Ratgeber: Kaufen Das Dentges Umbau-Projekt

Mit frisch polierten Ventildeckeln (MOTORRAD 10/2010) schickt Redakteur Thorsten Dentges seine umgebaute Honda erneut in den Beauty-Salon. Diesmal zur Blinker-Verkleinerung.

Foto: Dentges
Diese klobigen Glubschblinker - die Schüsseln eignen sich höchstens zum Ausfassen von Erbsensuppe. Und dieser Brotkasten von Rückleuchte gehört ebenfalls stylepolizeilich verboten. Keine Frage, ein paar plastisch-chirurgische Eingriffe stehen für die CX an. Sofa, Saft, Chips, dicker Louis-Katalog, und die Planung kann beginnen. Das Angebot ist verwirrend: eckig, oval, verchromt, gefärbt, eloxiert, made in Germany, Chingchangchong oder so - also, was nun? Hah, Seite 860, "Blinker-Tipps", das könnte weiterhelfen. Ich lese was von Watt und Ohm, Millimetern, Ab- und Widerständen sowie von Problemen mit der Blinktaktung und folgere daraus: Konventionelle statt LED-Blinker (Spezialrelais nötig) sind die stressfreiere Lösung. Ich schlappe runter zur Maschine.

Erst mal gucken, wie die Originalblinker genau angebracht sind. Hinten kein Problem, die Reling rund um den Soziusplatz soll sowieso weg, an den Aufnahmen kann man ideal neue Blinker installieren. Der Abstand zwischen den Blinkern wäre amtlich okay (hinten mindestens 240 mm; vorn 340 mm), aber vorn sind die Blinkerhalter mit einer Gabelblende verbunden. Beim Abziehen und Vermessen der alten Blinker merke ich, dass die favorisierten Miniblinker hier nicht passen würden. So schnell gebe ich aber nicht auf und schildere am nächsten Tag bei Louis mein Problem. Der nette Berater findet rasch eine Lösung: neue Lampenhalter. "Schmeiß das alte Geraffel runter, sieht eh doof aus", sagt er und ermuntert mich: "Obere Gabelbrücke abziehen, neue Halter aufstecken." Bekäme sogar ein schrauberisch nur Mittelbegabter hin: ich.

Trotz des 19,95-Euro-Extra-Umsatzes, der durch seinen Tipp entsteht, glaube ich, dass ihm die Verschönerung meiner Honda nicht nur aus geschäftstüchtigen Gründen am Herzen liegt. Zumal nun die günstigsten 6,95-Euro-Minis passen würden. Gleichzeitig recherchieren wir gemeinsam im Katalog eine passende Rückleuchte. Ein kleines klassisches Rundlicht mit Kennzeichenhalter würde sogar mit den Originalbohrungen passen. Beim Dranhalten fällt auf, dass dummerweise der Halter in Verbindung mit der Krümmung des Schutzblechs das Nummerschild etwas, äh, wie soll ich sagen - halb erigiert? - aussehen lässt. Geht also gar nicht, da würde auch der TÜV Ärger machen (maximal erlaubter Neigungswinkel: 30 Grad), also schnell wieder umtauschen. Wieder der fachkundige Berater. Das Rücklicht gäbe es auch einzeln (14,95 Euro), und mit einer Universal-Rücklicht-Halterung (19,95 Euro) müsste es gehen. Prima, der Mann kennt sich aus. Vielleicht ein heimlicher Verehrer von Güllepumpen, der seine Neigung nicht offen zeigen mag? "Nimm ruhig, dann sieht dein Bock nicht ganz so ätzend aus", erklärt er feixend.

Tja, wie man sich in Menschen täuschen kann... Er zeigt mir noch einen Spiegel: Alu, CNC-gefräst, mattschwarz mit leicht getöntem Glas. "Magazi, geiles Teil, und das Gute ist, du brauchst bei deiner alten Mühle nur einen davon", flüstert er mir ein. Recht hat er, bei Motorrädern bis Baujahr 1990 ist ein einsamer Rückspiegel zulässig. Weitere 49,90 Euro werden also eingebongt. Zuhause in der Werkstatt benötige ich rund vier Stunden zum Aufhübschen (Bohren, Schrauben, Kabel kürzen etc.) mit den neuen Teilen. Hurra, nichts wackelt, alles passt. Und die CX sieht besser aus. Ich schaue auf den Kassenzettel. Hui, über 100 Euro kostete der kleine Beauty-Salon inklusive Beratung. Mein Friseur nimmt 25 Piepen, den lass ich nun wohl ein paar Mal ausfallen. Matte passt sowieso besser zur gepimpten Maschine.

Kaufpreis Motorrad: 750 Euro
Versicherung/Steuern (jährlich): 59/37 Euro
Anmeldung/TÜV: 89 Euro
Bisherige Kosten für Teile: 724 Euro
Bisheriger Zeitaufwand: 22 Stunden

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