Richtig kaufen Motorrad-Navis im Test

Navis sollten wissen, wo's lang geht. Doch für Motorradfahrer braucht's mehr als nur den richtigen Weg. 2Räder nahm drei Systeme unter die Lupe.

Foto: Sdun
Navis fürs Auto gibt es bereits für rund 100 Euro. Als Motorradfahrer jedoch muss man für den elektronischen Wegweiser das Drei- bis Sechsfache ausgeben, denn schon die Minimalanforderungen an ein Motorrad-Navi sind ungleich höher: Die Technik muss nicht nur resistent gegen Vibrationen und Erschütterungen sein, sondern auch wasserfest. Das Display muss groß und hell genug sein, um auch bei Sonnenschein und aus den Augenwinkeln noch gut ablesbar zu bleiben. Das Gerät muss während der Fahrt und mit Handschuhen zu bedienen sein und sich bombenfest an unterschiedlichen Maschinen anbringen lassen. Doch so richtig schwierig wird’s, wenn noch eine weitere Motorrad-typische Komponente ins Spiel kommt: die Suche nicht nur nach der kürzesten oder schnellsten Strecke, sondern nach der zum Motorradfahren schönsten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die besten Kurven zum Biken und die sehenswertesten Landschaften muss sich der Fahrer immer noch selbst suchen, wenn nötig mit der guten, alten Landkarte. Alles Übrige übernimmt die Technik. 2Räder testete drei speziell für den Einsatz auf dem Motorrad angebotene Geräte. Hierfür wurden mehrere Überland- und Innenstadt-Ziele vorgegeben. Auf welchen Strecken geht’s – ohne Autobahn – am besten von Stuttgart nach Heilbronn?

Schaffen es die Lotsen durch den Einbahnstraßendschungel der Großstadt? Wie reagieren sie in Tunnels? Wichtig auch: Lassen sich die Geräte einfach und schnell bedienen? Wie lang dauert die Streckenberechnung? Wie schnell reagieren sie auf ein Abweichen von der Route?. Völlig fehler- und kritikfrei blieb hierbei kein System. Unterm Strich aber erwies sich das Rider 2 des niederländischen Herstellers TomTom als bester Kompromiss zum fairen Preis: Das Tomtom hat eine absolut stabile Halterung, ist zu 100 Prozent wetterfest, hat ein prima ablesbares Display und liefert die Wegbeschreibung auch noch klar und verständlich via drahtloser Bluetooth-Technik auf ein mitgeliefertes, helmtaugliches Kopfhörer-Set. Die gefahrene Strecke speichern zur Nachbearbeitung am heimischen PC kann aber nur das Garmin Zumo, das dem TomTom in Sachen Präzision, Handhabung und Praxistauglichkeit nur wenig nachsteht. Beide haben ein bombensicheres Haltesystem und lassen sich ans Bordnetz der Maschine anschließen. Am präzisesten allerdings navigierte das Gerät von Becker, das aber kein eigenes Haltesystem hat, nur bedingt wasserdicht ist und Sprachansagen nur über einen, für Motorradfahrer nutzlosen, integrierten Lautsprecher ausgibt.
Anzeige
Foto: Sdun

Drei Geräte im Test

Becker Traffic Assist Z 100 Crocodile
Anbieter: Harman/Becker, Telefon 0 72 48/7 10, www.mybecker.com, Preis: 299 Euro
Ausstattung: SIRF III-GPS-Empfänger mit 400-MHz-Prozessor, 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 2 GB interner Speicher, Micro-SD-Kartenschacht, eingebauter Li-Ion-Akku, Kartenmaterial für 42 europäische Länder vorinstalliert

Bedienung:
Dank des übersichtlich aufgebauten Menüs lässt sich das Becker Crocodile auf Anhieb problemlos bedienen. Alle Funktionen sind schnell zu finden. Allerdings sind Eingaben während der Fahrt, etwa das Scrollen der Landkarte oder Auswahl der nächsten Tankstelle, nicht so einfach. Die Ein/Aus-Taste, die zugleich als „Zurück-Taste“ dient, ist mit Motorradhandschuhen fast nicht zu bedienen.

Darstellung:
Mit einer Bildschirm-Diagonalen von 11,2 Zentimetern im attraktiven Widescreen-Format bietet das Crocodile das größte Display im Test und punktet auch in Sachen Auflösung. Ein Manko ist jedoch die wenig kontrastreiche Darstellung, die gerade auf dem Motorrad tagsüber nur mäßig und bei direktem Sonneneinfall kaum ablesbar ist. Die Tag/Nacht-Umstellung funktioniert hingegen gut.

Navigation:

Paradedisziplin für das Krokodil. Satelliten sind schnell geortet, Ziele rasch und unkompliziert eingegeben, Routenberechnung und Streckenaktualisierung erfolgen blitzschnell. Dank Fahrspurassistent und Einblendung von Straßenschildern lassen sich besonders Stadtdurchfahrten sicher meistern und werden von einer gut verständlichen Ansage hilfreich unterstützt. Auf der 2Räder-Teststrecke wurden beinahe alle Ziele exakt angefahren, lediglich eine Route endete vor einem gesperrten Wirtschaftsweg.

+ Großes Display, klare Ansagen, viele Extras
+ Kurze Akkulaufzeit, bei Tag schlecht ablesbar, kein Routenimport möglich

Fazit:
Präzises und schnell zu bedienendes Outdoor-Navi, dessen Motorradtauglichkeit allerdings durch ein lediglich gegen Spritzwasser geschütztes Gehäuse und ein bei Tag schlecht ablesbares Display stark geschmälert wird. Außerdem fehlt es an einer robusten, universell einsetzbaren Motorradhalterung. Die Navigationsleistung ist unterm Strich sehr gut, dazu kommt ein reichhaltiges Ausstattungspaket mit Staupilot, MP3-Player, Bildbetrachter und weiteren Technik-Features.
Anzeige
Foto: Sdun

Garmin Zumo 550


Anbieter: Garmin, Telefon 0 89/8 58 36 40, www.garmin.de, Preis: ab 649 Euro

Ausstattung:
SIRF III-GPS-Empfänger, Prozessortakt k. A., 3,5-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 2 GB interner Speicher, SD-Kartenschacht, auswechselbarer Li-Ion-Akku, Bluetooth-fähig, Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone, MP3-Player, Motorrad- und Autohalterung, Kartenmaterial für 33 europäische Länder vorinstalliert

Bedienung:
Einfach und übersichtlich ist das Menü aufgebaut. Die Eingabe mittels Touchscreen ist okay, wird mit gefütterten Handschuhen aber zum Glücksspiel. Weitere Funktionen wie beispielsweise das Auffinden der nächsten Tankstelle lassen sich im Fahrmodus nur umständlich anwählen. Besonders motorradtauglich sind dagegen die vier zusätzlichen Bedientasten, über die wichtige Grundfunktionen wie das Scrollen der Karte oder das Blättern durch das Menü abrufbar sind.

Darstellung:
Auf 8,9 Zentimeter Bildschirm-diagonale sind alle wichtigen Informationen gut dargestellt und lassen sich problemlos ablesen. Das Display bietet selbst bei direktem Sonneneinfall ausreichend Kontrast. Sehr gut gelöst ist die automatische Tag/Nacht-Umstellung, die für ein blendfreies Vorwärtskommen sorgt.

Navigation:
Licht und Schatten beim Zumo. In Sachen Navigationsfunktion bietet es selbst für Profi-Anwender den größten Nutzen bis hin zur Offroad-Navigation und Routenaufzeichnung. In der Praxis leitete das Garmin bei zwei Adressen in der Stadt zunächst fehl. Eine Strecke außerhalb endete vor einem gesperrten Wirtschaftsweg. Auch beim Abweichen von der geplanten Route folgten falsche Anweisungen. Das Eingabefenster für die Zieleingabe ist sehr umständlich.

+ Umfangreiche GPS-Funktionen, sehr gut ablesbar, extra Bedientasten
- Sprachqualität der Ansagen holperig, ruckeliger Seitenaufbau

Fazit:
Vor allem Tourenfreaks werden das umfangreich ausgestattete Navigationssystem von Garmin mit der Möglichkeit zum Routen-Import und zur Streckenaufzeichnung zu schätzen wissen. Bei der Zielgenauigkeit leistete sich das Navigationssystem etliche Schwächen, ein fehlender Fahrspurassistent erschwert vor allem die sichere Navigation durch die Stadt. Sehr gut dagegen die motorradtaugliche Ausstattung mit wasserdichtem Gehäuse und universell einsetzbarer Halterung.
Foto: Sdun

TomTom Rider2

Anbieter: TomTom, Telefon 00 31/20-7 57 50 00, www.tomtom.com, Preis: ab 399 Euro
Ausstattung: SIRF III-GPS-Empfänger mit 380-MHz-Prozessor, 3,5-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 32 MB interner Speicher, SD-Kartenschacht, integrierter Li-Ion-Akku, Bluetooth-fähig mit Universal-Helm-Headset, Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone, Motorrad- (bei Louis und Polo auch Auto-)Halterung, Kartenmaterial für Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein (D,A,CH), oder optional 31 Europa-Länder (100 Euro Aufpreis)

Bedienung:

Bezüglich Benutzerfreundlichkeit auf dem Motorrad ist das TomTom Rider 2 derzeit das beste Gerät auf dem Markt. Ein besonderes Bonbon ist die Bedienung während der Fahrt. Mittels zweier Tastbefehle ist beispielsweise die nächste Tankstelle als Ziel programmiert. Der Touchscreen lässt sich auch mit gefütterten Handschuhen noch sehr sicher bedienen.

Darstellung:
Das TomTom hat zwar das kleinste Display im Test, doch dank kontrastreicher Darstellung ist dieses bei allen Lichtverhältnissen sehr gut ablesbar. Zusatzinfos zu aktueller Geschwindigkeit, Tempolimits, der Fahrstrecke oder Ankunftszeit sind aufgrund der sehr kleinen Anzeige allerdings nur schwer zu entziffern.

Navigation:
Das TomTom gefällt als sehr guter Straßennavigator, der mit seiner Fahrspuranzeige auch im innerstädtischen Verkehr stets sicher den Weg weist. Dazu erfolgen klar verständliche Ansagen, die sich auch ohne Blick auf das Display umsetzen lassen. In Sachen Präzision überzeugt das TomTom Rider 2 ebenfalls. Nur auf einem Abschnitt der 2Räder-Teststrecke kam es aufgrund einer leicht ungenauen Ortung zu einem falschen Hinweis.

+ Kontrastreiches Display, klare Sprachanweisungen, sehr lange Akkulaufzeit
- Eingeschränkte Zoomfunktion, Verkehrsinfos umständlich abrufbar

Fazit:
Das Gerät der Wahl für alle,  die ohne großen Aufwand  auf schneller oder schöner Strecke von A nach B kommen wollen. Das TomTom Rider 2 punktet vor allem durch seine praxisnahe Bedienung, das robuste, wasserdichte Gehäuse sowie die erstklassige Gerätehalterung. Bei den Zusatzfunktionen ist das Bild eher durchwachsen. Sehr gut ist der Radarwarner, Verkehrsinfos lassen sich nur über ein Mobiltelefon empfangen, und ein Aufzeichnen der gefahrenen Strecke ist nicht möglich.

Begriffskunde

Aus dem Weltraum auf die Straße: Um mit Satellitentechnik aus dem All auf der Erde unterwegs zu sein, bedarf es keiner astronomischen Grundausbildung. Das folgende kleine Einmaleins der Motorradnavigation reicht hier völlig.

  • GPS steht für „Global Positioning System” und bezeichtet die satellitengestützte Standortbestimmung rund um die Welt. Die Grundlage heutiger Navigationssysteme wurde ursprünglich vom US-Militär installiert, um Fahrzeuge und Waffensysteme präzise steuern zu können. Für den Alltagsgebrauch ist das GPS-Signal erst seit dem Jahr 2000 nutzbar und erreicht bei ziviler Nutzung eine Genauigkeit von zirka zehn Metern. Zuvor wurde das Signal von den Militärs künstlich verfälscht.
  • Waypoint oder auf deutsch „Wegpunkt“ ist eine im GPS-Empfänger gespeicherte Position, die angefahren werden soll. Wird entweder klassisch über Koordinaten eingegeben oder aus der im Gerät installierten Datenbank (Adresse, POI) ausgewählt.
  • Track bezeichnet im GPS-Jargon den zurückgelegten Weg und ist das Gegenteil zur Route (der geplante Weg). Unterstützt das Navi eine Track-Aufzeichnung, können diese Daten dann über PC-Anwendungen wie Google Earth zur Tourenplanung genutzt werden.
  • POI heißt „Point of Interest“ und ist das Kürzel für „interessante Orte“. Darunter fallen meist Tankstellen, Hotels, Restaurants, Museen, Werkstätten et cetera. Die werksseitig auf einem Navi abge-speicherte POI-Liste lässt sich über die Websites der Navi-Anbieter aktualisieren oder an persönliche Bedürfnisse anpassen.
  • TMC steht für „Traffic Message Channel” und ist ein digitaler Verkehrsdienst von UKW-Radiostationen mit Informationen zur Verkehrslage. Je nach Ausstattung kann das Navi somit Staus oder andere Verkehrsbehinderungen auf der geplanten Route berücksichtigen.
  • WAAS/Egnos bezeichnet ein Korrektursignal geostationärer Satelliten, mit dem sich die Standortbestimmung auf unter drei Meter genau verfeinern lässt. Allerdings ist das Signal im Gebirge sowie in dicht bewaldeten Gebieten oder in der Stadt nur schwer zu empfangen, was dann bei der Ortung zu Ungenauigkeiten führt.

Ausstattung

 Ausstattung Becker Crocodile
 Garmin Zumo 550TomTom Rider 2
 Bildschirm-Diagonale 11,2 cm  8,9 cm 8,6 cm
 Interner Speicher 2 GB 2 GB 32 MB
 Speicher-Erweiterung  Micro-SD SD  SD
 Akku Li-Ion Li-Ion Li-Ion
 Wetterschutz IPX4 IPX7 IPX7
 Bluetoothfähig - ja ja
 TMC/Verkehrsfunk ja optional optional
 Motorradhalterung optional ja ja
 Batterie-Anschluss optional ja ja
 Autohalterung ja ja optional
 Ladekabel 12 Volt 220 Volt 220 Volt
 Handy-Anschluss - ja ja
 Import geplanter Routen -
 ja ja
 Routenaufzeichnung und Export - ja -
 MP3-Player ja ja -




Endwertung


Gerät
UrteilPreis in Euro
TomTom Rider2
gut
399
Garmin Zumo 550gut649
Becker Crocodilebefriedigend299

 

Foto: Sdun

Halterungen

Die Originalhalter

TomTom:
Das Rider 2 wird auf die Dockingstation aufgeschoben und verriegelt dann absolut sicher. Zusätzlich kann es noch mit einer kleinen Halteschlaufe gesichert werden. Über eine Kugelkopfverschraubung von Ram Mount ist das Navi frei positionierbar.

Garmin:
Die Dockingstation lässt sich wie bei TomTom über eine frei positionierbare Kugelkopfverschraubung von Ram Mount am Motorrad befestigen, passt aber auch auf viele Haltevorrichtungen, wie sie von Motorradherstellern angeboten werden. Umständlich zu handhaben: die Sicherung gegen ein versehentliches Öffnen des Halters.

 

Die Zubehörlösungen

SW-Motech: Auf einem Metallausleger, der am Tankrucksack aufgesteckt wird, lassen sich GPS-Taschen oder Originalhalter verschrauben; mit Polo-Produkten kompatibel.
SW-Motech, Tel. 06425/816800, www.sw-motech.de
Polo Tel. 0 18 05/5 22 57 85, www.polo-motorrad.de


Wunderlich: Der per Kugelgelenk frei schwenkbare Halterarm „Multipod“ kann problemlos  mit einem Rohrlenker verschraubt werden. Auf diesem können dann verschiedene Träger-platten oder GPS-Taschen montiert werden. Wunderlich, Tel. 0 26 42/9 79 80, www.wunderlich.de


Held: Beim Tankrucksack „Streak“ ist im Deckel ein aufklappbares Fach mit einer Klarsichttasche für Navis integriert, das über ein Scherengelenk fixiert wird. Der Blick aufs Cockpit ist dadurch aber nahezu vollständig verdeckt. Held, Tel. 0 83 21/6 64 60, www.held.de


Touratech: Bei der Modifizierung des originalen Halters für das Garmin Zumo hat dieser Zubehöranbieter darauf geachtet, dass das Gerät seitlich gut abgestützt wird und abschließbar ist. Touratech, Tel. 0 77 28/9 27 90, www.touratech.de

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote