Ratgeber: Werkstatt Chemie in der Werkstatt

Waschen, ölen, schmieren, fetten, dichten: Wer kleine oder größere Wartungsarbeiten an seinem Motorrad selbst ausführen möchte, der braucht eine bestimmte Grundausstattung entsprechender Werkstatt- hilfsmittel. Wir erklären die wichtigsten.

Foto: Schermer

Ölspray, Politur: Nach jedem Waschen den Gelenkstellen von Fußrasten, Hand- und Fußbremshebel und dem Kupplungshebel einen kleinen Schuss Allzweck-Ölspray geben. NICHTS auf Reifen und/oder Bremsscheiben sprühen! Wenn das Motorrad durch Regen gefahren wird, schützt Allzweck-Ölspray davor, dass Nässe in jede Ritze kriecht. Verwenden Sie ein gutes Allzweck-Ölspray eines Markenherstellers. Nach einer Regenfahrt zu Hause jeder Schmierstelle einen Schuss Öl spendieren; das aufgesprühte Öl wirkt sichtbar wasserverdrängend. Leichter Lauf und Gelenkstellen ohne Korrosionsrückstände werden es Ihnen danken.

Wichtig: Schmieren Sie niemals das Zünd-Lenkschloss, das Schloss im Tankdeckel oder das Sitzbankschloss mit Ölspray oder gar Kettenspray, sondern verwenden Sie zum Schmieren der Schlösser spezielles Schlossspray auf Graphitbasis.

Politur: Beim Markenhändler gibt es spezielle, auf die Grundfarben der Maschine abgestimme Polituren. Wenn Sie diese verwenden, sind Sie auf der sicheren Seite. Dies gilt auch für Cockpitspray, Teerentferner sowie Lack- und Chromteile-Reiniger. Sehr gute Polier- und Pflegemittel für verschiedene Einsatzzwecke werden von der Marke „Rot Weiss“ angeboten.


Chromputz: Wer „Autosol“ nicht kennt, hat noch nie sein Motorrad richtig gut geputzt: Das weiße Zeug in der schwarzen Tube gibt’s schon eine ganze Ewigkeit und es ist immer noch sensationell gut. Ähnlich bewährt und legendär: Nevr-Dull, die geniale Polierwatte.


Teile reinigen: Mit WD-40 wird alles schön sauber, das amerikanische Spray löst auch harten Dreck ab. Aber das wird teuer! Profiwerkstätten haben so genannte „Teilereinigungsgeräte“, wo eine biologisch abbaubare Reinigungsflüssigkeit aus einem großen Fass durch einen Pinsel, mit dem man das zu reinigende Teil bearbeitet, gepumpt wird; die gebrauchte Brühe läuft durch ein Gitter wieder zurück ins Fass. Das geht natürlich nur beim Waschen von abgebauten Teilen.

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Foto: Schermer

Am Fahrzeug angebaute Teile, wie z. B. die (heute generell offen laufende) Hinterrad-Antriebskette, kann man mit Dieselkraftstoff oder Heizöl reinigen (eine ziemliche Sauerei, aber sehr billig) oder mit Kettenreiniger aus Spraydosen. Benzin sollte man zur Reinigung solcher Teile nicht nehmen, denn es ist giftig, greift die Haut an und ist teuer.


Bremsenreiniger: Bremsenreiniger ist meist in Spraydosen erhältlich und ziemlich aggressiv. Nur im Freien oder in gut gelüfteten Werkstatträumen verwenden. Nicht rauchen! Nicht auf die Haut, in die Augen oder Atemwege sprühen! Einatmen vermeiden!

  • Zur Reinigung von Bremsenbauteilen nur Bremsenreiniger oder Aceton verwenden, KEIN Benzin, Dieselöl, Motorenöl oder Ölspray!
  • Bremsenreiniger sparsam und ganz gezielt einsetzen, Sprühkopf direkt auf die zu reinigende Stelle richten und nicht länger als zwei Sekunden betätigen.
  • Teile nach Besprühen mit Bremsenreiniger sofort mit weichem, nicht fusselndem Lappen durchputzen.


Schmierstellen: Abschmieren der beweglichen Teile der Fahrzeugbedienung dient in erster Linie dazu, Schmutz und Wasser von ihren Gelenkstellen fern zu halten und Rost vorzubeugen, damit Leichtgängigkeit und lange Lebensdauer gewährleistet werden. Die zueinander beweglichen Aluminiumteile wie z. B. die Gelenke von Kupplungs- und Bremshebel korrodieren im sauberen Zustand nicht. Wenn diese Gelenk- und Kontaktstellen jedoch nicht regelmäßig gepflegt werden, gibt es im Laufe der Zeit auch dort Korrosion, womit sich Schwergängigkeit einstellt. Denn wenn das Motorrad im Freien abgestellt ist, lagert sich Umgebungsdreck aus der Luft darauf ab und kriecht in die Gelenkstellen hinein. Bei den kleinen Inspektionen oder mindestens zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) sollen geschmiert werden:

  • Ständerscharniere und Lagerstellen der Ständerfedern mit schwerem Lagerfett. Einsprühen mit Ölspray nach der Wäsche beugt Rost vor.
  • Gasdrehgriff: Wenn er schwergängig ist, muss er geöffnet werden zum Schmieren mit leichtem Molybdänfett.

Öl: Öl ist das wichtigste Werkstatthilfsmittel. Ein stilvolles Ölkännchen muss auf jede Werkbank, weil ein Tropfen Öl vor der Montage an Schrauben und Muttern gehört. Natürlich kann man auch Öl-Allzweckspray oder WD 40 verwenden, aber die häufige Benutzung von Spray wird mit der Zeit richtig teuer.

In das Ölkännchen gehört gutes Qualitätsöl. Also eine weitere Warnung vor dem Baumarkt: Dort kein „prima Ölkännchen mit 150 ml Allzwecköl für nur 1,95 Euro“ kaufen, das ist viel zu teuer für den billigsten Schmierfusel. Besser ist es z. B., die letzten Reste aus Motoröldosen oder -flaschen zu sammeln, indem man die Ölflasche zum Austropfen kopfüber in einen Becher stellt und so „Tropföl“ sammelt. Das ist nun beileibe kein übertriebener Geiz, aber warum die scheinbar leere Öldose wegwerfen, wenn sich noch ein paar Kubikzentimeter gutes (und teures!) Motoröl darin befinden?


Fett: Schmierfett ist neben Öl ein weiteres wichtiges Grundhilfsmittel in der Motorradwerkstatt. Motorrad-Schmierfett sollte möglichst (salz-)wasserresistent sein. Wir brauchen fürs Motorrad zwei Fettarten:

  • „Leichtes Wälzlagerfett“ für schnell drehende Bauteile wie Radlager oder Radlager-Simmerringe (wichtig beim Radeinbau). Wie die Bezeichnung „leicht“ schon sagt, ist das Fett „leicht“ und damit besonders geschmeidig. Wenn man es zwischen den Fingern verreibt, wird es extrem glitschig. Man spürt während des Reibens quasi den Schmierfilm, und danach lässt sich das Fett kaum von der Haut abwaschen.
  • „Schweres Wälzlagerfett“ für langsam drehende Bauteile wie Lenkkopf- und Schwingenlager, Gelenkbolzen von Fußrasten, Schalt- und Bremshebel. Man spürt beim Reiben zwischen den Fingern, dass das schwere Fett steifer ist als leichtes Wälzlagerfett. Deswegen ist es nicht für schnelldrehende Bauteile wie Radlager geeignet, hält aber viel höhere Drücke aus.


Werkstatthilfsmittel: Viele Werkstatthilfsmittel werden vom Chemiegiganten Henkel hergestellt, wie z. B. flüssige Schraubensicherungen („Loctite“) und Dichtmittel. Im Internet unter www.loctite.de findet man Loctite-Produktbeschreibungen und kann sich über deren Anwendung informieren. Gute Motorradhändler bieten in der Regel alle benötigten Werkstatthilfsmittel an.

Man sollte die vorne im Text schon besprochenen Fette haben sowie Kontaktspray, Molykotefett (Silikonfett), Dichtmittel 3-Bond (Flächendichtmittel), Loctite 577 (Gewindedichtmittel) Loctite 243 (Schraubensicherung „mittelfest“), Loctite 2701 (Schraubensicherung „hochfest“) und Bremsenreiniger.

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Foto: fact

Ratgeber: Werkstatt Teil 2

Fetten, ölen, kleben:

  • Fetten: Werden blanke Bauteile miteinander verschraubt, vorher die Kontaktflächen beider Teile mit etwas Fett einschmieren. Dann rosten sie nicht fest, denn Fett zwischen zwei Passflächen verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit.
  • Ölen: Wenn Schrauben und Muttern verarbeitet werden, immer einen Tropfen Öl auf/in ihre Gewinde und Anlageflächen geben. Ausgebaute Schrauben vor dem Einölen bzw. Wiedereinbau erst mit sauberem Öl und nicht fusselnden Lappen reinigen.
  • Kleben: Loctite „mittelfest“ hält jede Schraubverbindung zuverlässig zusammen. Bei extrem belasteten Schraubverbindungen, wie z. B. den Befestigungsschrauben der Bremsscheiben, ist Loctite „hochfest“ vorgeschrieben. Bei Schrauben einen Tropfen auf, bei Muttern in das Gewinde geben. Wichtig: Auch bei Verwendung von Schraubenkleber muss jede Schraubverbindung mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festgezogen werden.


Flächendichtmittel: Flächendichtmittel werden benötigt, wenn z. B. ein Gehäusedeckel auf den Motor aufgebaut wird und keine Papierdichtung vorgesehen ist. Oder wenn unterwegs geschraubt werden muss und die Papierdichtung beim Abbau zerreißt. Unbedingt öl- und fettverträgliches Silikondichtmittel mit einer Temperaturbeständigkeit von -40 bis 250 Grad kaufen, KEINS für Wasserrohre, Fenster- oder Duschkabineneinbau (wird meist in Baumärkten angeboten). Silikondichtmittel sollte nur dann verwendet werden, wenn Bauteil auf Bauteil ohne neue, zwischengelegte Papierdichtung verbaut wird. Also:

  • Bei einer neuen Papierdichtung kein zusätzliches Dichtmittel verwenden.
  • Muss eine gebrauchte, ausgehärtete Papierdichtung verwendet werden, dann beide Seiten dieser Dichtung leicht und gleichmäßig mit Silikondichtmittel einschmieren
  • Sehr wichtig ist, dass das aufgeschmierte Silikondichtmittel zehn Minuten „abgelüftet“ wird – also nicht berühren, nicht anbauen, das Dichtmittel muss ablüften, bis es beinahe fest ist.

Silikonpaste: Gummiteile lassen sich mit Silikonpaste (oder Silikonspray) wunderbar pflegen, sie bleiben geschmeidig und brechen nicht, weil sie nicht austrocknen. Dies gilt vor allem für die Ruckdämpfer im Hinterrad: Beim Radaus- bzw. Einbau zwecks Reifenwechsel sollte man die Ruckdämpfer (es sind so genannte „Gummi-Formteile“) ausbauen, reinigen und mit Silikonpaste einschmieren, das hält sie elastisch und beugt Versprödung vor. Auch bei der Überholung von Bremssätteln und Bremspumpen ist etwas Silikonpaste an den Bremsmanschetten erste Pflicht. Mit Silikonspray kann man sehr gut den Zahnriemen pflegen: Erst mit klarem Wasser und einer harten Nylon-Zahnbürste allen Dreck aus Zähnen von Riemen und Riemenrädern rausputzen, dann den Riemen von innen leicht mit Silikonspray einsprühen. Das wirkt Wunder, der Riemen läuft noch leiser ab und hält länger.


Kontaktspray: Vermoderte Elektrokontakte schaffen Strombarrieren. Der Blinker geht nicht? Beim Umschalten von Auf- zu Abblendlicht flackert das Licht? Das Bremslicht spinnt? Schauen Sie sich mal die Stecker an: Elektrogilb sorgt für Nichts-geht-mehr. Stecker auseinander ziehen, Kontakte mit Kontaktspray einsprühen, mit einer harten (trockenen) Zahnbürste oder einer feinen Messingbürste reinigen, Kontaktzungen mit feinem Schmirgelpapier abziehen und den Stecker mit einem Schuss Kontaktspray wieder zusammenstecken – dann tut’s meist wieder.

Batteriefett: Beim Anschrauben der Batterieklemmen die Pole mit Messingbürste oder feinem Schmirgelpapier reinigen. Etwas Polfett an Klemmen, Anschlüssen und Schrauben/Muttern sorgt für korrosionsfreien Sitz und damit besten Stromfluss.


Kupferpaste : Dazu kann man auch „Heißfett“ oder „Keramikpaste“ sagen. Dieses Fett sollte man bei der Auspuffmontage verwenden, denn es hält Temperaturen bis über 1000 Grad aus und backt nicht fest. Hauchdünn auf die Kanten und Rückseiten der Bremsklötze geschmiert (nur hauchdünn, wirklich!) verhindert es Korrosion zwischen Bremssattel und Bremsbelag-Trägerplatte. Auch bei der Montage von Zündkerzen kann man es verwenden – aber bitte nur einen sehr kleinen Tropfen ans Gewinde der Zündkerze geben, das genügt.


Ultraschall-Reinigungsgerät: Wenn alles nichts mehr hilft, wenn der Vergaser mit festen Rückständen zugesetzt ist, dann muss er zerlegt und in einem Ultraschall-Reinigungsgerät „gekocht“ werden. Auch durch und durch schmutzige, weil vernarbte Gehäuseteile werden in einem Ultraschallgerät wieder blitzblank. Nachteil ist, dass so ein Teil teuer ist – unter 2000 Euro gibt es nichts Gescheites.

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