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Der Pfeil auf der Klemmschale muss nach oben zeigen. Obere Schraube zuerst festziehen.

Ratgeber Werkstatt: Bremspumpen überholen Servicezeit für die Stopper

Wenn das Motorrad beim Bremsen quietscht und sich nur schwer schieben lässt, ist garantiert die Bremse vergammelt. Servicezeit für die Stopper. MOTORRAD zeigt, wie man eine Bremspumpe repariert.

WARNHINWEIS
Jede Reparatur von Bremsenbauteilen ist eine Sache für den "Fünf-Sterne-Mechaniker". Wenn Sie weder über die nötigen fachlichen Fertigkeiten noch über die entsprechenden Werkzeuge verfügen, geben Sie Ihre von Bremsproblemen geplagte Maschine in die Fachwerkstatt. Und noch ein zweiter Hinweis: Die Reparatur von Handbremspumpen ist auf Kupplungs-Handpumpen übertragbar. Die Arbeit an der Kupplungs-Hebelei ist eine gute Fingerübung für die Arbeit an der etwas sensibleren Bremspumpe.

 

Vergammelte Bauteile der Bremshydraulik sind typische Fehler an ungepflegten Motorrädern, die schon viele Jahre alt sind und lange keine Werkstatt mehr gesehen haben. Verstärkt ist das Problem bei Maschinen zu beobachten, die überwiegend für Kurzstreckenfahrten in der Stadt benutzt werden. Ebenso an Bikes, die das ganze Jahr über draußen stehen und schutzlos Wind und Wetter ausgeliefert sind. Wenn sich die Bremse schwer bedienen lässt oder gar festhängt: Keinen Meter mehr fahren, sondern umgehend eine fachgerechte Behebung der Fehler in Angriff nehmen!

Sichtkontrolle bei stehender Maschine
1. Ganz genau auf die Bremsklötze schauen.
2. Bremshebel betätigen: Bremsbeläge müssen sich gleichmäßig und "weich" an die Scheibe anlegen.
3. Bremshebel lösen: Brembeläge müssen sich synchron von der Bremsscheibe lösen und zirka 0,1 bis 0,2 Millimeter zurückfahren. Wenn der Vorgang in einem der beiden Fälle ungleichmäßig oder stotternd verläuft, ist das ein sicheres Zeichen für einen Defekt in der Bremsanlage. Oft hat sich in der meist steinalten Bremsflüssigkeit Dreck angesammelt, der nun zwischen Bremskolben und Bohrungswand steckt und die freie Beweglichkeit der Bremskolben verhindert.

Bremszylinder
Falls Dreck in der Bremsanlage ist, müssen alle Bremsenteile vom Motorrad abgebaut, geöffnet und gereinigt werden. Beim Lösen aller Bremsschlauchanschlüsse und Zerlegen der Bremssättel und Bremspumpen (siehe Foto-Show)reichlich frische Lappen bereithalten und unterlegen. Bremsflüssigkeit ist aggressiv und kann Lack- sowie Kunststoffteile am Motorrad angreifen.

Bremspumpe abbauen
Zum Lösen und Abschrauben der Anschlüsse des Bremsschlauchs unbedingt einen passenden Schlüssel verwenden. Die hier verwendeten Schrauben sind so genannte "Hohlschrauben", die man nur einmal verwenden sollte. Also: Bitte beim Markenhändler die zur Reparatur der Bremse benötigten Teile besorgen. Auf die Einkaufsliste gehören ebenfalls neue Schrauben sowie die zugehörigen Dichtscheiben.

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Bremspumpe zerlegen
1. Bremsflüssigkeitsbehälter öffnen, Bremsflüssigkeit absaugen.
2. Schlauchanschlüsse trennen, Bremshebel abschrauben (hinten: Verbindung zum Fußbremshebel trennen), Bremslichtkabel abziehen (hinten: Feder vom Bremslichtschalter abnehmen).
3. Bremspumpe vom Lenker (hinten: Fußrastenplatte) vorsichtig abschrauben.
4. Bremspumpe fest in die Hand nehmen.
4.1. Staubbalg vorsichtig aus der Bremspumpe herausziehen.
4.2. Seegerring mit einer Innen-Seegerringzange ausbauen, dabei mit dem Daumen den Bremskolben mit Gefühl gegen die Feder drücken.
5. Danach Daumendruck langsam lösen, Kolben und Feder  herausnehmen.

Bauteile prüfen und vermessen
1. Bremskolben und zugehörige Bohrung im Bremspumpen-gehäuse dürfen keine Riefen, Kratzer, Rostnarben oder sonstige Beschädigungen aufweisen. Wenn doch, müssen sie erneuert werden (Siehe Foto-Show). Wichtig: Beim geringsten Zweifel am einwandfreien Zustand der Kolbenoberflächen muss ein neuer Kolben mit Manschette eingebaut werden.
2. Festsitzenden Dreck mit z. B. WD-40 einsprühen, einziehen lassen und mit rauem Lappen abrubbeln. Weder Bremskolben noch Kolbenbohrungen mit Schmirgelpapier bearbeiten!
3. Manschette auf dem Kolben ansehen: Ihre Dichtseite muss "scharf" sein, darf nirgendwo verletzt oder gar eingerissen sein. Wichtig: Die meisten Ersatzkolben sind mit neuer Dichtung bestückt, man kann diese also nicht wechseln. Wenn eine Bremspumpe zerlegt wird, sollte man einen komplett neuen Kolbensatz mit Manschette und neuem Seegerring einbauen.

Bremspumpe zusammenbauen
1. Konische Feder mit dem großen Durchmesser nach innen weisend einsetzen.
2. Kolben mit Silikonpaste (oder frischer Bremsflüssigkeit) einschmieren und in die Pumpe eindrücken.
3. Seegerring ansetzen, Kolben mit dem Daumen eindrücken, Sicherungsring in seine Nut einbauen. Dabei genau hinsehen, er muss ringsum "satt" sitzen. Wichtig: Der Seegerring wird mit der scharfen Kante in Druckrichtung (nach außen) eingebaut.
3.2. Staubbalg mit Silikonpaste einschmieren und in seinen Sitz einschieben.
4. Bremspumpe am Lenker anbringen: Kontaktfläche ("Stoß-fläche") von Bremszylinder und Halteschale ist oben - Kennzeichnung "UP" beachten.
4.1. Zuerst die obere Schraube, dann die untere festziehen. Bremshebel anbringen.
4.2. Hinterradbremse: Beim Anbau der hinteren Bremspumpe einen Tropfen Loctite "mittelfest" an die gereinigten Gewinde der Befestigungsschrauben geben und diese mit Drehmoment festziehen: M6 mit 12 Nm; M8 mit 18 bis 20 Nm
4.3. Hinterradbremse: Verbindung von Bremskolben zu Bremspedal montieren.
5. Bremsschläuche mit neuen Dichtscheiben anschrauben: Hohlschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment (modellspezifisch, meist 15 bis 20 Nm) festziehen.
6. Bremslichtschalter anbringen, Kabel für Bremslicht aufstecken.
7. Bremsanlage wieder mit frischer Bremsflüssigkeit befüllen und entlüften.

 

Italienische Bremspumpen
Die Zerlegung und der Zusammenbau einer Brembo-Bremspumpe, wie sie an vielen italienischen Motorrädern der 70er-, 80er- und 90er-Jahre verbaut wurde, ist anders als bei japanischen Bauteilen. Und weil das Teil so schön alt ist und deswegen auch kaum mehr Ersatzteile über die Ladentheke lieferbar sind, unser Ratschlag: Kümmern Sie sich rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten um Ersatzteile! Ein Experte, der bei den Italo-Bremsen (fast) immer helfen kann: Jörg Bohnenstiel, Im Schifferle 7, 67346 Speyer, Tel. (06232) 49672; Bomoto@t-online.de.

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