Pascal Eckhardts Fahrtipps für die Rennstrecke Teil 5 Richtige Sitzposition

Hanging-off ist unter Sportler-Fans das ganze große Ding. Doch wie geht’s richtig und wie sitzt man überhaupt, fragen sich viele. Die einfache Antwort gibt es - wie so häufig - nicht, ist sich PS-Instruktor und IDM-Crack Pascal Eckhardt sicher.

Foto: Archiv

Während ich diese Zeilen hier schreibe, piesackt uns das miese Winterwetter nach wie vor. Dabei juckt es mir gewaltig in den Fingern, besonders rechts. Aber wir haben dadurch Zeit, uns noch mit einem wichtigen Aspekt des sportlichen Motorradfahrens mal gedanklich auseinanderzusetzen. Thema heute: „Sitzen“. Was banal klingt, ist auf dem Motorrad, und dem Rennmotorrad erst recht, eine ziemlich komplexe Sache. Doch eines muss man wissen: Das richtige Sitzen auf dem Motorrad lässt sich nicht in Schritt eins, zwei, drei und so weiter zerlegen.

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Bewegungen müssen fließend sein

Ich habe das oft beobachtet, wie selbstberufene Instruktoren ihren Kumpels erklärt haben, dass man zuerst nach hinten rutscht, dann den Fuß so oder so hinstellt, danach sofort den Hintern verdreht, den Arm sogleich einknickt, dann die Nase in diese oder jene Richtung hält und anschließend erst bremst. Genau so abgehackt sieht das dann aber leider auch aus, wenn man sie fahren sieht. So wie die Linie aus einem Guss sein muss, müssen auch die Bewegungen auf dem Motorrad fließend sein. Um das zu erreichen, gibt es nur eine zentrale Botschaft: bleibt locker!

Ich hatte diesbezüglich ein Schlüsselerlebnis mit keinem Geringeren als Kevin Schwantz. Mein Glück wollte es, dass ich mit meinem Hero während des Sachsenring-GP ein paar Worte wechseln konnte, unter anderem auch über „Riding Style“. Er zeigte mir anhand einiger Fahrer, die durch die Bergab-Passage hinter dem Fahrerlager fuhren, was es heißt, locker auf dem Bike zu sitzen und das Motorrad einfach laufen zu lassen. Die Maschinen einiger Piloten fingen nach dem Umlegen und Herausbeschleunigen nämlich tierisch an zu pumpen. Trotzdem schien das den Piloten nichts auszumachen und die Motorräder beruhigten sich nach wenigen Metern wieder, obwohl die Fahrer den Gashahn stur offen hielten. Natürlich haben die GP-Stars die besten Fahrwerke und die beste Elektronik der Welt, aber es lag grundsätzlich an etwas völlig anderem.

„Sit on the bike like a jockey“, war Kevins Message. Und das ist auch meine: Sitz auf dem Bike wie ein Jockey, die Zügel, äh sorry, die Stummel locker in der Hand, Gewicht auf den Rasten und wenn es mal brenzlig wird, Popo hoch und den Höcker entlasten. Wenn ihr fahrt, überprüft deshalb immer wieder, ob ihr -locker seid. Brennen die Unterarme schon nach einem Turn, sitzt ihr viel zu angespannt auf dem Motorrad. Denkt dann immer an Kevins Jockey!

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Turneinlagen beim Training

In kaum einer Situation ist „locker bleiben“ entscheidender als in Kurven. Und was bekommt man da nicht alles geboten, wenn man sich bei Trainings mal auf die Tribüne setzt. Da vollführen Piloten Einlagen, dass Fabian Hambüchens WM-Reck-Übung rüberkommt wie Kinderturnen.

Theoretisch hat das Hanging-off natürlich seinen Sinn, denn durch die Gewichtsverlagerung verändere ich den Schwerpunkt von Pilot und Motorrad, was wiederum einen Einfluss auf meine mögliche Kurvengeschwindigkeit hat. Aber wie oben erwähnt, muss die Bewegung aus einem Guss kommen und meinem Hauptanliegen, nämlich schneller zu werden, nützen.

Wenn ich mich aber erst ganz umständlich umsetze, die Rasten dadurch unkoordiniert belaste und am Lenker zappele, habe ich viel zu viel Zeit, kann deshalb nur zu langsam sein und bring außerdem unglaublich Unruhe ins Motorrad. Wenn ich dann anschließend bei 25 Grad Schräglage so vom Motorrad hänge, dass mein Knieschleifer streift, ist das nicht nur kontraproduktiv, sondern sieht auch noch saublöd aus.

Hanging-off nicht erzwingen

Wie Hanging-off richtig geht, dafür gibt es eigentlich kein genaues Rezept, das Thema ist durch viele „kompetente“ Ratgeber auch schon mächtig ausgelutscht. Aber auch die Cracks unter euch sollten mal darüber nachdenken, worum es wirklich geht. Locker bleiben! Nutzt die Physik, bleibt dabei aber gelassen! Ihr solltet euch zu jeder Zeit wohlfühlen, denn das signalisiert euch, dass es flutscht. Wenn euch der extreme Hanging-off-Stil nicht taugt, dann erzwingt ihn nicht - es geht auch weitestgehend ohne ganz schön schnell.

Als ich Anfang 2009 mit meinem neuen IDM-Teamkollegen Christian Kellner das erste Mal gemeinsam auf die Strecke ging, hab ich mir immer gedacht, warum bohrt der seinen Helm fast in den Asphalt, rutscht aber nicht von der Sitzbank? „Kelle“ fährt einen fast total aufrechten Fahrstil und war damit nicht nur in der Supersport-WM einer der Schnellsten. Ich fahre Hanging-off, Kelle nicht - schlussendlich waren wir meistens ziemlich gleich schnell. Was sagt uns das? Findet euren eigenen Stil und fahrt euer Bike wie ein Jockey!

Foto: Archiv

Apropos Stil: Bei den MotoGP-Stars ist es ja angesagt, das kurveninnere Bein beim Anbremsen herauszustellen. Es gab unzählige Interviews mit den Fahrern, warum sie das machen. Die wussten es dann selbst nicht so genau. Warum also machen es jetzt plötzlich Hobbyfahrer, die den GP-Kurs von Hockenheim in 2.15 Minuten umrunden? Die Moral von der Geschichte: Findet euren eigenen Stil - aber werdet dabei schnell, bleibt locker, bleibt sitzen und macht euch nicht zum Kasper!

"Ecke" gibt Fahrtipps für die Rennstrecke

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