Richtig kaufen Alles über Betrug im Internet

Die Angebote sind fast immer viel zu schön, um wahr zu sein: Eine voll ausgestattete BMW R 1150 RT, vier Jahre alt und noch nicht mal 7500 Kilometer gelaufen für nur 2900 Euro? Dazu eine falsche Telefonnummer in der Internet-Anzeige bei mobile.de, motoscout24.de oder bei E-Bay. 2Räder ging zum Schein auf mehrere solcher Angebote ein und bekam eine Masse teils völlig absurder Antwort-E-Mails, die allein ein ganzes Heft füllen würden. Daher hier die wichtigsten Erfahrungen und Tipps gegen die Abzocke in Kürze.

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Wer bei falscher oder fehlender Telefonnummer noch an einen Vertipper des Anbieters glaubt und diesem eine E-Mail schickt, bekommt auch schnell Antwort. Meist heißt es darin auf Englisch, dass das Motorrad tatsächlich in absolutem Bestzustand sei, der Preis so schon stimme, das Bike zwar leider aus irgendwelchen Gründen in London oder sonstwo im Ausland stehen würde, der Anbieter aber gewillt sei, das (ohnehin schon sehr günstige) Motorrad ohne weitere Kosten für den Käufer per Spedition nach Deutschland liefern zu lassen. Alles ungefähr so glaubhaft wie die Geschichte vom Storch, der die kleinen Kinder bringt. Doch gibt es offenbar genug Interessenten, die immer noch ans Superschnäppchen glauben und dran bleiben. An der nächsten Mail hängt, mehr oder weniger gut gefälscht, eine Internetseite als Datei, die einen seriösen Treuhand-Service suggeriert. Oft ist sie verziert mit vertrauenerweckenden Logos wie dem von E-Bay, auch wenn die eigentliche Verkaufsannonce etwa bei motoscout24.de geschaltet war. Auf dieser falschen Internetseite wird dann ziemlich konkret zur Zahlung des vereinbarten Betrages auf ein Konto bei einer ausländischen Bank, etwa der Western Union Bank, aufgefordert. Ist das Geld erst einmal einbezahlt, ist es unwiderruflich weg. E-Mails werden nicht mehr beantwortet, und – welch Wunder – die Spedition mit dem Schnäppchen-Motorrad kommt auch nicht vorbei. Die umgekehrte Masche gibt’s aber genauso: Auf echte Verkaufsannoncen melden sich angebliche Interessenten aus dem Ausland, die sich als Händler ausgeben. Sie behaupten, einen Kunden zu haben, der das angebotene Motorrad unbedingt will und bereit ist, den geforderten oder sogar einen noch höheren Preis zu bezahlen. Dann folgt das Angebot, einen Scheck mit einem höheren als dem geforderten Betrag zu schicken, wobei die Differenz die Provision des angeblichen Händlers sei. Diese Differenz möge der Verkäufer bitte zurücküberweisen, oder – der schlimmste Fall – die Differenz solle der Verkäufer dem Abholer des Motorrads in bar mitgeben. Der Scheck platzt anschließend, die Bank bucht den bereits auf dem Konto gutgeschriebenen Betrag wieder ab; das Geld ist weg, das Motorrad auch.
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Interview

Rechtsanwalt Ralph Andreß über Risiken des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Darf man Schecks generell nicht trauen?
Innerhalb Deutschlands gibt es, falls ein Scheck sich als ungedeckt erweisen sollte, ein vereinfachtes Klageverfahren, bei dem der geplatzte Scheck als Beweismittel ausreicht.

Und was ist mit Lastschriftverfahren?
Auch diesen kann man trauen, etwa wenn Sie im Internet bei einem als seriös bekannten Anbieter kaufen oder wenn Sie zum Beispiel Strom- und Gasrechnung mit dieser Methode begleichen.

Wann ist also Vorsicht geboten?
Bei Käufen zwischen Privatleuten, die sich nicht kennen, wie das im Internet ja oft der Fall ist. Denn da gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund, der dafür spricht, aber viele, die dagegen sprechen. Etwa die Möglichkeit, eine Lastschrift rückgängig zu machen.

Wie sieht das bei Zahlungen aus dem Ausland aus?
Schlechter. Da ist es viel komplizierter, wieder an sein Geld ranzukommen. Mein Tipp lautet: Bestehen Sie auf Bargeldzahlung bei einer persönlichen Übergabe der Ware.

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Tipps und Tricks

Besondere Vorsicht ist geboten bei...

 ...Aufforderung zur Vorauszahlung: Nach den Erfahrungen der Betreiber von mobile.de stellt eine solche „fast immer einen Betrugsversuch dar”.

 ...Scheckzahlungen und Überweisungen: Schecks können nicht gedeckt sein und werden dennoch erst einmal gutgeschrieben. Überweisungen aus dem Ausland können noch Monate nach KontoGutschrift zurückgezogen werden.

 ...Bargeldtransfers, etwa über Western Union, MoneyGram oder Escrow: Solche Geldsendungen können umgeleitet werden und für den Einzahler ist nicht mehr nachvollziehbar, wer das Geld erhalten hat.

 ...elektronisch übermittelten
Dokumenten: Mail-Anhänge und Faxe sind oft nicht als Fälschungen zu identifizieren. Mit gefälschten Papieren lassen sich unrichtige Halterdaten oder ein falsches Fahrzeugalter vorgaukeln.

 ...angeblichen Treuhandservices: Internetbörsen wie mobile.de und moto-scout.de bieten so etwas gar nicht an.

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