Ratgeber: Gewinde sichern Schrauben, Muttern, Gewinde - richtig sichern

In vielen Fällen genügt es nicht, eine Schraube oder Mutter nur mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festzuziehen. Um wirklich auszuschließen, dass sie sich während der Fahrt lösen, sind Extra-Sicherungen notwendig. Wir zeigen die gängigsten Methoden.

Foto: Schermer

Viele Schraubverbindungen an Motorrädern brauchen zusätzliche Sicherungen gegen unbeabsichtigtes Öffnen: Permanente Motorvibrationen können so fein sein, dass sich Schraubverbindungen auf Dauer wie von allein lösen und die Bauteile dann abfallen. Aber auch während des Fahrens entstehen Vibrationen und Rüttelbelastungen, durch die sich einst fest angezogene Schraubverbindungen gefährlich lockern können.

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Schrauben und Muttern, die serienmässig gesichert sind - ihre Gewindesicherung also konstruktiv bedingt ist -, und einer zusätzlich oder nachträglich angebrachten Sicherung von Schrauben und Muttern.

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B Splint

A Flüssige Schraubensicherung
Eine nahezu unsichtbare Gewindesicherung ist das Verkleben der Gewindebauteile mit flüssiger Schraubensicherung: z.B. mit Loctite "mittelfest" hält nahezu jede Schraubverbindung zuverlässig zusammen. Bei extrem belasteten Schraubverbindungen, z.B. den Befestigungsschrauben der hinteren Bremsscheibe, ist Loctite "hochfest" vorgeschrieben.

  • Bei Schrauben einen Tropfen Loctite auf das Gewinde geben.
  • Bei Muttern einen Tropfen Loctite in das Gewinde geben.

Sicherungen mit Splint sind eigentlich out - bis auf Kawasaki verwendet diese niemand mehr. Aber anscheinend gehört die mit einem Splint gesicherte Hinterachsmutter zur Technik-Philosophie von Kawasaki, sonst fände man sie nicht an nahezu jeder Kawa in jeder Leistungs- und Preislage. Die Sicherung per Splint hat vor allem einen optischen Vorteil: Man sieht auf den ersten Blick, ob die Mutter festgezogen ist. Fehlt der Splint, hat man in der Werkstatt wahrscheinlich auch das Festziehen vergessen. Weil der normale Biegesplint schon nach dem ersten Ausbau aussieht wie ein getretener Wurm, sollte man ihn entsorgen und einen Dauersplint einbauen.

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C Sicherungsscheiben

Konstruktiv vorgesehen sind z. B. eine Sicherung der Befestigungsschraube (Mutter), mit der das Kettenritzel auf der Getriebeabtriebswelle festgeschraubt ist, bei der großen Zentralmutter des Kupplungskorbs oder den Schrauben des hinteren Kettenblatts: Im Prinzip wird nach dem drehmomentgenauen Festziehen der Schraube (Mutter) der überstehende Teil der Blech-Sicherungsscheibe gegen eine oder zwei Fläche(n) der Schraube (Mutter) hochgebogen und dicht angelegt, wozu man am besten eine große Zange benutzt.

Wenn eine solche Schraubverbindung geöffnet werden soll, muss man als erstes den hochgebogenen Blechlappen mit einem Meißel von der Anlagefläche trennen. Ein solches Sicherungsblech soll bei jeder Montage erneuert werden. Nur wenn man es äußerst sorgsam aufbiegt und es dabei nicht einreißt oder gar bricht, kann man es vor der erneuten Montage mit einem kleinen Hammer flach klopfen und ein weiteres Mal verwenden.

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D Stopp- oder Klemmmuttern

Stoppmuttern sind sehr elegante Sicherungsbauteile, auch "selbstsichernde Muttern" genannt. Auf einer Seite der Mutter ist ein Kunststoffring oder mehrere Metallsegmente eingesetzt. Beim Festziehen verformt sich der Kunststoffring bzw. verklemmen sich die Metallsegmente gegen das Schraubengewinde. Eine Stoppmutter mit Kunststoffring soll höchstens zweimal, eine mit Metallsegmenten kann beliebig oft verwendet werden.

Eine Klemmmutter erkennt man an ihrem zirka ein Drittel tiefen Schlitz. Tipp zum Selbermachen: Mit einer guten Metallsäge Schlitz in Mutter einsägen und im Schraubstock etwas zusammenquetschen.

Bei Kupplungen ist manchmal eine Mutter eingebaut, deren Rand nach dem Festziehen mit einem Körner vorsichtig in eine Nut der Welle eingeschlagen wird. Vor dem Lösen einer solchen Mutter muss die Verformung des Bunds mit einem kleinen Meißel von innen nach außen entsichert werden.

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E Scheibe oder Sprengring

Immer wieder gerne falsch gemacht wird die Montage von Unterlegscheiben. Dazu ein paar Basisinformationen: Eine normale Unterlegscheibe ist eingebaut, wenn sich der vom Schraubenkopf (Mutter) ausgehende Flächendruck besser auf das Werkstück verteilen soll. Heute sind Schrauben oder Muttern weit verbreitet, an denen Scheiben bereits fest angebracht sind.

Scheiben können auch mit Zacken bestückt sein, man nennt sie "Zahnscheiben". Diese Zacken graben sich beim Festziehen der Schraube ganz leicht in die Oberfläche des Werkstücks ein und verhindern bis zu einem gewissen Grad das (unbeabsichtigte) Lösen. Wie bei den Scheiben können auch Zahnscheiben bereits in die Schrauben oder Muttern integriert sein. Weil sich die Zacken beim Festziehen verformen, sollen solche Schrauben (Muttern) nur ein-, höchstens zweimal verwendet werden.

"Sprengringe" sind wellenförmige Scheiben, deren Enden offen sind und einen Zacken auf jeder Seite haben. Beim Festziehen und Lösen verletzen sie die Oberflächen von Schraube (Mutter) und Werkstück erheblich, weswegen sie heute kaum mehr verbaut werden. Obendrein ist auch noch die Norm für Federscheiben dieser Bauart abgelaufen. Bastler verwenden sie aber immer noch gerne, etwa beim Anbau eines Gepäckträgers, Motorschutzbügels oder Verkleidungshalters. Bei empfindlichen Oberflächen (Aluminium oder Kunststoff) sollte man den Sprengring mit einer zusätzlichen Unterlegscheibe verbauen.

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F Sicherungsdraht

Manche Schrauben und Muttern können nicht mit Loctite gesichert werden, weil entweder eine Klebesicherung nicht möglich ist (z. B. bei der Ölablassschraube) oder das Lösen durch die Verklebung über Gebühr erschwert wird (Radachsmutter). Trotzdem sollten diese Schraubverbindungen wie weitere (Auspuffmuttern, Kontermutter des Schwingenlagerbolzens, Hohlschrauben von Ölleitungen) gesichert werden.

Bei einer Drahtsicherung ist Folgendes zu beachten:

  • Die Sicherung muss immer unter Zug in Festdrehrichtung erfolgen.
  • Als Sicherungsdraht nur hochwertigen Stahldraht verwenden (Ø 0,8 mm) und keinen weichen Blumenbindedraht, denn der vibriert durch!
  • Bei einer Sicherung von Schraube/Mutter zum Rahmen hin nur weichen (ausgeglühten) Kupferdraht verwenden (Ø 1 mm). Wenn an solchen Stellen harter Stahldraht verwendet wird, scheuert dieser zuerst den Lack durch und arbeitet sich danach in die Oberfläche des Rahmenrohres ein, wodurch sich eine Sollbruchstelle bildet, an der der Rahmen dann irgendwann reißen kann.

Zwischen den zu sichernden Bauteilen wird der Sicherungsdraht verzwirbelt. Dafür gibt es so genannte "Sicherungsdraht-Zangen". Wer schon einmal einen Profimechaniker mit einer solchen Zange hat fachgerecht umgehen sehen, der weiß, was "Ästhetik der Arbeit" bedeuten kann: Der Anblick eines exakt verdrillten Sicherungsdrahts mit sauber umgekanteten Enden hat einen ganz speziellen Reiz - und beweist, dass der Mechaniker kompetent ist.

Farbmarkierung

Eine einfache Form der optischen Schraubensicherung ist die Farbmarkierung, bei der jede Schraube (Mutter), die mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festgezogen wurde, mit einer Farbmarkierung gezeichnet wird. Diese Farbmarkierung ist auch eine Art "letzte Kontrolle", wenn man sich sicher ist, dass diese Schraube festgezogen ist. Sollte sich eine so gekennzeichnete Schraubverbindung wider Erwarten öffnen, sieht man das an den zueinander verdrehten Farbstrichen.

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