Ratgeber Werkstatt Federung und Dämpfung einstellen

Bei modernen Motorrädern können Federvorspannung und Dämpfung an Telegabel und Federbein eingestellt werden. Hier eine Übersicht der Einstellmöglichkeiten und detaillierte Einstelltipps am Beispiel der populären Suzuki GSF 1250 Bandit.

Foto: Schermer
Feder-Vorspannmöglichkeiten
Die Telegabel (Vorderradfederung) lässt sich in der Federvorspannung, das Federbein (Hinterradfederung) in Federvorspannung und Dämpfer-Zugstufe einstellen. Bei schwerem Fahrer und höherer Zuladung (Beifahrer und Gepäck) sollen die Federn stärker vorgespannt werden, damit Federweg und Schräglagenfreiheit erhalten bleiben und die Federung nicht durchschlägt.

Federvorspannung: Beim Einstellen der Federvorspannung wird eine Feder weder "härter" noch "weicher", sondern sie wird mehr oder weniger vorgespannt. Damit ändert sich die Höhe der Vorderfront bzw. des Hecks, Experten sprechen auch davon, dass sich so die "statische Nulllage" des Motorrads nach oben oder unten verschiebt.
Die Federvorspannung der Telegabel wird über Einstellschrauben ("Federeinsteller") angepasst, die oben in den Sechskantstopfen der Gabelbeine eingearbeitet sind. Die Einstellschrauben haben entweder einen Schlitz, einen Zwei- oder Sechskant. Um Beschädigungen an den Schrauben zu vermeiden, sollte nur mit exakt passendem Werkzeug gearbeitet werden.

Die Federvorspannung am Federbein hinten wird über eine Federeinstellhülse oben am Federbein vorgenommen, wozu man einen Hakenschlüssel verwendet. Bei manchen Modellen lässt sich die Justage auch besonders bequem über eine außenliegende, hydraulische Federvorspanneinheit mit großem Handrad erledigen. Eine andere Bauart sind zwei zueinander gekonterte Nutmuttern, wobei man zum Einstellen der Federvorspannung aber das Federbein ausbauen muss, weswegen Nutmuttern meistens bei Supersportlern verwendet werden.
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Foto: Schermer
Dämpfer-Einstellmöglichkeiten
Die Dämpfer-Zugstufe bestimmt die Ausfedergeschwindigkeit des Federelements und damit auch des Rades. Die Einstellung der Zugstufe geschieht über eine Dämpfer-Einstellschraube. Diese ist meistens in den unteren U-Gabelkopf des Federbeins eingearbeitet.
  • Je geringer die Zuladung, desto stärker muss die Zugstufe eingestellt sein, damit die Federung nicht zu schnell in ihre Ausgangslage zurückfedert und die Maschine deswegen nachschwingt.
  • Umgekehrt: Je schwerer die Zuladung ist, desto schwächer muss die Zugstufe eingestellt sein, damit die Federung schnell genug in die Nulllage zurückfedern kann, bevor die nächste Bodenwelle kommt.
Merke
  1. Federvorspannung von linkem und rechtem Telegabelbein muss immer gleich eingestellt sein.
  2. Vorder- und Hinterradfederung müssen immer passend zueinander eingestellt sein, damit die Grundgeometrie des Fahrwerks gesichert ist.
  3. Ganz falsch ist, wenn die Federn in den vorderen Gabelbeinen maximal vorgespannt sind („Federeinsteller ganz eingedreht“)und die Feder des hinteren Federbeins nicht oder nur wenig vorgespannt ist (Einstellstufe 1 oder 2). Dadurch steht die Maschine vorn zu hoch und hinten zu niedrig.
  4. Wenn umgekehrt die Federn in den vorderen Gabelbeinen nur minimal vorgespannt sind („Federeinsteller ganz ausgedreht“), die Feder des hinteren Federbeins jedoch maximal (Einstellstufe 7), steht die Maschine vorn zu niedrig und hinten zu hoch.
  5. Beim Einstellen der Zugstufe zuerst die Dämpfer-Einstellschraube vorsichtig rechts herum ganz eindrehen (siehe Bilder), dann jeweils eine ¼-Umdrehung aufdrehen und jede Umdrehung als „Verstellschritt“ zählen. Die Anzahl der Umdrehungen notieren und beobachten, wie sich das Fahrverhalten verändert!
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Foto: Schermer
Praxistipp
Federeinsteller an Telegabel, Federeinstellhülse an hinterem Federbein und Einsteller der Dämpfer-Zugstufe vor dem Verstellen mit z. B. WD-40 einsprühen, das schmiert (und schont)
die kleinen O-Ringe.

Hinweis
Nicht detailliert behandelt haben wir hier Federelemente, bei denen auch noch die Druckstufe („Einfeder-Dämpfkraft“) eingestellt werden kann, denn diese sind bei Mittelklasse-Bikes eher selten. Der Vollständigkeit halber jedoch das Wichtigste in Stichworten:Die Einstellung der Druckstufe unterstützt die Grundeinstellung der Federbasis in Telegabel und Federbein:
  • Eindrehen der Druckstufen-Einstellschraube sorgt dafür, dass die Geschwindigkeit, mit der das Federelement (also das Rad) einfedert, geringer wird: Man dreht z. B. die Druckstufe mehr ein, wenn man mit voll beladenem Motorrad eine lange Passstraße mit vielen Spitzkehren hinunter fährt.
  • Ausdrehen der Druckstufen-Einstellschraube lässt die Federung „weicher“ ansprechen, sie wird etwas komfortabler. 
Foto: Schermer

Einstellung der Federelemente...*

*unverbindliche, praxisnahe Einstellvorschläge für normale Fahrt, normale Straßen, angepasste Geschwindigkeit. ...in Abhängigkeit von Fahrergewicht, Sozius und Zuladung (Beispiel Suzuki GSF 1250 Bandit)
Merke: Zum Verstellen der Federung die Federelemente entlasten, Motorrad am besten auf Mittelständer aufbocken.
Vom Werk empfohlene Standardeinstellung Modelle GSF 1250 und GSF 1250 A:
  • Federeinstellhülse auf Position 3 bei GSF 1250 S und GSF 1250 SA:
  • Federeinstellhülse auf Position 4 Standard-Dämpfereinstellung alle anderen Modelle.
  • Dämpfer-Einstellschraube 1 2/4 bis 1 3/4 Umdrehungen ausgedreht.

Einstellung Telegabel

  1. Solofahrer leicht (ca. 75 kg)
    Federvorspannung 5 Ringe sichtbar.
  2. Solofahrer schwer (ca. 95 kg) oder leichter Fahrer mit Gepäck
    Federvorspannung 3 Ringe sichtbar.
  3. Mit 2 Personen
    Federvorspannung 1 bis 2 Ringe sichtbar.
  4. Mit Sozius und Gepäck (volle Zuladung)
    Federvorspannung ganz eingedreht, kein Ring sichtbar.
  5. Empfohlene Standardeinstellung
    Federvorspannung 3 Ringe sichtbar, gilt für alle Modelle mit und ohne Verkleidung, mit und ohne ABS.

Einstellung Federbein
  1. Solofahrer leicht (ca. 75 kg)
    Federeinstellhülse auf Position 1 bis 2
    Dämpfer-Einstellschraube 1 3/4 bis  Umdrehungen ausgedreht
  2. Solofahrer schwer (ca. 95 kg)oder leichter Fahrer mit Gepäck
    Federeinstellhülse auf Position 3 bis 4
    Dämpfer-Einstellschraube 1 2/4 bis 1 3/4 Umdrehungen ausgedreht
  3. Mit 2 Personen
    Federeinstellhülse auf Position 5 bis 6
    Dämpfer-Einstellschraube 1 1/4 bis 1 2/4 Umdrehungen ausgedreht
  4. Mit Sozius und Gepäck (volle Zuladung)
    Federeinstellhülse auf Position 7
    Dämpfer-Einstellschraube 3/4 bis 1 Umdrehung ausgedreht

Bitte beachten: Diese Einstellvorschläge können, abhängig vom Zustand der Federelemente, von Maschine zu Maschine unterschiedlich sein.
Finden Sie eine passende Standardeinstellung, um häufiges Verstellen zu vermeiden!

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