: Ausgefranste, rissige oder anderweitig beschädigte Exemplare sind schnellstmöglich zu tauschen.

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Bremsen prüfen

Foto: Jacek Bilski

Druckpunkt, Hebelweite alles wie immer, greifen die Beläge? Gut. Natürlich verstellt sich von selbst nichts, aber ein Griff zum Hebel und ein Tritt aufs Pedal räumen die letzten Zweifel aus. Bei Motorrädern mit ABS diesen Punkt am besten bei laufendem Motor prüfen. Außerdem: Laufen die Lager der Hebel sauber, oder täte ihnen vielleicht ein Tropfen Öl gut? Wer das nicht sofort erledigen mag, hat nach der Tour einen guten Vorsatz mehr auf der Liste.

Nehmen Hebel und Pedal anstandslos wieder ihre Ausgangsposition ein? Falls nicht: Bremsleitungen prüfen - sind sie knickfrei und dicht? Möglicherweise hat sich auch im Bremssattel ein Kolben leicht verkantet. Das Symptom unbedingt im Auge behalten, entsprechend vorsichtig fahren und bald einen tieferen Blick darauf werfen.

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Zur Kontrolle der Bremsen gehört der Blick aufs Bremslicht: Motorrad auf den Ständer stellen, Zündung an, selbst rechts neben dem Motorrad stehen. Die rechte Hand greift zum Bremshebel, der rechte Fuß tritt aufs Pedal.

Falls das Bremslicht aus dieser Position nicht zu sehen ist, kann die linke Hand als Reflektor dienen. Aktivieren Hebel und Pedal jeweils separat das Bremslicht? Geht es auch wieder aus, wenn die Bremse gelöst wird? Eine defekte Birne unbedingt tauschen; Ersatz gibt’s notfalls an der nächsten Tankstelle. Wer ohne Bremslicht unterwegs ist, riskiert, von hinten abgeräumt zu werden. Die Schuldfrage ist dann zweitrangig.

Stand der Bremsflüssigkeit

Foto: Jacek Bilski

Den Ausgleichsbehälter der vorderen Bremse haben Sie zwar ständig vor der Nase, aber wann haben Sie zum letzten Mal den Stand der Bremsflüssigkeit geprüft? Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür - auch hinten.

Leichter Tiefstand im Ausgleichsbehälter kann ein Indiz für abgefahrene Bremsbeläge sein. In einem solchen Fall: Taschenlampe holen, runter auf die Knie und nachschauen. Vielleicht planen Sie Ihre Tour spontan an der nächsten Gericke/Louis/Polo-Filiale vorbei? Oder, wenn Ihnen dabei wohler ist, bei Ihrer Lieblingswerkstatt, um einen Termin für den Bremsenservice zu vereinbaren? Einfach Flüssigkeit nachzuschütten ist jedenfalls keine nachhaltige Reparatur.

Spiel am Gaszug

Foto: Jacek Bilski

Um ein bis zwei Millimeter sollte sich der Gasgriff drehen lassen, ohne dass ein Widerstand spürbar ist. Zu wenig Spiel kann dazu führen, dass das Gas unter speziellen Umständen nicht mehr vollständig schließt.

Zu viel Spiel erschwert ein sauberes Dosieren und ist häufig eine Ursache harter Lastwechselreaktionen. Für gewöhnlich ist das Spiel im Gaszug mit zwei Kontermuttern im Handumdrehen justiert. Wo die Augen schonmal an Ort und Stelle sind: Läuft der Zug leicht? Sitzen die Endstücke der Hüllen richtig? Nicht einfach Öl reinsprühen; ist der Zug nämlich innen mit Teflon ummantelt, muss ein spezieller Schmierstoff her. Öl würde klumpen und das Gegenteil von dem bewirken, was es soll.

Kupplungszug

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Auch für den Kupplungszug gilt: Ein bis zwei Millimeter Spiel müssen sein - gemessen am lenkerabgewandten Ende zwischen Hebel und Halter. Bei zu wenig Spiel besteht die Gefahr, dass die Kupplung immer ein wenig schleift und so schnell verschleißt. Zu viel Spiel kann nach sich ziehen, dass die Kupplung nicht mehr vollständig öffnet und die Gänge nur hakelig zu wechseln sind.

Ist mit den Einstellschrauben kein vernünftiges Spiel einzustellen, sind wahrscheinlich die Reibscheiben der Kupplung verschlissen und müssen getauscht werden. Und wo wir grade dran sind: Stimmt die Hebelweite?

Reifendruck prüfen

Foto: Jacek Bilski

Manometer! Das ist nicht nur ein emotional verbrämter Ausruf, sondern auch die Bezeichnung für ein Druckmessgerät. Im Zubehörhandel ist so etwas ab 10 Euro erhältlich, sodass sie noch zuhause am kalten Reifen dessen Fülldruck prüfen können. Oft sogar leichter als an der Tankstelle, weil die Heim-Prüfgeräte deutlich handlicher sind. Für ähnlich wenig Geld, oft diesseits der 20 Euro, gibt es außerdem Fußpumpen, die Ihnen in Luftfragen den Weg zur Tankstelle vollständig ersparen.

Gerüchteweise wollen einige Tankstellen in naher Zukunft sogar Geld für die Benutzung ihrer Manometer und Kompressoren verlangen. Mal schnell überschlagen: Das Jahr hat 52 Wochenenden, durchschnittlich taugen 28 davon zum Motorradfahren. Wenn die Prüferei an der Tanke jede Woche 50 Cent kostet, haben sich Manometer und Fußpumpe bald amortisiert. Von dem Gewinn an Annehmlichkeit ganz zu schweigen - und man prüft ja auch viel öfter, wenn man das entsprechende Werkzeug griffbereit hat.

Benzinhahn prüfen

Foto: Jacek Bilski

Ohne Mampf kein Kampf. Alle Prüferei ist für die Tonne, wenn das Spritfass Ebbe meldet. Nun haben einige Motorräder eine echte Tankuhr im Cockpit, andere begnügen sich mit einer Warnlampe oder vertrauen gar auf den guten, alten Benzinhahn. Einige Fahrer nullen beim Tanken konsequent den Tageskilometerzähler, um schätzen zu können, wie weit sie mit der aktuellen Füllung noch kommen. Schätzen heißt nicht wissen, deshalb Deckel auf und reingucken. Man fühlt sich von der Technik veräppelt, wenn nach drei Kilometern Fahrt die Spritwarnlampe angeht.

Ölstand prüfen

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Eine Weisheit aus der Mottenkiste, aber nicht minder wahr. Zu niedrigen Ölstand quittiert ein Motor mit erhöhtem Verschleiß. Deshalb ist auch hier jeder prüfende Blick willkommen. Wie das genau funktioniert, steht in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs. Ob das Motorrad zur Ölstandsprüfung auf dem Seitenständer steht, ob der Lenker nach links, nach rechts oder gar nicht eingeschlagen ist, ob der Motor warm oder kalt sein soll - das handhaben die Hersteller sehr unterschiedlich.

Foto: Jacek Bilski

Genauso: Wird der Ölpeilstab vollständig eingeschraubt oder nur aufs Gewinde aufgelegt und dann abgelesen? Einheitlich über alle Marken und Modelle ist aber: Das Motorrad muss auf einer waagerechten, ebenen Fläche stehen.Ist das Motorrad mit einem Peilstab ausgerüstet, diesen also aus seiner gewohnten Behausung schrauben, mit einem Papiertuch abwischen, nach Anleitung wieder in Position bringen, erneut herausnehmen und ablesen. Ist der Ölstand nah am Minimum, Schmierstoff in 100-ml-Schritten nachfüllen und den Füllstand erneut prüfen, bis er gut mittig zwischen "Min" und "Max" steht. Auf keinen Fall zu viel Öl einfüllen! Das drückt sich aus dem warmen Motor an allen möglichen und unpassenden Stellen raus: Airbox und Ventildeckeldichtung sind noch die harmloseren.

Foto: Jacek Bilski

Ohne Peilstab ist die Sache noch einfacher. Speziell Motorräder mit Trockensumpfschmierung, die also den Ölvorrat nicht unter dem Motor bunkern, haben an geeigneter Stelle ein Steigrohr montiert, an dem sich der Ölstand ablesen lässt. Wo und wie genau, steht - Überraschung - im Handbuch.

Eine weitere Variante ist das Schauglas im Motorgehäuse. Es mag zwar ein wenig artistisch anmuten, das Motorrad einhändig auszubalancieren und gleichzeitig die Augen auf das Bullauge unten am Motorblock zu richten, aber es funktioniert prima. Vielleicht üben Sie es anfangs mit zwei Paar Augen und zwei Paar Händen, nur zur Sicherheit.

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