Saisonstart: Motorrad ausmotten und startklar machen Auftakt in die neue Motorradsaison

Die ersten zarten Sonnenstrahlen der Saison glitzern durch die Baumkronen, Felder und Wiesen blühen schon. Höchste Zeit, das Motorrad aus dem Winterschlaf zu holen.

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Natürlich hören wir bis hier die Stimmen der eiskalten, abgehärteten und knallharten Winterfahrer: "Wer durchfährt, muss auch nicht ausmotten." Radio Eriwan antwortet: "Im Prinzip richtig, aber nach der Salzsaison schadet so ein Grundcheck dem Material nicht."

Wer nicht durchgefahren ist, hat das Motorrad idealerweise im Spätherbst ordentlich in den Winterschlaf verabschiedet: Alles schön geputzt, Öl und Bremsflüssigkeit gewechselt, Batterie ausgebaut und immer mal wieder auf Erhaltung ans Ladegerät gehängt, Bremsen und Reifen in den Idealzustand gebracht. Sauber und natürlich völlig rostfrei hat das Motorrad den Winter in einer trockenen, gut belüfteten Umgebung verbracht.

Theoretisch müssten man nun nur die Batterie wieder einsetzen, den Startknopf drücken, und es geht los. In der Praxis kann man im Frühjahr jedoch in der Regel mit Startschwierigkeiten und anderen Lästigkeiten rechnen. Umso wichtiger ist eine gründliche Durchsicht vor der ersten Ausfahrt - damit zum Beispiel die schlecht justierte und gar nicht geschmierte Kette nicht erst nach 50 Kilometern unangenehm auffällt.

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Reinigen

Bei einer ausgiebigen Fahrzeugwäsche kann man in aller Ruhe den Winterstaub entfernen und gleichzeitig die Maschine auf Mängel überprüfen. Tritt irgendwo Flüssigkeit aus, ist eine Schraube locker? Sind Hand- und Fußhebel leichtgängig und richtig eingestellt? Bei Bedarf einstellen und schmieren (z. B. mit dem Sprühöl WD-40).

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Motoröl

Wer beim Einmotten auf den Ölwechsel verzichtet hat, sollte sich jetzt darum kümmern und auch den Filter gleich mitwechseln. Angaben zu benötigter Öl-Viskosität und Füllmenge finden Sie im Handbuch. Auch während der Saison am besten bei jedem Tanken den Ölstand kontrollieren - immer noch besser, als einen Motorschaden wegen Ölmangel zu riskieren.

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Bremsen

Vor der ersten Fahrt unbedingt die Funktion der Stopper überprüfen. Für die Kontrolle reicht es, wenn Sie Ihr Motorrad langsam schieben. Prüfen Sie, ob die Bremsen auf den Zug am Hebel und den Tritt aufs Pedal zügig reagieren. Öffnet die Bremse danach wieder, oder sitzen die Kolben fest und gehen nicht wieder zurück?

Erkennbar ist dies an einem erhöhten Widerstand beim Schieben. Sie sollten außerdem untersuchen, ob die Bremsbeläge noch ausreichend stark sind. Bremsstaub an Zange und Scheibe lässt sich mit Bremsenreiniger beseitigen. Kontrollieren Sie auch die Bremsleitungen. Weder an diesen noch an den Verbindungen zu Bremszylinder oder Zangen dürfen poröse Stellen oder Undichtigkeiten sichtbar sein. Sehen Sie im Ausgleichsbehälter nur noch schwarz? Dann wird es höchste Zeit, die Bremsflüssigkeit zu wechseln.

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Reifen

Liegt das Restprofil unter 1,6 Millimetern oder zeigen sich Risse in der Karkasse, sind dringend neue Reifen fällig. Neues Gummi brauchen Sie auch, wenn während der Fahrt plötzlich ungewohnte Vibrationen oder sogar Lenkerschlagen auftreten. Ursache ist meist ein Standplatten auf der Lauffläche. Wer bereits beim Einmotten die Reifen mit 0,5 bis 1 bar über dem empfohlenen Fülldruck beaufschlagt hat, hat diese Gefahr immerhin verringert.

Auch wenn die Lauffläche noch genug Profil hat, sollten Sie unbedingt den Reifenfülldruck vor der ersten Fahrt prüfen und bei Bedarf korrigieren, denn bei langer Standzeit vor allem bei wechselnden Temperaturen verringert sich meist der Luftdruck.

Die Reinigung der Reifen ist außerdem wichtig, um einen gefährlichen Schmierfilm aus Staub bei der ersten Ausfahrt zu verhindern.

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Elektrik

Kein Start ohne Anlasserstrom, kein Motorlauf ohne Zündfunken. Hat die Batterie nicht ohnehin am Ladegerät überwintert, muss sie für ausreichend Startstrom spätestens jetzt über Nacht geladen werden. Bei nicht wartungsfreien Batterien kontrollieren Sie danach am besten auch gleich den Flüssigkeitsstand.

Beim Anschließen der Batterie kommt zuerst das rote Kabel an den Pluspol, dann das schwarze an den Minuspol, um Funkenschlag/Lichtbögen zu vermeiden. Überprüfen Sie vor der ersten Fahrt auch die Fahrzeugbeleuchtung, dazu gehören Blinker, Abblend-, Fern-, Stand- und Bremslicht. Zudem wichtig: Funktionieren sowohl Hupe als auch Killschalter einwandfrei?

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Bekleidung

Auch die Ausrüstung verlangt nach einem Grundcheck. Seien Sie ehrlich zu sich: Spannt die Lederkombi unangenehm, kriegen Sie den Nierengurt kaum noch umgelegt? Kein Grund, die Kleidung gleich abzuschreiben. Ein Schneider kann Ihnen bei Änderungswünschen meist helfen.

Nutzen Sie diese Gelegenheit doch gleich, um auch sicherheitstechnisch aufzurüsten. Ersetzen Sie Schaumstoff-Dummys durch CE-geprüfte Nachrüstprotektoren. Ist die Lederkombi nicht mehr richtig geschmeidig, hilft eine dünne Schicht Lederfett. Prüfen Sie bei der Textilkombi, ob sie noch wasserdicht ist und imprägnieren Sie sie, wenn nötig. Falls sich Nähte an den Handschuhen lösen: keine Experimente. Am besten Ersatz beschaffen, ordentliche Reparaturen sind auch kaum billiger.

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Stiefel strahlen nach einer Behandlung mit Spülwasser und weichem Schwamm, gegebenenfalls danach auch mit Lederfett wieder frisch.

Auch der Helm braucht Aufmerksamkeit. Lässt sich das Visier ohne Probleme öffnen und schließen? Ist das Futter in Ordnung und sauber? Also entweder herausnehmen und in handwarmem Wasser mit Feinwaschmittel durchwaschen (Vorsicht: das Trocknen kann mehr als einen Tag dauern), oder im Helm mit Polsterreiniger arbeiten. Spätestens, wenn Sie die Schweiß- und Schmutzreste der letzten Saison im Waschwasser oder im Lappen sehen, ahnen Sie, wie nötig das war. Und Sie werden spätestens beim nächsten Helm auf herausnehmbare Polster achten.

Machen Sie das Visier vor der ersten Fahrt in jedem Fall staub- und schmutzfrei und schmieren Sie die Visiermechnik mit einem kleinen Tropfen Silikonpaste. Wenn Sie noch kein beschlagfreies Pinlock-Visier haben, wäre das eine gute Investition. Sie werden nie wieder ohne fahren wollen.

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Fahrwerk

Gabel und Federbein[e] überprüfen Sie zunächst auf Undichtigkeiten, dann auf die Funktion. Kontrollieren Sie die Grundeinstellung der Federbasis und stellen Sie Leichtgängigkeit von Lenkkopf-, Rad- und Schwingenlager sicher.

Um das Lenkkopflager zu prüfen, nimmt eine zweite Person auf dem Soziusplatz der Maschine Platz. Nun die Gabelholme in gerader Stellung in Fahrtrichtung vor und zurück bewegen. Es darf kein Spiel erkennbar sein.

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Kette

Spätestens am Abend vor der vor der ersten Ausfahrt reinigen, justieren und fetten Sie die Kette und überprüfen dabei gleich den Verschleiß überprüfen: Lässt sie sich vom Kettenrad abheben, sind an Ritzel und Kettenrad sogenannte Haifischzähne zu sehen? Dann muss die Kette ausgetauscht werden.

Den Kettendurchhang kontrolliert man am besten zu zweit: Einer sitzt im Sattel und federt das Fahrzeug ein. Dann muss das untere Kettentrum immer noch genug Durchhang haben und darf nicht spannen, sonst werden Ritzel und Getriebeausgangswelle unnötig belastet.

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