Richtig kaufen Werkzeug Grundausstattung

Tolles Angebot: 100 Teile für 29,95 Euro. Da kann man doch nichts verkehrt machen, oder? Kann man doch, denn beim Werkzeugkauf zählt nur Klasse, nicht Masse.

Foto: Rutz
Die typische Hobbyschrauber-Karriere hat exakt zwei Werkzeug-Phasen. In der ersten Phase kauft man möglichst billig, um dann festzustellen, dass der supergünstige Maulschlüssel nicht maßhaltig ist und den Schraubenkopf ruiniert, dass das durchrutschende Gelenk einer Discount-Wasserpumpenzange für eindrucksvoll gequetschte Finger sorgt und dass ein ungesicherter und damit unkontrolliert wegfliegender Hammerkopf am Motorradtank einen richtig teuren Schaden verursacht. Damit wäre die zweite Werkzeug-Phase erreicht. Die Erkenntnis lautet: Billig-Werkzeug taugt nichts. Noch nicht einmal als Notbehelf, denn es ruiniert Werkstück und Gesundheit. Und jetzt kauft der Hobby-Schrauber gezielt. Er benötigt keine 100 Teile, von denen die Hälfte ohnehin nutzlose Kabelschuhe sind. Er kauft Stück für Stück Markenqualität, bei der ein Maul-/Ringschlüsselsatz 70 Euro und mehr, ein Hammer um 20 Euro und ein Schraubendreher über zehn Euro kosten kann. Für eine Grundausstattung sind locker um 400 Euro fällig. Doch gutes Werkzeug ist - zumindest im Hobbybereich - eine Anschaffung fürs Schrauberleben. Beim Werkzeugkauf darf man getrost auf Markennamen vertrauen. Die Marken-Anbieter spielen (etwas grob vereinfacht und mit fließenden Übergängen) in drei Ligen: Gute Qualität mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis gibt’s durchaus im Baumarkt und beim Motorradzubehör-Händler. Vorausgesetzt, es steht KS tools, Proxxon oder Lux drauf. Gelegenheitsschrauber sind damit sehr gut bedient. Ambitionierte Hobbyschrauber vertrauen unter anderem auf Produkte von Belzer, Gedore, Hazet, Heyco oder Stahlwille. Knipex für Zangen und Wera sowie Wiha für Schraubendreher sind weitere gute Namen. Werkzeuge dieser renommierten, meist aus Deutschland stammenden Anbieter werden häufig in Werkstätten eingesetzt. In der Champions League spielen Facom aus Frankreich und Snap-on aus den USA. Mit Edel-Material dieser Anbieter hat man eine dritte Phase erreicht: die des Werkzeug-Gourmets.
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Werkzeug-Info

Zangen
Die Kombizange ist eine Kombination aus Seitenschneider, Wasserpumpen- und Spitzzange. Sie kann von allem etwas, aber nichts richtig. Daher besser gleich die drei einzelnen Teile kaufen. Bei der Wasserpumpenzange auf das Gelenk achten. Billigteile springen bei Belastung über. Achtung: Quetschgefahr!

Schraubendreher
Dicker, rutschsicherer Griff und durchgehende Klinge - so soll’s sein. Die Spitze von Qualitätsschraubendrehern ist immer schwarz, denn verchromte werden spröde und brechen schneller. Der Motorrad-Schrauber braucht Schlitzschraubendreher in den Größen 5,5 und acht Millimeter. Für Kreuzschlitzschrauben reichen die Größen PH1 und PH2. PZ-Größen sind ungeeignet.

Fühlerblattlehre
Wird gebraucht, um kleine Abstände zu messen, zum Beispiel den Elektrodenabstand bei Zündkerzen oder das Ventilspiel. Die verschieden dicken Blechblätter beginnen meist bei 0,05 Millimetern, dann geht’s in 0,05-Millimeter-Schritten aufwärts.

Sechskantschlüssel
Innensechskantschlüssel („Inbusschlüssel”) gibt’s in kurzer, gewinkelter Form (Modell „Ikea”). Mit Kugelkopf sind sie besonders praktisch an verwinkelten Stellen. Bei gut zugänglichen Schrauben lassen sich mit T-Griff-Schlüsseln Kräfte besser übertragen. Einige Japan-Bikes haben sehr große Innensechskantschrauben, passende Schlüssel gibt’s nur einzeln.

Maulschlüssel
Zur Grundausstattung gehören je ein Satz Maul- und Ringschlüssel oder ein Satz Maul-/Ringschlüssel. Die am häufigsten benötigten Größen sind 8, 10, 12, 13, 14, 17, 19 und 22 Millimeter. „Chrom-Vanadium” allein sagt noch nichts über die tatsächliche Güte aus, deutet aber darauf hin, dass zumindest Werkzeugstahl verwendet wird.

Hammer
Schlosserhämmer gibt es in verschiedenen Gewichtsklassen, für den Anfang reicht einer mit 500 Gramm. der Griff muss aus gutem Hartholz bestehen, der Kopf muss gerade und fest (verkeilt) auf dem Griff sitzen. Der Kunststoffhammer kommt da zum Einsatz, wo der harte Schlosserhammer empfindliche Oberflächen beschädigen würde.

Steckschlüsselsatz
Der in Rechts- und Linkslauf umschaltbare Griff heißt „Knarre”, die Einsätze „Nüsse”. Gearbeitet wird je nach Platz und Kraftaufwand mit 1/2- und 1/4-Zoll-Antrieben (Bild) oder mit 3/8-Zoll-Antrieb. Lieber Sechs- als Zwölfkantnüsse nehmen. Wichtige Größen: siehe Maulschlüssel.

Drehmomentschlüssel
Fast schon Luxus für Schrauber-Novizen, doch eigentlich unentbehrlich, wenn Schrauben nicht zu fest und nicht zu lose, also mit einem definiertem Drehmoment angezogen werden müssen. Für jede Schraube eines Motorrads gibt es solche Werte (stehen im Werkstatthandbuch und in den meisten Reparaturanleitungen). Am Zylinderkopf, am Motorgehäuse und bei diversen Fahrwerksteilen ist die penible Einhaltung besonders wichtig. Ein Bereich bis 40 oder 50 Nm reicht meist fürs Motorrad.

Werkzeugkästen
Steckschlüsselsätze (links) gibt’s in ordentlicher Qualität ab 70 Euro. Ein Elektrik-Kit (Mitte, 15 Euro) ist beim Zubehöranbau hilfreich. Komplettkästen (150 Euro) taugen nur für Eher-Selten-Schrauber (alle Produkte Polo)

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