Richtig kaufen Alles über Liefernebenkosten

Warum können Zeitschriften keine Endpreise von Motorrädern angeben? Weil es die Hersteller nicht wollen. Die meisten jedenfalls.

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262 Euro und 16 Cent, das war die Summe, die es jahrelang zu den Preisen neuer BMW-Motorräder zu addieren galt – „für Verpackung und Fracht” hieß es im Kleingedruckten der Preisliste. Doch mittlerweile sparen sich die Bayern nicht nur den kuriosen Centbetrag, sondern gleich
die ganze Angabe der Nebenkosten. Und sind damit in guter Gesellschaft. Denn auch Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha informieren den Kunden nicht mehr vorab, wieviel er am Schluss bezahlen muss, machen die Preise ihrer Bikes also günstiger, als sie am Ende tatsächlich sind. „Den Endpreis einschließlich etwaiger Nebenkosten erfahren Sie bei Ihrem Honda Vertragspartner,” ist auf der deutschen Honda-Website zu lesen. Die Begründungen dafür sind durchaus unterschiedlich. Und nicht alle sind einleuchtend. So heißt es etwa aus der Presseabteilung von BMW, dass „der Gesamtbetrag von Händler zu Händler individuell” sei und „deswegen geben wir (BMW, Red.) keinen festen Betrag an.”
Das war 2007 noch ganz anders – Stichwort 262,16 Euro, pauschal und für alle BMW-Modelle. Detaillierter begründet Kawasaki-Pressesprecher Andi Seiler: „Die Neben­kosten fallen größtenteils beim Händler an. Er muss die Endmontage und die Übergabe­inspektion durchführen, und als Importeur können und dürfen wir ihm nicht vorschreiben, was er dafür verlangt. Das ist freie Marktwirtschaft.”
Freie Marktwirtschaft bedeutet natürlich auch, dass der Händler beim Preis einen Gestaltungsspielraum hat und dem Kunden entgegenkommen kann. Nicht viel, denn, so Kawa-Mann Seiler, „die Gewinnmargen im Motorradhandel sind schmal.” Aber er kann.
Offensiv geht der Stuttgarter Honda-Händler Herbert Stauch mit dem Thema Preisfeilschen um. Im Internet listet er als einer von ganz wenigen Händlern exakt auf, was Honda für jedes Modell als Preis empfiehlt und auch die Summe, die Honda offiziell nicht nennen mag, nämlich wie hoch die an-fallenden Nebenkosten dafür sind. Dem gegenüber stellt Stauch seinen – je nach Modell um drei bis acht Prozent niedrigeren, aktuellen Bar- und Endpreis. Angesprochen auf die Nebenkosten winkt er ab. „Was soll ich etwa eine Übergabeinspektion berechnen? Die gehört zu meinem Job. Meine Verkaufsberatung kann ich ja auch nicht berechnen.”
Da weiß der Kunde woran er ist. Genauso wie bei Aprilia, Piaggio und Vespa. In den Preislisten der Motorrad- und Rollermarken aus Italien sind die Nebenkosten bei den Endpreisen gleich mit eingerechnet. Wenn ein Kunde (z.B. beim Durchblättern dieser Ausgabe von 2Räder) nun also eine Aprilia preislich etwa mit beispielsweise einer Suzuki oder Yamaha vergleichen will, kann er dies kaum, weil er die fälligen Nebenkosten
erst vom Suzuki- bzw. Yamaha-Verkäufer genannt bekommt.
Dass so ein Ratespiel nicht sein muss, zeigen auch noch Harley-Davidson und Triumph. Beide beziffern die Neben­kosten von anfang an klar, wenn auch
ohne sie gleich in die Preise zu integrieren: 250 Euro Triumph, 350 (Sportster) und 450 (Big Twin) Euro bei Harley.
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Nebenkosten bei Harley-Davidson

Hier kommt ein Karton: In den Nebenkosten steckt die Fracht der Neumaschine zum Händler - beim Auto: "Überführungskosten".
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Bikes aus Japan und den USA kommen in den meisten Fällen über Antwerpen oder Rotterdam nach Europa. Von da geht es per Lkw zum Händler. Die Fracht bezahlt der Käufer.
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Rund 1,5 Stunden ist beim Harley-Händler noch ein Mechaniker beschäftigt, das Bike fahrfertig zu machen.
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Nebenkosten bei Kawasaki

So kommt eine Kawasaki aus dem Übersee-Container. Bevor diese VN 1700 Asphalt unter die Rädner nehmen kann, muss sie beim Händler noch aufgebaut werden. Das bedeutet: Batterie befüllen...
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...anschließen, Vorderrad einbauen, Spiegel, falls vorhanden Verkleidungsteile und Zubehör anschrauben sowie die Zulassung berechnet der Händler als Nebenkosten.

Nebenkosten

Nebenkosten - was sich darin verbirgt:

Die so genannten Nebenkosten beinhalten einerseits die Kosten für die Fracht vom Hersteller bzw. vom Importeur und dessen Zentrallager zum Händler, sprich
die Frachtkosten. Andererseits beinhalten sie noch die Kosten für das Fahrfertigmachen der Maschine (Fotos), die Entsorgung des Verpackungsmaterials und – in den meisten Fällen – für Übergabeinspektion und Zulassung.

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