Sind die Beine zu kurz, muss die Sitzbank abspecken Motorrad-Sitzbank richtig abpolstern

Wer zu hoch auf dem Motorrad thront, hat viele Möglichkeiten, die Sitzhöhe zu reduzieren. Der wohl einfachste Weg für einen sicheren Stand: das Abpolstern der Sitzbank.

Foto: Koch

Wer sich mit einem engeren Kniewinkel und oftmals reduziertem Sitzkomfort arrangieren kann, der lässt die Finger vom Fahrwerk und vertraut seine Sitzbank einem erfahrenen Sattler an. Der schneidet den Schaumstoff im Bereich des Fahrersitzes aus und sorgt damit für eine moderate Sitzhöhe.

Was sich so einfach anhört, als ob man diese Änderung auch mit einem scharfen Brotmesser und handwerklichem Geschick in Heimarbeit erledigen könnte, entpuppt sich in der Praxis oft als recht anspruchsvolle Aufgabe.

Denn mit dem abgeschnittenen Schaum-stoff geht nicht nur der Sitzkomfort flöten, sondern auch die Federeigenschaften des Polsters. Dies trägt je nach Konsistenz und Bauhöhe entscheidend dazu bei, dass kurze, harte Fahrbahnstöße, die von der Federung/Dämpfung nicht absorbiert werden, den Fahrer nicht malträtieren.

Um dieser Anforderung gerecht zu werden, tüfteln die wenigen echten Spezialisten der Branche eine dem Fahrergewicht und der Kontur des Hinterteils angepasste Mixtur aus unterschiedlich harten Schaumstofflagen aus. Nur so lässt sich eine akzeptable Stoßdämpfung bei geringer Sitzhöhe bewerkstelligen.

Doch auch dann sind Grenzen gesetzt: „Um noch ausreichend komfortabel zu sitzen, muss das neue, meist zweilagige Polster mindestens 25 Millimeter dick sein“, erklärt der Spezialist Gerd Jungbluth (www.alles-fuern-arsch.de).

Das Problem bei vielen Sitzbänken: Der Unterbau ist oft nicht glattflächig, sondern hat mehr oder weniger starke Auswölbungen nach oben, die notwendig sind, um genügend Abstand zu elektrischen Bauteilen zu schaffen, die unter der Sitzbank platziert sind.

Aus diesem Grund muss man auch davor warnen, einfach die gesamte Sitzbank tiefer zu legen, etwa durch das Entfernen der Gummiauflagen oder Versetzen der Verschraubungen. Drückt die Sitzbank dann unter der Last des Fahrers auf Bauteile wie Regler, Gleichrichter, Zündbox oder Steckverbindungen, können diese irreparabel zerstört werden.

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Foto: Archiv

Nicht jede abgepolsterte Sitzbank ist nach der Operation noch langstreckentauglich. Wer sich vom freundlichen, aber in Sachen Motorradsitz unerfahrenen Polsterbetrieb ums Eck einfach eine möglichst tiefe Kuhle in den Schaumstoff schnitzen lässt, sitzt zwar maximal tief, aber mindestens genauso unbeweglich im Sattel. Fühlt sich ein rundlich ausgeformtes Polster auf den ersten Kilometern noch recht komfortabel an, wird es auf längeren Etappen zur Qual, da der Fahrer kaum eine Möglichkeit hat, die Sitzposition zu ändern. Was nicht nur das Hinterteil über Gebühr strapaziert, sondern auch den Fahrer in eine passive und steife Sitzhaltung zwingt.

Neben der Bank-Bauhöhe beeinflusst auch die Baubreite der Sitzfläche maßgeblich die subjektiv empfundene Sitzhöhe. Aus diesem Grund sind viele Sitzbänke im vorderen Bereich deutlich schmaler gehalten als die eigentliche Sitzfläche (siehe Foto). Wenn dann noch die Baubreite im Rahmen- und Fußrastenbereich schlank ausfällt, ist die gefühlte Sitzhöhe oft deutlich niedriger als bei einem vergleichbaren Motorrad mit breiter Taille. Aus diesem Grund gibt zum Beispiel BMW nicht nur die Sitzhöhe, sondern auch die sogenannte Schrittbogenlänge an. Diese berücksichtigt neben der Höhe auch die Breite der Sitzbankkante.

Je nach Aufwand für den Umbau sind 60 bis 140 Euro einzuplanen. Teurer wird es dann, wenn der Original-Sitzbankbezug nicht mehr verwendet werden kann und ein neuer, der Kontur angepasster hergestellt werden muss. Preis und Aufwand können jedoch im Vorfeld mit den Firmen geklärt werden. Wichtig bei der Auftragsvergabe: Der Liefertermin für die fertige Sitzbank sollte schriftlich bestätigt werden. Denn ohne Sitzbank nützt das schönste Motorrad nichts.

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