Ratgeber Werkstatt Kaufberatung Werkzeug

Wer seine Freude nicht nur am Fahren, sondern auch am Schrauben hat, braucht das richtige Werkzeug. Und das muss nicht zwingend das 250-teilige Werkzeug-Set aus dem Baumarkt sein.

Foto: Koch

Alles da. Bindedraht für die Blumen, Steinbohrer, um die Gartenschaukel festzudübeln, jede Menge Spaxschrauben, eingetrocknete Farbpinsel - nur das passende Werkzeug für den Radausbau hat sich aus der riesigen Universal-Werkzeugkiste verkrümelt. Nein, so wird das nix. Wer sein geliebtes Krad beschrauben möchte, dem empfiehlt MOTORRAD, ein kompaktes, aber klug ausgewähltes Sortiment an Werkzeug im eigens dafür angeschafften Köfferchen zu bunkern.

 

So lässt sich der Schwund begrenzen (oder haben Sie noch nie Ihre teure Kombizange Jahre später im Sandkasten wiederentdeckt?), und die ewige Sucherei nach der passenden Nuss hat auch eine Ende. Also, lassen Sie die Werkzeugkiste für Haushalt und Auto im Keller und machen sich auf den Weg. Dorthin, wo selbst Männer vorsätzlich und ohne Ausreden shoppen gehen: zum Werkzeughändler. Damit Ihnen anschließend nicht die Kreditkarte gesperrt wird, machen Sie sich vorher einen Einkaufsplan. Und überlegen Sie, mit welcher Qualität Sie sich eindecken. Tipps und Tricks wie man gutes Werkzeug erkennt und Murks aussortiert, wurden bereits in MOTORRAD Heft 4/2010 verraten.

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  • Stufe eins, für den, der eher selten zum Werkzeug greift, orientiert sich am Inhalt des Bordwerkzeugs. In der Regel und speziell bei japanischen Maschinen handelt es sich dabei um ein echtes Pannen-Set im doppelten Sinn. Egal, die notwendigen Schlüsselweiten der Stanzteile verraten dem Hobby-Bastler, in welches Regal er greifen muss.

    Im gut sortierten Werkzeughandel gibt es Maul- und Ringschlüssel, die nicht die standardisierte Kombination aus 10/11, 12/13 oder 14/15 haben, sondern eine wählbare Kombination, wie sie meist auch im Bordwerkzeug enthalten ist (siehe Foto-Show Bild 2). Für gängige japanische Maschinen empfehlen sich folgenden Kombinationen als Maul- und Ringschlüssel: 7/8, 10/12, 12/13, 14/17, 17/19.

    Alle Schlüsselweiten darüber sind meist nur für die Achsmuttern gedacht und sollten als Steckschlüssel, umgangssprachlich "Nuss", mit entsprechender Ratsche angeschafft werden.

    Die Schlüsselweiten 8, 10 und 12 sollten man sich als Maulschlüssel in zweifacher Ausführung zulegen, um gekonterte Schraubverbindungen (Gaszug-Längenversteller, Kettenspanner) zu lösen.

 

  • Je größer die Werkzeuge ausfallen, desto strammer sind die Preise. In der Praxis haben sich deshalb kombinierte Ring-/Maulschlüssel bewährt, die in den tatsächlich notwendigen Größen angeschafft werden. Mit folgenden Standardschlüsselweiten kommt man bei Motorrädern ein gutes Stück voran: 22, 24, 27, 30 und 32 Millimeter.

    Noch größere Sechskantmuttern mit 36 oder 41 Millimetern sind bei einigen Hinterachsen verbaut. Nüsse in diesen Größen haben jedoch einen ¾-Zoll großen Antrieb, der nur mit einem Reduziereinsatz auf die ½-zöllige Ratsche angepasst werden kann.

    In diesem Stadium geht Hobbybasteln so langsam in Stufe drei über und kostet eine ordentliche Stange Geld. Geld, das man sich für den einmaligen Ausbau des Hinterrads sparen kann. Dazu genügt der Griff ins Bordwerkzeug, um mit dem passenden Ringschlüssel die Achsmutter aufzuhebeln. Da dies mit den zu kurzen Blechverlängerungen kein Spaß ist, lässt man sich bei einer Schlosserei ein Stahlrohr mit etwa 250 Millimetern Länge zurechtschneiden, das über den Schaft des Bordwerkzeuges gestülpt wird (siehe Foto-Show Bild 3).
  • Wer mehr vorhat als nur einen jährlichen Radausbau, der sollte in der zweiten Stufe vor dem Einkauf mit der Schieblehre die Schlüsselweite von Radachsen und Lenkkopfmutter vermessen.

    Alles über 22 Millimetern Schlüsselweite wird mit der stabilen ½-Zoll Ratsche kombiniert. Für alle Schlüsselweiten darunter empfehlen sich die handlichen, aber ausreichend stabilen 3/8-Zoll-Steckschlüsselsätze (siehe Foto-Show Bild 4).

 

  • Die in den Steckschlüsselsätzen gerne beigelegten ¼-Zoll-Ratschen sind für Arbeiten am Motorrad zu filigran und die Hebel für die meisten M8- oder M10-Schrauben zu kurz, um das korrekte Anzugsdrehmoment auf die Knarre zu stemmen.

 

  • Auch beim Kauf der 3/8-Zoll-Werkzeuge orientieren wir uns am Motorrad und sortieren je eine 8er-, 10er-, 12er-, 14er-, 17er- und 19er-Stecknuss in den Einkaufskorb. Bei europäischen Bikes wird noch eine 13er-Nuss dazugelegt – das reicht. Wie man sieht, kommen die „Zwischengrößen“ 9, 11, 15, 16 oder 18 bei aktuellen Motorrädern nicht zum Einsatz und füllen die Werkzeugkiste nur unnötig. Womit sich unser neues „Bordwerkzeug“ in der Menge kaum, in der Qualität und Anwendung jedoch deutlich verbessert hat (siehe Foto-Show Bild 5). 

 

  • Damit man vor Überraschungen verschont bleibt, kann man sich bei seinem Vertragshändler informieren, welches Werkzeug notwendig wird, wenn es ans Eingemachte geht. Speziell bei Torx-Schraubenköpfen muss der Einsatz absolut passgenau sein, um die feine Verzahnung nicht zu überdrehen.
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  • Besser als ein komplettes Set mit kleiner Ratsche, Drehgriff und unzähligen Aufsteck-Bits, sind griffige T-Schlüssel für Inbus- oder Torxköpfe. Sie liegen satt in der Hand und vermitteln ein besseres Gefühl für das Drehmoment und mögliche Defekte an Gewinde oder Verzahnung. Als Standardsatz für Inbusschlüssel empfehlen sich die Größen 3, 4, 5 und 6 Millimeter. Für Schrauben ab M10-Gewinde taugen T-Schlüssel nicht viel, da das notwendige Anzugsdrehmoment nur mit enormer Handkraft erreicht wird. Deshalb kommt auch hier die ½-Zoll Ratsche mit entsprechenden Inbus-Nüssen zum Einsatz. 

 

  • Bei Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendrehern kann man sich zwar mit den Aufsteck-Bits aus dem Sortiment behelfen, gegen festsitzenden Schlitzschrauben hat man aber nur mit einem ergonomisch gut geformten Griff eines hochwertigen Schraubendrehers mit passender Klinge eine Chance (siehe Foto-Show Bild 6).

    Bei versteckt angebrachten Schrauben (zum Beispiel Gabelbrückenklemmungen bei verkleideten Motorrädern) bewähren sich die Ratschenschlüssel mit umstellbarer Anzugsrichtung (siehe Foto-Show Bild 7). Dort, wo eine Ratsche zu sperrig und ein Gabelschlüssel beim Umsetzen unpraktisch ist, funktionieren diese Werkzeuge hervorragend. Sehr universell sind Ausführungen, die vier unterschiedliche Schlüsselweiten an einem Werkzeug aufweisen.
  • Universell und deshalb unverzichtbar sind auch Kombizangen, die jedoch nur in guter Qualität ihrer vielseitigen Funktion nachkommen können. Beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Schneiden im Gegenlicht keinen Luftspalt aufweisen und der geriffelte vordere Zangenteil nicht aufliegt. Nur so ist eine perfekte Schneidefunktion auch bei dünnem Draht und feinen Kabeln gewährleistet.

 

  • Ein wichtiges Bestandteil des Motorradwerkzeugs: ein Aluminiumdorn, der zum Austreiben von Radachsen verwendet werden kann, ohne das Gewinde zu vermurksen. Einfach und günstig: im Eisenwarengeschäft ein zirka 300 Millimeter langes Alu-Rundmaterial mittlerer Härte mit einem rund zwei Millimeter kleineren Durchmesser als die Radachse zurechtsägen lassen. Wer auf die segensreiche Einrichtung einer Drehbank zurückgreifen kann, dreht sich die Spitzen mit drei unterschiedlichen Durchmessern zurecht (siehe Foto-Show Bild 8). Damit lassen sich zum Beispiel festkorrodierte Schrauben mit einem kurzen Schlag auf den Kopf lösen, ohne diesen zu zerstören.

 

  • Welche Tricks bei verhunzten, festgebackenen Schrauben und Muttern auch noch weiterhelfen, verraten wir in MOTORRAD 13/2010.

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