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Manchmal sitzen Schrauben ein wenig zu fest. Es gibt mehrere Wege die festen Schrauben zu lösen. MOTORRAD zeigt Ihnen wie. Besondere Vorsicht ist an­gesagt, wenn man zum Lösen mit langen Hebeln hantiert.

Ratgeber Werkstatt: Schrauben lösen Lösen fester Schraubverbindungen

Partylaune in der Werkstatt? Im Gegenteil: Wenn sich Schraubverbindungen nicht mehr lösen lassen, ist die gute Laune schnell verhagelt. Mit unseren Tipps wird das Lösen wieder zum Vergnügen.

Bevor die Knarre bei einer zu fest sitzenden Schraubverbindung fluchend in die Ecke fliegt, sollten Sie zunächst gut überlegen: Handelt es sich möglicherweise um ein Linksgewinde? Es hilft ungemein, mit einer starken Lupe den etwas über die Mutter hinausstehenden Gewindeüberstand der Schraube an- oder gar in die Mutter hineinzusehen. Es gibt Linksgewinde-Muttern z. B. bei Lichtmaschinenrotoren auf Kurbelwellen, Kupplungskörben oder auch Ritzelmuttern am Getriebeausgang – wenn dieser rechts am Motor ist.

Wenn es ein herkömmliches Rechtsgewinde ist, checken Sie Ihr Werkzeug, ob es überhaupt geeignet ist, eine richtig feste Schraubverbindung zu lösen.

Für gut zugängliche Schraubenköpfe und Muttern empfehlen wir, immer mit Stecknüssen oder Ringschlüsseln zu arbeiten und nicht mit Gabelschlüsseln.

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Foto: Schermer
Um den Schraubenkopf nicht zu vermurksen, richtige ­Bitgröße wählen.
Um den Schraubenkopf nicht zu vermurksen, richtige ­Bitgröße wählen.

Bei den Schlüsselweiten (SW) sollten Sie unbedingt mit korrekten Größen arbeiten

M8-Sechskantschrauben und Muttern haben generell Köpfe mit 13 mm (bei Japanern aber auch 12 mm), man braucht also passende Schlüssel mit SW13 und SW12.

M6-Schraubenköpfe haben entweder 10er- oder 8er-Schlüsselweite, während M6-Muttern generell SW 10 haben.
Wird ein auch nur 1 mm zu großer Schlüssel benutzt, produziert man damit umgehend Murks an Schraubenköpfen und Muttern – und wenn man damit abrutscht, auch hässliche Kratzer.

M6-Inbusschrauben haben einen Innensechskant mit 5 mm Schlüsselweite, M8 mit 6 mm; M10 mit 8 mm (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Häufiger Fehler bei Inbusschrauben: Wird der Schlüssel nicht
tief genug eingeschoben, bildet sich ein hässlicher Grat, und der Sechskant wird zu groß.

Torxschrauben: Die Schlüsselweiten der Torx-Schlüssel sind so eng gestuft, dass meistens auch der kleinere zu passen scheint. Schauen Sie deshalb ganz penibel beim Aussuchen des passenden Schlüssels hin, denn ein Torx-Schraubenkopf ist rasch vermurkst. Ein zu kleiner Torx-Stiftschlüssel verhakt sich auch gern im Schraubenkopf und dreht die Innenverzahnung "rund", dann hilft auch keine Zange mehr, man muss den Schraubenkopf abbohren.

Wenn eine Schraube so fest sitzt, weil sie bei der Montage zu fest angezogen wurde oder verrostet ist, hilft meistens ein Schuss Ölspray: Einige Minuten einwirken lassen und nochmal versuchen.

Kreuzschlitzschrauben: Werden diese mit falscher, d. h. nicht passender Klinge verschraubt, sind die Köpfe schnell ruiniert.´
 
Für besonders fest sitzende Kreuzschlitzschrauben gibt es den "handbetriebenen Schlagschrauber", er ist zum Lösen unerlässlich. Mit ihm können fest sitzende Schrauben und auch solche mit vermurkstem Kopf quasi mit einem Schlag gelöst werden.

Handhabung des Schlagschraubers

Arbeiten mit einem handbetriebenen Schlagschrauber setzt auch einen Hammer mit 500 bis 1000 Gramm voraus – und eine Hand, die zielsicher damit umgehen kann.

  1. Einen exakt passenden Bit in den Schlagschrauber einsetzen.
  2. Wenn der Schraubenkopf vermurkst ist: Aufgeworfene Grate mit einem flachen Dorn und einem 125-Gramm-Hammer flachklöpfeln.
  3. Schlagschrauber am Schraubenkopf ansetzen und den Bit tief in den Schlitz eindrücken.
  4. Schlagschrauber eindrücken und gleichzeitig in Öffnungsrichtung der Schraube (meist links herum) vorspannen.
  5. Mit dem Hammer einen gezielten, kräftigen Schlag auf den Schlagschrauber geben: Schraube müsste sich jetzt gelöst haben. Wenn nicht: noch einmal nachklopfen.


Übrigens kann man mit dem handbetriebenen Schlagschrauber auch in "Schraube zu"-Drehrichtung arbeiten. Dies ist dann sehr zu empfehlen, wenn historisch korrekte Kreuzschlitz-Schraubverbindungen bearbeitet werden, bei denen hohe Festigkeit verlangt wird, die man mit einem Hand-Schraubenzieher nicht erreicht – wie z. B. bei der Befestigung des Lichtmaschinen- oder Kupplungsdeckels.

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Foto: Schermer
Manchmal sitzen Schrauben ein wenig zu fest. Es gibt mehrere Wege die festen Schrauben zu lösen. MOTORRAD zeigt Ihnen wie. Besondere Vorsicht ist an­gesagt, wenn man zum Lösen mit langen Hebeln hantiert.
Manchmal sitzen Schrauben ein wenig zu fest. Es gibt mehrere Wege die festen Schrauben zu lösen. MOTORRAD zeigt Ihnen wie. Besondere Vorsicht ist an­gesagt, wenn man zum Lösen mit langen Hebeln hantiert.

Große Schrauben und Muttern

Probleme können vor allem die Schraubverbindungen bereiten, die bei der Montage sehr fest angezogen werden müssen: Ritzelschrauben und –muttern, Achsmuttern oder Radschrauben (oft bei Kardanmaschinen anzufinden) werden teils mit Anziehdrehmomenten von bis zu 180 Nm festgezogen.

Hier hilft meist nur eine Verlängerung des Hebels: Metallrohr auf das Ende des Werkzeuggriffs stecken, damit mehr Drehmoment an die Schraube (Mutter) kommt.

Vorgehensweise:

  1. Exakt passende Stecknuss verwenden.
  2. Kurze Verlängerung zum Querknauf aufstecken, damit man nicht mit dem Werkzeug oder den Händen an Motor- und Fahr­werks­teilen anschlägt, wenn sich die Schraube oder Mutter plötzlich löst.
  3. Ggf. einen dicken Hammerstiel durchs Hinterrad stecken und Radspeiche gegen die Schwinge blockieren. Bremsleitung und Kabel dabei nicht auf Druck belasten.
  4. Hinterrad mit Bremse blockieren: Bremspedal von Helfer durchtreten lassen oder mit einem Gummi nach unten spannen.
  5. Jetzt das Werkzeug gegen Schraube/Mutter spannen und den Kraftaufwand langsam steigern. Nicht irritieren lassen, wenn es sich zunächst gummiartig anfühlt.


Stehbolzen

Er wird auch Gewindestift genannt und ist quasi ein Stück Rundmaterial mit je einem Gewinde auf jeder Seite. Stehbolzen werden oft verwendet, um Zylinder und Kopf auf einem Motorgehäuse zu verschrauben. Neben hohen Anzugwerten werden diese oft sogar noch zusätzlich eingeklebt.

Zum Lösen sind so genannte "Stehbolzen-Auszieher" unerlässlich: ein Exzenter oder eine Hülse mit Rollen, die sich beim Linksdrehen gegen die Innenwand von Hülse und Stehbolzen verklemmen. Wenn man dem Stehbolzen zuvor einen gefühlvollen Hammerschlag aufs Oberteil versetzt, wird das Gewinde im Gehäuse "gestaucht" und lässt sich ggf. leichter lösen.

Notfall-Variante: zwei Muttern gegeneinander kontern und den Stehbolzen mit der unteren Mutter lockern und ausdrehen. Allerdings wird so das Gewinde des Stehbolzens stark belastet. Ein Stehbolzenauszieher ist in jedem Fall die bessere Wahl.


Wärme wirkt Wunder


Reißt bei aller Vorsicht nun doch die Schraube beim Öffnen ab, helfen nur noch Bohrmaschine und scharfe Bohrer zum Ausbohren des im Gewinde steckenden Schraubenrests, eine Reißnadel zum Auspuhlen der noch drinsteckenden Gewindewendel und Gewindeschneider zum Nachschneiden des „geretteten“ Gewindes. Im Ernstfall muss das Gewinde mit HeliCoil bestückt werden.
 
Im Übrigen lassen sich feste Schraubverbindung nicht mit hitzigen Schraubern, wohl aber durch Hitze lösen: Mutter oder Schraube mit einem Heißluftfön anwärmen: Bei 80 bis 120 Grad kapitulieren sie meisten und lassen sich aus dem klemmenden Gewinde ausdrehen. Verbrennen Sie sich aber nicht die Finger. Sonst fliegt wieder Werkzeug in die Ecke.

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