So geht's: Besser fahren in der Gruppe Motorrad fahren in der Gruppe

Gesellig und sicher, dabei dynamisch, aber entspannt soll die gemeinsame Ausfahrt mit dem Motorrad werden. Damit das klappt, müssen alle mithelfen. Die Redaktion erklärt, wie Sie richtig in der Gruppe fahren.

Der Aus-Prinzip-Einsame Biker lebt fast ausschließlich in Klischee-Schubladen. In freier Wildbahn trifft man immer öfter kleine Motorrad-Gruppen, drei bis elf Fahrzeuge, gelegentlich mehr. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude, und im besten Fall muss sich nur einer aus der Gruppe die Arbeit mit der Routenplanung machen.

Damit sind wir schon beim ersten Punkt: Verantwortung. Der Tourguide trägt sie dafür, dass die Gruppe am Ende wieder in der Zivilisation oder wenigstens einem geeigneten Zeltplatz ankommt, dass Rösser und Reiter unterwegs immer genug Futter und Pausen haben und dass die Strecke niemanden überfordert. Die reine Länge der Etappe ist gar nicht einmal so wichtig: Auf gut ausgebauten, womöglich sogar bekannten Autobahnen fährt wahrscheinlich jeder am Tag 500 und mehr Kilometer, ohne über Gebühr zu erschöpfen.

Schlimmstenfalls langweilt man sich ins Koma. Unbekannte, kleine, kurvige Landstraßen können jedoch so viel Konzentration und Kraft kosten, dass das Limit bereits nach 250 Tageskilometern erreicht ist. Und wenn die Konzentration fehlt, ist der Spaß auch schnell vorüber. 

Wer die Strecke plant, sollte Städte umfahren. Der dichte Verkehr und die vielen Ampeln reißen eine Gruppe leicht auseinander. Sich wieder zusammenzutelefonieren, kostet Zeit und Nerven. Oft stellt sich ein kurzer Abstecher auf die Autobahn als die geschicktere Wahl heraus, wenn eine vertretbare Außenrum-Route nicht machbar ist.

So sehr man es sich vielleicht wünscht: Eine Gruppe ist nie homogen. Wer gemeinsam fahren will, muss sich der Unterschiede in den Punkten "Erfahrung" und "Motorleistung" bewusst sein. Sie kleinzureden zieht nur Enttäuschungen nach sich. Es hilft alles nichts: Kompromisse müssen her. 

Das betrifft das Grundtempo, die Stopps, die Strecke - und bedeutet vielleicht auch einmal, dass man sich für ein paar Kilometer trennt. An Abzweigungen oder an einem markanten Punkt am Ende einer fahrerisch besonders interessanten Etappe findet man dann wieder zusammen.

Besonders gründliche Tourguides bereiten für jeden Mitfahrer ein Roadbook vor, das etwa alle 50 Kilometer einen Sammelpunkt vorsieht. Das nimmt den Druck, den Vordermann immer in Sichtweite zu behalten. Wer den Anschluss verliert, fährt einfach in seinem Wohlfühltempo zum nächsten Treff.

Bei der Reihenfolge innerhalb der Gruppe hat sich eine Mischung aus Routiniers und weniger erfahrenen Piloten bewährt. Zum einen können Letztere sich vom Vorausfahrenden einiges abschauen, zum anderen können die Routiniers wiederum ihrem Vorausfahrenden beim nächsten Stopp Tipps geben und möglicherweise sogar helfen, Fahrfehler auszumerzen.

Eine durchmischte Gruppe hat es außerdem leichter, überraschende Manöver einzelner auszugleichen. Fahren alle Könner und alle Neulinge in einem eigenen Pulk, ist die Gefahr groß, dass ein unerwartet bremsender Neuling einige andere mitreißt. Eine Misch-Gruppe setzt allerdings zwingend voraus, dass die schnelleren Fahrer sich dem gemeinsamen Tempo anpassen können und wollen. 

Tendenziell gehören stärker motorisierte Bikes ans Ende der Reihe. Überholt die Gruppe ein anderes Fahrzeug, können PS-Boliden die entstehende Lücke auch auf unübersichtlichen Strecken relativ souverän schließen. Ein 34-PS-Motorrad müsste der Fahrer jedoch sehr fordern, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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Bei aller Gemeinsamkeit: Letztlich verantwortlich ist jeder für sich selbst. Dass zum Beispiel mein Vordermann zum Überholen ansetzt, ist keine Aufforderung, ihm blind zu folgen. Und nicht jedes Kurventempo, das er fährt, harmoniert mit meinem Motorrad und meinem Fahrkönnen. Auch wenn man sich in der Gruppe stark fühlt, ist ein defensiver und vorausschauender Fahrstil das A und O. Nicht nur für das eigene Wohlbefinden, sondern auch aus Verantwortung für diejenigen, mit denen man unterwegs ist.

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Versetztes Fahren in der Gruppe

Einen riesigen Sicherheitsgewinn bringt eine versetzte Reihung der Motorräder in der Fahrspur mit sich. So kann jeder für sich die Verkehrs­situation einschätzen und ist nicht gezwungen, auf seinen Vordermann zu reagieren. Maßgeblich für den Sicherheitsabstand ist hierbei das nächste, schräg voraus fahrende Motorrad – nicht das übernächste. Im Falle eines Falles bleibt so allen mehr Platz zum Ausweichen und Bremsen.

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Wer direkt hinter seinem Vordermann fährt, kann weder Verkehrslage noch Kurvenverlauf genügend einsehen.

Zudem bleibt ihm bei einer notwendigen Vollbremsung kaum Zeit, um die Fahrlinie zu wechseln.

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Versetztes Fahren erlaubt es, sich ein eigenes Urteil über die Verkehrssituation zu bilden und entsprechend zu reagieren.

Zudem bleibt die Möglichkeit, bei Sturz oder Notbremsung des Vordermanns auszuweichen.

Tipps

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Roadbook schreiben: Wer eine Tour vorbereitet, macht sich eh Notizen. Diese zu ordnen und zu vervielfältigen ist dann nur noch ein kleiner Schritt, aber eine große Hilfe für alle Mitfahrer.

Städte meiden: Selbst wenn sie als touristisch wertvolle Ziele gelten - aus der Warte des Motorradfahrers sind sie in erster Linie nervig. Vor allem, wenn Verkehr und Ampeln die Gruppe auseinanderreißen.

Offen reden: Wer sich überfordert fühlt, muss das sagen; ein anderer merkt es kaum. Auch ein als provozierend oder gefährlich wahrgenommener Fahrstil und andere schlechte Angewohnheiten müssen auf den Tisch - bevor es scheppert.

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Gesammelt tanken: Alle Bikes schlucken Sprit aus einer Säule, ohne dass die Zapfpistole eingehängt wird. Einer notiert den angezeigten Preis, wenn ein Tank voll ist ("Andi 17,52 Euro, Bodo 38,18 Euro, Didi 52,03 Euro"), zahlt und rechnet nach der Tour ab. Stopps Nutzen: Stopps sind keine Pausen. Während die einen tanken, reinigen die anderen ihr Visier, entlasten ihre Blase oder teeren ihre Lunge. Keine Hektik aufkommen lassen und nicht trödeln.

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Pausen nutzen: Pausen bewusst einplanen, nicht als Anhängsel an einen Tankstopp verstehen. Dort anhalten, wo es schön ist, wo es etwas zu sehen gibt und wo man in Ruhe sitzen kann.

Entspannt bleiben: Jeder hat so seine Eigenheiten: Einer guckt dreimal in jeden Rückspiegel, bevor er anfährt, ein anderer braucht immer zwei Kännchen Schwarztee zur Entspannung. Nicht nerven lassen; wir sind schließlich zum Spaß unterwegs. Aber: Gefahrenquellen zur Sprache bringen.

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