Mit Olivenöl aus Muttis Küche lässt sich der Glanz von Kunststoffteilen am Motorrad dauerhaft wiederherstellen.

Öl-Pflegetipps für das Motorrad Olivenöl und Baumwolltuch

Ohne Öl und Fett läuft beim Motorrad gar nichts. Doch diese Mittel können mehr als nur Motor, Getriebe, Kette oder mechanische Teile schmieren. Tipps und Tricks, wofür man die Schmierstoffe noch einsetzen kann – und wo sie nichts zu suchen haben.

Nein, hier geht es nicht um den klassischen Ölservice und Schmierdienst. Sondern um die Frage, wofür solche Schmiermittel noch taugen. Einer, der das genau weiß, ist Dietmar Schmid, Anwendungstechniker bei Liqui Moly: „Öle eignen sich sehr gut fürs Aufbereiten von Ober­flächen bei älteren Motorrädern.“

Anzeige

Kunststoffe aufbereiten

Beispielsweise zum Entfernen von Grauschleiern auf schwarzen Kunststoffteilen. Peter Steger von R&R Fahrzeugtechnik in Überacker (www.rr-kfz.de) empfiehlt hierzu handelsübliches Olivenöl aus dem Supermarkt, das mit einem sauberen Baumwolltuch hauchdünn auf die Kunststoffoberflächen aufgetragen wird. „Nach einer Viertelstunde wischt man diesen gerade noch erkennbaren Ölfilm mit einem trockenen Tuch wieder ab“, erklärt der Experte, „die Zeit reicht aus, damit das Olivenöl fest haftende Verschmutzungen anlösen kann.“ Nach dem Trockenwischen lässt sich zumeist schon der ursprüngliche schwarze Glanz der Kunststoffteile erkennen. Bei hartnäckigen Verschmutzungen diese Prozedur wiederholen und den Ölfilm über Nacht einwirken lassen. „Am nächsten Tag nur die letzten Reste des Öls abwischen und die Oberflächen polieren, dann sehen die Kunststoffteile wieder aus wie neu“, verspricht Peter. Sogar Sitzbänke können so aufgefrischt werden. Rutschig wird es auf den Kunstleder-Möbeln anschließend keineswegs, da das Olivenöl nach zwei Tagen komplett eingezogen ist.

Foto: Schoch
Handelsübliches Olivenöl und ein weicher, sauberer Baumwolllappen genügen zur Pflege der meisten Kunststoffteile.
Handelsübliches Olivenöl und ein weicher, sauberer Baumwolllappen genügen zur Pflege der meisten Kunststoffteile.

Als Universaltalent gilt weiterhin das Ballistol-Öl von Klever. „Es ist eines der wenigen alkalischen Öle, daher umweltfreundlich für viele Pflegemaßnahmen am Motorrad, insbesondere für die Kunststoffpflege, geeignet“, so Peter. Ballistol verharzt nicht und ist praktisch unbegrenzt haltbar, zudem, wie Olivenöl, biologisch vollständig abbaubar und hautverträglich. Nur bei Schaumgummi und Polystyrol ist Vorsicht geboten, da es in diese eindringen und sie anlösen kann. „Alle ölbeständigen Kunststoffe und Gummisorten können jedoch mit Ballistol behandelt werden“, lautet Peters Faustformel. Hauchdünn mit einem weichen Baumwolltuch aufgebracht, wird es nach einer Viertelstunde wieder abgewischt und die behandelte Kunststofffläche poliert. Ist der gewünschte Glanzgrad noch nicht erreicht, die Prozedur wiederholen. „Ballistol eignet sich ebenso zur Gummipflege“, sagt Peter. „Dünn auf Faltenbälgen, Gummiabdeckungen von Seilzügen oder Gummi­lagerungen des Motors aufgetragen, bleiben die Gummis lange geschmeidig und bilden keine Risse.“

Falls Ballistol auf den Lack der Maschine gelangen sollte, ist das nicht tragisch, da Lacke aus dem Fahrzeugbereich in der Regel unempfindlich gegen Öle sind. Ich selbst sprühe meine Motorräder vor dem Winter dünn mit Ballistol-Öl ein, da es zuverlässig Flugrost auf blanken Metalloberflächen oder Oxidation auf Aluminium verhindert. Auch viele Museen konservieren damit übrigens ihre in Depots gelagerten Fahrzeuge! Prima eignet sich Ballistol nach meiner Erfahrung darüber hinaus zum Entfernen von Teer- und Bitumenflecken, sodass ich beim Motorrad auf scharfe Mittel verzichten kann.

Putzerleichterung mit Silikonspray

„Wer seinen Enduro- oder Trial-Klassiker nach einem Geländeeinsatz wieder leichter sauber bekommen möchte, sollte die Maschine zuvor mit Silikon-Spray einsprühen“, empfiehlt Dietmar. „Das ist besonders bei Motocross-Fahrern beliebt, weil sich so der Schmutz nicht an der Maschine anhaften kann. Klappt aber auch bei Touren mit unseren Straßen-Oldies. Auspuff oder Motor sind für Silikonspray jedoch tabu, da es dort einbrennt.“

Anbau von Griffen mit Schnellreiniger

Nichts zu suchen haben Schmiermittel dagegen bei der Montage von Griffgummis am Lenker. „Das ist grundverkehrt und gefährlich“, warnt Peter. „Dadurch können Griffgummis noch nach Wochen vom Lenker rutschen!“ Einfacher und sicherer klappen An- und Abbau der Griffgummis mit herkömmlichem Schnellreiniger. Zum Anbau die Lenkerenden einsprühen, dann die Griffgummis über das Rohr ziehen. Nach ein paar Stunden ist der Schnellreiniger verdampft, und die Griffe sitzen absolut fest.

Unterbrechernocken schmieren

Obwohl nur selten in einem Schmierplan erwähnt, sollte bei Maschinen mit Unterbrecherzündung der kleine Filz am Nocken der mechanischen Fliehkraft-Zündverstellung mit Öl beträufelt werden. „Der Filz dient nicht zum Reinigen des Nockens, sondern zur dauerhaften Schmierung“, weiß Peter. „Jenen mit Kriechöl oder Motoröl zu tränken, bringt aber nichts, da diese zu dünnflüssig sind.“

Die Folge ist, dass der Nocken bereits nach wenigen Kilometern wieder trocken läuft und die Unterbrecherböckchen rascher verschleißen. Dann müssen die Kontakte häufig nachgestellt werden, damit die Zündung korrekt arbeitet. Früher gab es für den Filz spezielle, sehr dickflüssige Öle. Sie waren lange Zeit nicht mehr erhältlich, bis Addinol vor etwa acht Jahren das Unterbrecheröl U1500 wieder ins Programm aufnahm. Es ist sehr zähflüssig und wird mit einem Ölstift auf den Filz aufgetragen. Dank hoher Viskosität bekommt der Nocken dadurch stets genügend Schmierstoff.

Verklebte Schlauchverbindungen lösen

Neben der Pflege und Reinigung taugt Öl außerdem bei der Demontage. So etwa beim Abziehen alter, ausgehärteter Kraftstoff- oder Entlüfterschläuche, die sich nach vielen Jahren mit dem jeweiligen Zapfen regelrecht verkleben. Statt zum Messer rät Dietmar in solchen Fällen zur materialschonenden Methode mit Multispray. „Den Schlauch mit einer Reißnadel etwas anheben und das Öl darunter sprühen. Dann lassen sich selbst ausgehärtete Schläuche unter Drehbewegungen leicht abziehen.“ Mit etwas Glück kann der alte Schlauch sogar weiterverwendet werden, da Gummi durch das Öl häufig wieder geschmeidig wird. Rissige Schläuche jedoch stets ersetzen! Vorbeugend also vor der Schlauchmontage den Anschluss am besten mit Silikonfett bestreichen. Dann hat man später keine Probleme beim Abziehen.

Dichtungsentferner mit Zusatznutzen

Einen weiteren Tipp hat Dietmar bei hartnäckigen Verkokungen. Hier helfen Dichtungsentferner, die mehr können, als nur alte Papierdichtungen zu lösen. „Die ölige Flüssigkeit eignet sich hervorragend zum Entfernen von verbackenen Ölrückständen, etwa in Ölwannen, am Kolben, Zylinderkopf oder den Ventilen. Hierzu die Teile satt mit Dichtungsentferner einsprühen und diesen eine halbe Stunde wirken lassen. Anschließend können die Verkokungen mit einer weichen Bürste oder einem Tuch abgeschrubbt oder abgewischt werden.“ Achtung: Dichtungsentferner sollte nicht auf lackierte Teile gelangen, sonst löst er die Farbe auch mit ab. Bei hartnäckigen Verkokungen den Dichtungsentferner länger einwirken lassen − gegebenenfalls auch mal über Nacht.

Altes Lagerfett auffrischen

Jedes Schmierfett altert und wird nach etlichen Jahren zäh. Dann muss das entsprechende Bauteil zerlegt, gereinigt und neu gefettet werden. „Das ist ärgerlich, wenn es mitten in der Saison passiert und man eigentlich fahren möchte“, sagt Dietmar. „Insbesondere wenn es das Lenkkopflager betrifft, da sich zähes Fett hier durch Fahrwerksunruhen bemerkbar machen kann.“ Ums Zerlegen und neuerliche Fetten dieses Lagers kommt man nicht herum, den Zeitpunkt kann man aber etwas hinauszögern. Dietmar: „Das alte Fett lässt sich ‚refreshen‘, zumindest für eine gewisse Zeit.“ Dazu das Lenkkopflager mit Multispray kräftig einsprühen und dabei mehrmals den Lenker von Anschlag zu Anschlag bewegen, bis das Fett das Kriechöl aufgenommen hat. Dies sollte man aber nur als einmaligen Notbehelf verstehen, da durch den zusätzlichen Schmierstoff die Viskosität des Schmierfetts verändert wird!

Kardankomponenten schützen

Bei Motorrädern mit Wellenantrieb können Kardanwelle, Ausgleichsbüchsen und die Kardangelenke im Kardantunnel unbemerkt rosten, wodurch vor allem das Kardangelenk und die Ausgleichsbüchsen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ursache ist meist Feuchtigkeit, die bei Regenfahrten oder bei der Motorradwäsche in den Kardantunnel gerät. Vorbeugend können die bewegten Kardankomponenten vor Rost geschützt werden, indem sie – am besten einmal pro Jahr – reichlich mit Fett bestrichen werden. Dabei auch das Kreuzgelenk schmieren, selbst wenn das Fett seine Wirkung in den gekapselten Lagern nicht entfalten kann. Es verhindert jedoch ein Verspröden der Dichtungsgummis des Lagers und das Eindringen von Feuchtigkeit. Und verlängert so die Lebensdauer aller Komponenten. Wichtig ist auch die richtige Schmierung des Kardan-Längenausgleichs.

Normales Wälzlagerfett taugt hierzu aber nicht, es ist den hohen Drücken nicht gewachsen und wird im Betrieb aus der Büchse des Längenausgleichs geschoben. An dieser Stelle braucht es in spezielles hochdruckbeständiges Fett mit Feststoffanteil. Ein „Geheimtipp“ unter BMW-Fahrern ist das Hochleistungsfett Staburags NBU 30 PTM von Klüber, ein festschmierstoffhaltiges, wasserbeständiges Montagefett gegen Tribokorrosion (Passungs- und Reibrostbildung), das sich besonders unter Freiwetterbedingungen bei hohem Feuchtigkeitseinfluss bewährt hat. Alternativen bieten jedoch auch andere hochdruckstabile (!) Fette – nicht nur für die Wellentriebe von BMW, sondern ebenso jenen von Guzzi & Co.

Gabelsimmerringe schützen

Mit einem simplen Trick lässt sich überdies das Leben von Gabelsimmerringen verlängern: Bei fehlenden Faltenbälgen unter die Staubmanschetten jeweils einen dünnen, mit Motoröl mittlerer Viskosität benetzten Stoffstreifen anbringen, der das Standrohr umfasst. Dieser wird durch die Staubmanschette gehalten und nimmt bei jedem Einfedern der Gabel Staub und Schmutz auf. Die empfindlichen Dichtlippen der Simmerringe werden so vor Beschädigungen und Verschleiß dauerhaft geschützt. Je nach Einsatzbedingungen den Stoffstreifen öfter wechseln!

Peter hat noch einen Tipp für Motorräder mit konventionellen Telegabeln parat: „Oft spricht die Gabel schlecht an, weil die Simmerringe sehr stramm sitzen. Gegen stramm sitzende Simmerringe kann man allerdings nur wenig machen. Das Ansprechverhalten der Gabel lässt sich jedoch spürbar verbessern, wenn die Standrohre mit Silikonöl eingesprüht und anschließend mit einen weichen Baumwolltuch so vorsichtig abgewischt werden, dass ein leichter Ölfilm zurückbleibt.“ Nebenbei werden so auch die Simmerringe gepflegt. Man kann daher den oben genannten Trick mit den um die Standrohre gewickelten Tuchstreifen mit diesem hier kombinieren und die Streifen mit Silikonöl benetzen.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote