Wird eine Schraube zu fest angezogen, reißt ihr Kopf ab, und der Schaft steckt noch in der Gewindebohrung.

Ratgeber: Reparatur von Gewinden Tipps zur Gewinde-Reparatur

Eine falsche Drehung, und plötzlich stecktdie Schraube ohne Kopf im Gewinde fest. Ein klarer Fall für die Bohrmaschine. Damit sich das Drama nicht wiederholt, muss das Gewinde wieder sauber gerichtet werden.

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Foto: Schermer

Wird eine Schraube zu fest angezogen, reißt ihr Kopf ab, und der Schaft steckt noch in der Gewindebohrung. Aber auch beim Öffnen kann eine Schraube abreißen: Wenn sie sich förmlich ins Gewinde gefressen hat oder festgerostet ist. Meist ist der Schraubenrest nicht lang genug, um ihn mit einer scharfen Zange packen und ausdrehen zu können. Dann muss gebohrt werden.

Schraubenrest ausbohren
Bei harten Materialien bereitet das Ausbohren kaum Probleme. Unser Beispiel zeigt das Ausbohren einer abgerissenen Ritzelschraube aus der Getriebeabtriebswelle einer KTM 640: Dazu braucht man neben einer handlichen Bohrmaschine verschieden große scharfe Bohrer, um den Schraubenrest aus dem Gewinde zu entfernen.

  • Den sichtbaren Schraubenbruch zentrisch ankörnen.
  • Mit kleinen Bohrern vorbohren: Wenn eine 10er-Schraube abgerissen ist, mit einem 5er-Bohrer vorbohren, dann einen 6,5er nehmen und zum Schluss mit dem Kernlochdurchmesser des Gewindes (8,4 mm bei M10) final ausbohren.
  • Gewindereste mit Reißnadel herauskratzen und mit Zange ausziehen. Taschenlampe zu Hilfe nehmen: Alles muss raus!
  • Das Gewinde anschließend sauber nachschneiden.
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Foto: Schermer

Linksdrall
Wenn das exakte Ausbohren des Gewinderestes nicht möglich ist, weil das Innengewinde in einem weichen Material (z. B. Motorgehäuse aus Alu) eingeschnitten ist, kann man den Abriss auch mit einem Linksdrall (Foto Mitte unten) herausholen: einem konisch geformten Werkzeug mit Linksgewinde. Man bohrt ein kleines Loch in den Abriss, dreht den Linksdrall ein und schraubt damit ‚ den Gewinderest aus.

Schweißen
Wenn eine abgerissene Schraube oder ein Stehbolzen nicht ausgebohrt werden kann, weil er aus hartem Material besteht: Sechskantmutter auf den Gewinderest schweißen und daran den Gewindestumpen herausdrehen. Dazu sollte ein elektrisches Schweißgerät benutzt werden, mit dem man die Mutter sorgfältig anpunkten kann. Autogenschweißen mit offener Flamme ist nicht zu empfehlen.

Hilfe vom Spezialisten
Wenn Schweißen nicht möglich ist, weil der Schraubenbruch zu tief in der Gewindebohrung steckt, bleibt nur der Gang in eine gute Schlosserei oder Werkzeugmacherei. Dort lassen sich die abgerisse­nen Schraubenreste fachgerecht mit einem „Funken-Erodiergerät“ ausbrennen.

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Gewinde defekt: Was tun?
Zurück in unsere Hobbywerkstatt und zu einem Innengewinde in einem Motorgehäuse, das von einer abgerissenen Schraube befreit wurde. Gewinde für Ölablassschrauben in Motorgehäusen älterer Maschinen sind oft defekt, weil die Ölablassschrauben zu fest angezogen wurden. Auch Zündkerzengewinde gehören dazu. Warum ist das so?

  • Häufiges Lösen und Anziehen führt zum Verschleiß im Gewinde und, je nach Häufigkeit der Benutzung, zur Zerstörung.
  • Schrauben oder Muttern werden mit zu hohen Anziehdrehmomenten angezogen.
  • Durch Korrosion zwischen Schraube/Mutter und Bauteilwerkstoff kommt es zum „Festbacken“. Beim Versuch, die Schraubverbindung zu lösen, wird das Gewinde zerstört.
Foto: Schermer

Gewindereparatur mit HeliCoil

Der gängigste Weg, zerstörte Gewinde mit geringem Aufwand und überschaubaren Kosten einfach und zuverlässig zu reparieren, ist, das defekte Innengewinde auszubohren und einen aus gewickel­tem Draht bestehenden Gewindeeinsatz einzudrehen. Das Verfahren ist u. a. unter den Markennamen „HeliCoil“ oder „BaerCoil“ bekannt. Reparaturkits gibt es für rund 50 Euro bei z. B. Polo oder Louis. Sie werden in gängigen Gewindegrößen mit folgendem Inhalt (HeliCoil) angeboten: Kernlochbohrer mit Durchmesser des neuen Gewindes, Gewindebohrer, Einbauwerkzeug (Gewindespindel mit kleinem Ansatz) und 20 Drahtgewindeeinsätze. So geht’s:

1. Ausbohren

  • Sichtbaren Rest der Schraube ankörnen.
  • Mit einem gut geschliffenen Bohrer, der 0,5 mm kleiner ist als der alte Gewinde-Nenndurchmesser (z. B. M8 = 7,5 mm), das abgebrochene Gewindestück ausbohren.
Foto: Schermer

2. Reparieren

  • Mit dem Bohrer aus dem Reparaturkit das beschädigte Gewinde komplett ausbohren. Der Bohrerdurchmesser entspricht dem Kerndurchmesser des neuen Aufnahmegewindes für den Drahtgewindeeinsatz.
  • Aufnahmegewinde für den Drahtgewindeeinsatz mit dem beiliegenden Gewindebohrer schneiden.
  • Wichtig: Wenn ein Durchgangsgewinde am Motor repariert wird (z. B. das der Zündkerze im Zylinderkopf), den Gewindebohrer vor dem Gewindeschneiden in Fett eintauchen – die Späne bleiben am Gewindebohrer haften und fallen nicht in den Motor hinein!
  • Gewinde gut reinigen: Mit Druckluft ausblasen, ALLE Späne entfernen!
  • Drahtgewindeeinsatz auf die Einbauspindel aufdrehen und montieren. Das geht sehr einfach: Der Drahtgewindeeinsatz wird mit der Spindel wie eine Schraube in das vorbereitete Aufnahmegewinde eingedreht.
Foto: Schermer
  • Nach der Montage des Drahtgewindeeinsatzes dessen Mitnehmerzapfen abbrechen: Das dazu nötige „Zapfenbrechwerkzeug“ zuvor in etwas Fett tauchen, ganz in den Drahtgewindeeinsatz einführen, mit einem kleinen Hammer einen leichten Schlag auf das Zapfenbrechwerkzeug geben und den abgebrochenen Mitnehmerzapfen aus dem Drahtgewindeeinsatz entfernen.

Variante: Ölablassgewinde reparieren
Es gibt auch die harte Variante der Gewindereparatur bei zusammen- und eingebautem Motor: Das Gewinde der Ölablassschraube und das in der Ölwanne sind komplett hinüber. Dies könnte auch ein Zündkerzengewinde sein – die Reparatur eines Ölablassschrauben- und Zündkerzengewindes ist grundsätzlich gleich. Vorgehensweise wie folgt:

  1. Wir suchen in unserer (uns sehr ans Herz gewachsenen) Uralt-Schraubenkiste eine ähnliche Schraube. Mit Schublehre und Gewindelehre lassen sich Durchmesser und Gewindesteigung exakt feststellen (z.B. M14 x 1,25).
  2. Gewindebohrer für M14 x 1,25 satt in Fett eintauchen.
  3. Gewindeloch anschneiden, nach jeweils zwei Schneidumdrehungen wieder ausdrehen, Späne entfernen, Gewindebohrer in Fett eintauchen, zwei weitere Gänge schneiden.
  4. Gewindewendel auf Eindrehwerkzeug aufdrehen und vorsichtig hinenschrauben.
  5. Letzter Check: Gewindewendel ist ca. 1/2 Gewindesteigung bis unter die Dichtfläche eingedreht, sitzt sauber.
  6. Mit einer Spitzzange den Mitnehmerzapfen abbrechen und herausziehen. Neue Ölablassschraube probehalber eindrehen – passt!


Wichtig: Bei der Reparatur von Durchgangsbohrungen darauf achten, dass der abgebrochene Mitnehmerzapfen nicht in den Motor fällt!

Fazit: Eine Gewindereparatur mit z. B. HeliCoil ist in zehn Minuten erledigt, das Gewinde im Anschluss um ein Vielfaches belastbarer als im Originalzustand. Das Gewinde wurde nicht etwa geflickt, sondern seine Qualität deutlich verbessert: Der Drahtgewindeeinsatz  aus Edelstahl macht das Gewinde verschleißfest und korrosionsbeständig. Schrauben können nun ohne Gefahr des Ausreißens ins Gewinde gedreht werden.

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