Räder aus- und einbauen; Teil 1: Vorderrad Radwechsel selbst gemacht

Der Aus- und Einbau der Räder scheint ein Kinderspiel zu sein, denn alle Schraub-verbindungen liegen offen und gieren nach Werkzeug und Schrauberhand. Doch es gibt einiges zu beachten, wenn man die Sache richtig machen will. Der erste Teil der Anleitung beschäftigt sich mit dem Vorderrad am Beispiel einer Honda CBF 1000.

Foto: Schermer
Benötigte Werkzeuge
- Wagenheber oder Montageständer
- Kleiner und großer Drehmomentschlüssel
- Für Achsschraube rechts: Nuss SW (Schlüsselweite) 22
- Für Achskopf links: Dorn/Schraubendreher
- Für Achsklemmschrauben und Bremssattel-Befestigungsschrauben: Nuss SW 12
- Gummispanner zum Weghängen der Bremssättel
- Kunststoffhammer zum Austreiben der Achse


Motorrad richtig aufbocken
Obwohl das Beispiel Honda CBF 1000 ABS einen stabilen Hauptständer hat, braucht man zum Aus- und Einbau des Vorderrads zusätzlich einen hydraulischen Wagenheber und Holzklötze. Damit wird die Maschine vorne so hochgebockt, dass das Vorderrad gut eine Handbreit vom Boden freikommt. Besitzt das Motorrad nur einen Seitenständer, wird ein Montageständer benötigt. Solche Ständer sind für wenig Geld beim Markenhändler und auch in den Zubehörshops erhältlich.

Wichtig: Wenn die Maschine zum Aus- und Einbau der Räder
auf einer Hebebühne steht, mit Riemen sichern. Wird an der Maschine auf der Erde stehend geschraubt, auf sicheren Stand achten und aufpassen, dass niemand versehentlich dagegenstößt und sie deswegen vom Ständer rollt oder seitlich umkippt.


Anziehdrehmomente
Beim späteren Festziehen der Verschraubungen müssen die vom Werk vorgeschriebenen Anziehdrehmomente eingehalten werden!

Achsschraube Vorderrad 59 Nm, Achsklemmschrauben 22 Nm, Befestigungsschrauben Bremssättel 30 Nm – alle angegebenen Werte gelten nur für das Beispiel-Motorrad Honda CBF 1000. Für andere Motorräder Werte beim Hersteller erfragen!
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Foto: Schermer

Vorderrad ausbauen

Die Maschine ist dazu so aufgebockt wie oben beschrieben. Holzklötze und Wagenheber unter dem Motor sauber ansetzen, Auspuffrohre nicht zerdrücken!

1. Beide Bremssättel abschrauben und von den Bremsscheiben ziehen. Nach rechts und links mit Gepäckgummis außerhalb des Rads weghängen. Bremsschläuche dabei nur so wenig wie nötig verdrehen und nicht knicken! Bei ABS-Maschinen: Vorsichtig mit dem Sensorkabel umgehen. Am besten schon VOR dem Radausbau die Kabelhalter abschrauben.

2. Achsschraube rechts mit Sechskantnuss SW 22 lösen und ausschrauben.

3. Achsklemmschrauben in der rechten und linken Gabelfaust mindestens zwei Umdrehungen öffnen.

4. Schraubendreher in die Bohrung im Achskopf links einstecken, Achse unter gleichzeitigem Drehen und Ziehen ausziehen. Rad dabei mit einer Hand etwas hochhalten.

5. Achse ganz herausziehen, Rad ablegen, Distanzbuchsen rechts und links herausnehmen, Rad nach vorne aus der Gabel herausnehmen. Wichtig: Merken oder besser noch notieren, welche Distanzbuchse auf welcher Seite eingebaut war! Sie dürfen beim Einbau nicht verwechselt werden!


Bauteile reinigen, prüfen
1. Distanzbuchsen, Achsschraube und Achse mit Ölspray reinigen.
1.1. Prüfen: Sind Oberflächen und Gewinde einwandfrei in Ordnung?
Wenn ja, leicht mit Wälzlagerfett einfetten.
Wenn nein, durch Neuteile ersetzen.

2. Gabelfäuste reinigen. Klemmschrauben und Gewinde in Ordnung?

3. Radlager prüfen: Zeigefinger in den Innenring des Lagers stecken und drehen. Mit dieser "Fingerprobe" spürt man, wie das Lager läuft. Wenn die Lager spielfrei sind und ohne fühlbares Knacken und Rubbeln laufen, sind sie in Ordnung. Wenn die Lager beschädigt sind, also Luft haben oder laut, knackend oder schwer laufen, müssen sie ersetzt werden. Wie das geht, steht demnächst in MOTORRAD.

4. Radlager-Simmerringe rechts und links mit einem sauberen Lappen reinigen. Einen dosierten Finger voll Wälzlagerfett in und hinter die Simmerringe schmieren.

5. Bremssättel mit Bremsenreiniger säubern. Bremsbeläge kontrollieren: Sie sollten deutlich mehr als zwei Millimeter dick sein!

6. Befestigungsschrauben der Bremssättel reinigen. Wichtig: Gewinde der Schrauben und in den Bremssattelhalterungen müssen einwandfrei in Ordnung sein! Im Zweifel Befestigungsschrauben durch neue ersetzen.
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Foto: Schermer

Vorderrad einbauen

1. Rad von vorne in die Gabel einführen. Auf die Laufrichtung achten!

2. Distanzbuchsen einsetzen: Die längere gehört nach rechts. Die kürzere gehört nach links.

3. Rad anheben, Lagerbohrungen im Rad mit den Bohrungen der Gabelfäuste zueinander in Flucht bringen, Achse von links einführen und ganz durchschieben.

4. Achsschraube in das Gewinde der Achse von Hand eindrehen.

5. Schraubendreher in den Achskopf links einstecken, 22er-Sechskantnuss auf den Kopf der Achsschraube rechts aufstecken und mit 59 Nm festziehen.

Wichtig: Achsklemmschrauben noch nicht festziehen.

6. Bremsscheiben mit Bremsenreiniger säubern.

7. Bremssättel auf die Bremsscheiben aufschieben, Bohrungen mit Gewinden zur Deckung bringen, Schrauben eindrehen und mit 30 Nm festziehen.

8. Wagenheber unter dem Motor wegnehmen, Motorrad vom Hauptständer abbocken, senkrecht stellen und mit nicht betätigter Vorderradbremse einige Male ein- und ausfedern. Dadurch "setzt" sich die Achse in den Gabelfäusten, Verspannungen der Gabelholme zueinander werden ausgeglichen beziehungsweise vermieden.

8.1. Motorrad wieder auf den Hauptständer aufbocken.

9. Erst jetzt die Klemmschrauben in den Gabelfäusten mit 22 Nm festziehen.

10. Bremse einige Male betätigen. Rad durchdrehen und prüfen, ob es leicht und frei läuft.

Wichtig: Überschüssiges Fett von Simmerringen, Achse und Schraubstellen gut abwischen, es darf nichts auf die Bremse geraten.

11. Motorrad abbocken, Probefahrt machen.

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