MOTORRAD-Ölfibel: Öl-Analyse Spurensuche im Öl

Der Schmierstoff verrät viel über den Zustand des Motors. Manche Spuren sind mit dem Auge zu erkennen, andere bringt nur eine Laboranalyse ans Licht.

Foto: Eisele

Die Angst fährt mit. Nicht weil das Motorrad oder das Auto im Handling schwierig sind. Nein, weil die technische Zuverlässigkeit des Motors nicht über jeden Zweifel erhaben ist – gerade bei gebrauchten Fahrzeugen ist das oft der Fall. Hält der Motor, und sind diese Geräusche normal? Das sind Fragen, die viele auch noch Wochen nach dem Kauf stellen und die eigentlich überflüssig sind. Ein Blick aufs Motoröl verrät eine Menge über den Zustand des Antriebs.

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Oft reicht es, nur den Peilstab zu ziehen oder den Öldeckel abzuschrauben. Riecht der Schmierstoff dann zum Beispiel stark nach Sprit, ist das kein gutes Zeichen. Das Öl wird verdünnt, was zu Motorschäden führt. Ursache kann zu viel Stadtverkehr sein, Kompressionsverlust sowie Schäden an der Gemischaufbereitung oder der Zündanlage. Ist das Öl dagegen klumpig oder verfärbt, deutet das meist auf einen Kühlwassereintrag hin, wofür häufig ein defekter Zylinderkopf, eine kaputte Kopfdichtung oder Laufbuchsenabdichtung (speziell bei Motorrädern) verantwortlich ist. Und falls das Öl wie dicker Sirup anmutet, hat der Vorbesitzer das Wort Wartung falsch interpretiert.

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Vieles nur im Labor sichtbar

Doch nicht alle Spuren sind mit bloßem Auge erkennbar. Absolute Klarheit über den Motorzustand liefert daher erst eine Analyse in einem Labor für Öluntersuchungen – schade nur, dass sich diese speziellen Institute selten in der Nähe befinden. 

Eine der renommiertesten Einrichtungen ist die Firma Oelcheck im bayerischen Brannenburg. Rund 300 000 Proben analysieren die Profis jährlich und klären auf, was die Spuren im Öl bedeuten. "Kupfer und Blei deuten hauptsächlich auf Lagerverschleiß hin, Chrom auf Verschleiß der Kolbenringe. Eisen ist meist der Hauptbestandteil von Motorblöcken, Ketten, Zahnrädern, Nocken- und Kurbelwellen", sagt Steffen Bots, Leiter Kundenservice und Vertrieb bei Oelcheck. Auch die Ölalterung lässt sich anhand der Oxidation oder Nitration bestimmen."Das Motorenöl muss alle Säuren neutralisieren, die während der Verbrennung entstehen. Ist der Säureschutz nicht mehr ausreichend, entsteht Korrosion", sagt Bots.

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Außerdem prüft Oelcheck über das Schmutztragevermögen, ob das Öl seine Reinigungsfunktion  erfüllt und ob es Rückstände umschließen sowie in Schwebe halten kann. Falls das nicht mehr der Fall ist, kommt es zu Schlammbildung und gegebenenfalls zur Mangelschmierung. Ein stark erhöhter Rußgehalt kann übrigens diese Eigenschaft des Motoröls negativ beeinflussen. Auch viel zu lange Ölstandzeiten spielen hier eine  Rolle – vor allem beim Motorrad, bei dem oft die Standzeit höher ist als die Laufzeit. Und noch etwas zu langen Auszeiten: Bietet das Öl keinen ausreichenden Korrosionsschutz oder ist Feuchtigkeit im Schmierstoff, tritt Verschleiß auf.

Kurzum: Die Ölanalyse verrät alles. Damit sie das aber kann, ist erst einmal ein Analyseset zu ordern, eine Ölprobe zu entnehmen und diese an Oelcheck zu senden. "Nach Probeneingang bekommt der Kunde einen Laborbericht mit der Diagnose innerhalb eines Werktags", verspricht Bots. Alles in allem kostet das den Privatkunden um die 70 Euro – nicht zu viel, um die Angst loszuwerden.

MOTORRAD-Öl-Spezial

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