Richtig kaufen Nierengurte

Ein Nierengurt muss nicht unbedingt stützen, sondern ausschließlich vor Zugluft schützen. Der Nierengurt in Dichtung und Wahrheit.

Foto: Künstle
Nierenleiden sind heimtückisch und schmerzhaft. Der Nierengurt ist seit jeher ein probates Mittel, um die beiden je rund 150 Gramm schweren Blutreinigungs-Organe zu schützen. Doch vor was eigentlich? „Einzig und allein vor Unterkühlung,” sagt der Stuttgarter Mediziner und Motorradfahrer Dr. Peter Falb. Unterkühlte Organe werden schlechter durchblutet und sind anfälliger für Infektionen, die bei häufigerem Auftreten zu einer chronischen Nierenentzündung führen können. Frauen sind besonders gefährdet, denn kürzere Harnwege und der Risiko-Faktor Periode machen es Bakterien-Infektionen relativ leicht, über eine Blasenentzündung bis zu den Nieren zu gelangen. Nach landläufiger Meinung sollen Nierengurte außerdem vor Erschütterungen schützen. Dazu Dr. Falb: „Totaler Blödsinn, Nieren sind mit Gefäßstielen fest verbunden, sitzen in hervorragend dämpfenden Fettpolstern und könnten schon rein technisch nicht zusätzlich gestützt werden.” Die vermeintlich wichtige Stützfunktion ist psychologisch aber durchaus sehr sinnvoll: Der Fahrer fühlt sich wohler und ist konzentrierter – Stichwort aktiver Unfallschutz. Echte Aufgabe der Gurte ist aber einzig und allein warm zu halten. Egal für welchen Gurt man sich entscheidet, wichtig ist, wo man ihn trägt. Es bringt gar nichts, den Gurt über der Jacke in der Taille zu tragen. Der Gurt sollte nah am Körper sitzen, direkt überm T-Shirt ist ideal. Welche Typen es so gibt, zeigt diese Auswahl.
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Foto: mps-Fotostudio

Nierengurte

Von links nach rechts:
  • Der Allrounder: Elastisch, flächiger Klettverschluss mit großem Einstellbereich, durchschnittliche Stützfunktion. Der Büse Taslan trägt nicht zu dick auf, isoliert or­-dent­lich an kalten Tagen, bleibt im Sommer ausreichend atmungsaktiv. Günstige, zweckerfüllende Materialien, daher auch günstiger Preis. Kann alles, aber nichts richtig gut. Büse Taslan, 16,95 Euro, Telefon 02471/12690, www.buese.com
  • Der Billige: Greift man mal eben vom Grabbeltisch ab – der Louis Sponsor kostet nur so viel wie ein Eisbecher und erfüllt seine Aufgabe ausreichend. Mehr jedoch nicht, denn das Neopren isoliert nur mäßig, darunter schwitzt der Fahrer im Sommer, und das sehr elastische Material bietet trotz variabel verschließbaren Kletts nur wenig Stützfunktion. Louis Sponsor, 4,95 Euro, Telefon: 040/73419360, www.louis.de
  • Mit voller Stützkraft voraus: Stark luftdurchlässiges Material, daher so gut wie keine Isolation. Der extrem breite und mittels großer Klettverschlüsse doppelt verstellbare Bikers Faja erfüllt aber seine Mission als angenehme Stütze der Körpermitte nicht zuletzt wegen eingearbeiteter steifer Torsionsbänder vorbildlich. Bikers Faja R-100, 49,90 Euro, über Polo, Telefon: 01805/5225785, www.polo-motorrad.de
  • Der Klassiker: Leder klimatisiert von Natur aus. Doch wegen des an der Körperseite eingesetzten, dicken und wenig atmungsaktiven Schaumstoffs eignet sich der Harro Leder nur bedingt für warme Tage, weil man darunter schwitzt. Gute Passform und Verarbeitung, eine sehr passable Stützfunktion sowie solide verstellbare Metall-Hakenverschlüsse und zwei Taschen gehören zu den Pluspunkten. Eine Empfehlung für stilbewusste Retro-Biker. Harro Leder, 45 Euro, Telefon: 07452/83860, www.harro.de
  • Heiße Sache:  Zwei passende Gel-Wärmekissen (Satz für 4,95 Euro) können beim Probiker Duo in die dafür vorgesehenen Taschen im Nierenbereich gepackt werden. Die wiederverwendbaren, mit Sodiumacetat gefüllten Kissen erwärmen sich durch eine chemische Reaktion auf über 50 Grad Celsius und halten die Körpermitte länger als eine Stunde lang muckelig warm. Top-Tipp für Ganzjahres-Motorradfahrer. Probiker Duo, 16,95 Euro, über Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de
  • Ab ins Gelände: Schwitzen, Schütteln, Schläge – Normalität bei härterer Gangart über Stock und Stein. Ein Offroad-Nierengurt sollte deshalb besonders gut stützen, was der durch seine Netzstruktur gut belüftete Acerbis Profile Evo dank steifer Kunststoffeinsätze und spezieller Spannbänder tut. Mit Lendenwirbel-Protektoreinsätzen außerdem eine sinnvolle Ergänzung zum Brustpanzer. Acerbis Profile Evo, 39,95 Euro, über Büse, Telefon 02471/12690, www.buese.com
  • Prima Klima: Paraffinähnliche Mikrokapseln sollen beim Rukka Outlast je nach Außentemperatur Körperwärme speichern beziehungsweise überschüssige wieder abgeben. Mittels dieses Zwischenspeichers funktioniert die Mikroklima-Regulierung tatsächlich recht gut. Der angenehm dünn auftragende und gleichzeitig gut stützende Hightech-Gurt isoliert an kalten Tagen noch ausreichend und empfiehlt sich daher für den Dauergebrauch. Mitgedacht: Klettverschluss mit großem Einstellbereich. Rukka Outlast, 44 Euro, Telefon 040/5511055
  • Ladies only: Durch eine stärkere Taillierung speziell auf die Anatomie von Frauen zugeschnitten. Doch im Vergleich zu Unisex-Gurten spürten die Testerinnen lediglich eine minimal bessere Passform. Nichtsdestotrotz ist der Held Lola ein gut verarbeiteter Gurt mit wind- und wasserabweisendem Außenmaterial (Tactel). Er taugt allerdings nur für den Sommer, im Winter friert frau damit. Held Lola, 24,95 Euro, Telefon 08321/66460, www.held.de
  • Übergroß: Bis Umfang 160 Zentimeter (Größe 4XL) ist der FLM Race erhältlich. Sicherlich kein übliches Bauchmaß, deshalb haben leider nur wenige Anbieter Größen für besonders korpulente Motorradfahrer im Programm, die über XL hinausgehen. Polo Flm Race, 19,95 Euro, Telefon 01805/5225785, www.polo-motorrad.de
  • Zusatzschutz: Der Ixs Turtle Belt schließt die Lücke, wenn der Rückenprotektor aus Komfortgründen nicht bis zu den Lendenwirbeln herunter reicht. Gute Stützwirkung. Nachteil: Er trägt dick auf und ist selbst zusammengerollt noch sehr sperrig. Ixs Turtle Belt, 33,50 Euro, Telefon 07631/18040, www.ixs.de

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