Schraubertipp - Vorbereitungen für die Urlaubstour mit dem Motorrad

Tipps für die Motorradreise

Eine Tour, ob groß oder klein, gehört zur Krönung des Motorradfahrens. Unvorbereitet sollte man allerdings nicht starten. Besser ist es, sich rechtzeitig vor der Abfahrt mit dem Zustand der Maschine zu befassen. Auch Beladung und Ausrüstung müssen stimmen. Tipps für die Motorradreise.

Am Anfang steht ein systematischer technischer Check der Maschine. In welchem Zustand sind Kette und Reifen? Je nach Beladung und gewählter Strecke werden Kupplung, Bremsen und Reifen natürlich unterschiedlich belastet. Eine große Alpentour mit Sozia und Campingausrüstung sorgt für eine ganz andere Beanspruchung als ein Wochenendausflug an die holländische Küste. Extrem kurvenreiche südfranzösische Landstraßen mit ihrem rauen Belag führen logischerweise zu einem wesentlich höheren Reifenverschleiß als normal. Am besten beginnt man schon rund zwei Monate vorher mit der Prüfung sowie dem Ersatz abgenutzter Teile und macht eine große Inspektion. So hat man dann auch ausreichend Zeit, um z. B. neue Bremsbeläge einzufahren oder Fehler zu korrigieren. Auch an spezielle Wartungsarbeiten wie den Wechsel des Telegabelöls sollte man denken. Im Zweifel ist es intelligenter, auf Nummer sicher zu gehen und eher einmal zu viel als gar nicht zu wechseln und später auf der Tour zu einem zeitraubenden und kostenintensiven Werkstattaufenthalt gezwungen zu sein. Die folgenden Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit: Batterie und Lichtmaschine werden auf die korrekten Spannungswerte geprüft. Kettenrad und Ritzel sollten keine Haifischzähne haben, die Kette darf nicht ungleichmäßig gelängt sein und sich bei korrekter Spannung nicht hinten vom Kettenrad abheben lassen. Bei den Bremsen prüft man nicht nur die Belagstärke, sondern auch die einwandfreie Funktion. 

Die Kolben dürfen nicht klemmen, und bei Schwimmsattelbremsen müssen die Gleitbolzen gängig sein. Je nach Bauart nimmt man dazu die Bremszange ab, um zu prüfen, ob alle Kolben richtig arbeiten und die Beläge gleichmäßig abgenutzt sind. Mehr als zwei Jahre alte Bremsflüssigkeit unbedingt erneuern. Das Gleiche gilt auch für das Motoröl. Bei den Reifen nicht nur auf die Profiltiefe, sondern auch auf das Alter achten. Sind sie älter als fünf Jahre (DOT-Nummer!), ist ein Wechsel ratsam, auch wenn das Profil noch in Ordnung ist, damit der Kurvenspaß wegen mangelnder Haftung der Gummis nicht im Straßengraben endet. Ein Blick auf das Kerzenbild gibt zumindest einen ungefähren Aufschluss über die korrekte Einstellung des Motors. Sind die Kerzen aller Zylinder gleichmäßig rehbraun, sollte kein Grund zur Sorge bestehen. Ein besonderes Augenmerk richtet man auch auf die Kupplung. Ist die Betätigung leichtgängig und der Kupplungszug nicht schon angescheuert, vor allem aber: Trennt sie richtig, ohne durchzurutschen? 

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Beladung

Da die Beladung die Fahrwerksgeometrie stark beeinflussen kann, muss die Federung/Dämpfung der Maschine auf das zusätzliche Gewicht eingestellt werden. Dazu wird die Federbasis entsprechend verstellt (Positiv-/Negativfederweg beachten) und sofern möglich auch die Dämpfung in Zug- und Druckstufe angepasst. Unbedingt sollte man mit der entsprechenden Beladung (und eventuell Sozia/Sozius) eine ausgiebige Probefahrt unternehmen und falls nötig die Einstellung der Federelemente korrigieren. Nicht vergessen zu prüfen, ob sich die Kettenspannung bei Beladung verändert (das macht sie nämlich sehr oft) und eventuell neu eingestellt werden muss. Häufig zeigt sich aber erst im Laufe der Reise, ob das gewählte Fahrwerks-Setup auch wirklich passt. Der Hakenschlüssel/Einstell-Werkzeug sollte deshalb griffbereit im Tankrucksack liegen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Beladung ist die richtige Verteilung des Gepäcks auf dem Motorrad. Wenn die Maschine zum Packesel wird, ändert sich die Schwerpunktlage und damit auch das Fahrverhalten zum Teil dramatisch. Es gilt folgende Regel: Je schwerer ein Gegenstand ist, desto weiter gehört er nach ­unten bzw. je näher sollte er der Fahrzeugmitte sein. Auf keinen Fall darf man besonders schwere Sachen nur hinten in die Koffer und noch schlimmer ins Topcase laden und damit das Vorderrad entlasten. Ein Tankrucksack ist daher nicht nur extrem praktisch, er sorgt auch für die wünschenswerte gleichmäßigere Verteilung. Bei Solofahrten kann man einen Teil des schweren Gepäcks auf dem Rücksitz befestigen, zu zweit muss das Gepäck natürlich weiter nach hinten. Unbedingt aber das (häufig erstaunlich niedrige) zulässige Gesamtgewicht beachten!

Gepäcktransport

Im Zubehör gibt es viele Angebote für den Gepäcktransport, für die man ein kleines Vermögen ausgeben kann, aber keineswegs muss. Niemand braucht wirklich eine Adventure-Vollausstattung mit riesigen Aluboxen, um eine Woche Motorradurlaub im Allgäu zu machen. 

Feste Systeme

Von Hepco und Becker bis Touratech tummeln sich zahlreiche Anbieter auf dem Markt. Wer öfter und/oder länger unterwegs ist, montiert am besten einen soliden Gepäckträger und Seitenkoffer. Der Anbau ist kein Hexenwerk, allerdings müssen manchmal die Blinker verlegt werden. Der H&B-Träger meiner NTV hat sogar einen pfiffigen ausklappbaren Griff, mit dem man die voll beladene Fuhre auch vernünftig aufbocken kann. Die passenden Seitenkoffer sind stabil und praktisch, und das Ganze ist auch nach fast 200 000 km in funktionsfähigem Zustand. Seitenkoffer sollten aber nicht zu breit bauen und falls sie stark beansprucht werden, möglichst nicht lackiert sein. Auf einer echten (Camping-)Tour leidet die Ausrüstung nämlich immer ein bisschen. Ein großes Topcase finde ich zwar optisch scheußlich, aber ungemein praktisch, weil man es unterwegs problemlos be- und entladen kann (z. B. beim Einkaufen), ohne dass die Ladung wie bei den Seitenkoffern rausfällt. Ich lasse deshalb auch immer ein bisschen Platz darin frei. Ein Tankrucksack nimmt nicht nur wie oben schon erwähnt schwere Ausrüstungsgegenstände wie Werkzeug etc. auf, sondern hat auch ein Kartenfach. Damit hat man Straßenkarte oder Roadbook perfekt im Blick. Ist der Tankrucksack prall gefüllt, muss er vernünftig befestigt sein, egal ob per Spannriemen, Magneten oder Schnellverschluss-System (z. B. Quick-Lock von SW-Motech). Möglichst darauf achten, dass er nicht den Blick auf Tacho und Kontrolllampen verstellt. Wer ein fest installiertes Navi benutzt, sollte es entsprechend montieren. 

Mobile Systeme

Die einfachste Variante sind die klassischen Gepäckrollen, die mit Spann- oder Zurrgurten befestigt werden können, bzw. Satteltaschen, die über die Sitzbank gelegt werden. Bei diesen Systemen benötigt man, solang man solo fährt, nicht einmal einen Gepäckträger. Sie verändern das Aussehen der Maschine nur wenig und sind außerdem verhältnismäßig preisgünstig. Allerdings ist die Befestigung mit den mitgelieferten Gurten manchmal schon abenteuerlich. Selbstverständlich muss das Ganze nicht nur bei flotter Autobahnfahrt, sondern auch in Kurven stabil sein. Lockeres Gepäck kann im Extremfall zu üblen Stürzen führen. Bei der Montage greife ich deshalb immer zu stabilen Zurrgurten, die ich mit Überlegung am Rahmen/Stoßdämpferauge etc. befestige. Fest verzurrt wackelt dann nichts mehr, dennoch überprüfe ich routinemäßig bei jedem Stopp die Spannung der Gurte. Durch den festen Druck der Softbacks/Zurrgurte an den Auflageflächen und unvermeidliches Scheuern kann allerdings die Lackierung erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Abhilfe schaffen spezielle Lackschutzfolien (Polo/Louis ca. 20 Euro), deren faltenfreies Anbringen aber ein bisschen Fingerspitzengefühl erfordert. Einmal aufgebracht, schützen sie den Lack perfekt, halten gut zwei Jahre und können jederzeit einfach wieder abgezogen werden. Für meine im Retro-Stil umgebaute Sevenfifty habe ich die neuen, optisch sehr schönen QBags von Polo (Paar ca. 100 Euro) gewählt, die richtig gut zum Motorrad passen. Bei Bedarf montiere ich in fünf Minuten mit nur vier Schrauben zusätzlich einen Mini-­Gepäckträger (max. Beladung fünf Kilogramm!). Das reicht dank moderner leichter Materialien für eine Gepäckrolle mit Mini-Zelt, Schlafsack und Isomatte. Egal, für welches System man sich entscheidet, richtig wasserdicht sind Koffer/Gepäcktaschen vor allem nach längerem Gebrauch meist nicht. Das Gepäck des-halb unbedingt zusätzlich einpacken. Gut geeignet dafür sind Kompressionssäcke, in denen man obendrein die Urlaubskleidung sehr platzsparend verstauen kann. 


Werkzeug/Pannenhilfe und Co.

Die Zusammenstellung des Werkzeugs ist individuell und sollte sich an den Schrauberfähigkeiten, am Reiseziel und an der Reisedauer orientieren. Für die Afrika-Durchquerung nimmt man logischerweise mehr mit als für den Wochenend-Trip. Meist geht eh das Teil kaputt, für das man keinen Ersatz dabeihat. Für mich unverzichtbar: minimale Werkzeugausstattung zusätzlich zum oft untauglichen Bordwerkzeug, passende Stecknüsse vor allem für die Steckachsen (Radausbau/Kettenspannen), ein Reifenreparaturset/Reifenmilch, eine Ersatz-Zündkerze im Plastik-­Safe, ein Kästchen mit Kleinteilen wie Schrauben, Muttern, Draht, eine Tube Flüssigdichtung, ein Stück Benzinschlauch, ein Reparaturset für Züge, Kabelbinder und Panzerband sowie eine Taschenlampe. Klingt erst einmal viel, geht aber alles in ­eine kleine Tasche. Eine auslaufsichere ­Metallflasche mit Motoröl (0,5 l) leistet ebenfalls gute Dienste. Falls der Öleinfüllstutzen schwer zugänglich ist, gibt es praktische faltbare Einfüllhilfen z. B. von Louis. Fahrer von Motorrädern mit Kette müssen natürlich zusätzlich an Kettenspray denken. Wer eine Kette, aber keinen Hauptständer hat und nicht von kräftigen Freunden begleitet wird, die das Motorrad über den Seitenständer kippen können, erwirbt am besten einen Liftstick, der das Kettenschmieren unterwegs wesentlich erleichtert. In den 21 Jahren, die ich als Tourguide gearbeitet habe, habe ich bei Pannen vor allem eins gelernt: improvisieren, improvisieren, improvisieren! Da ich am meisten mit Problemen an Batterie und Elektrik zu tun hatte, gehören für mich ein Starthilfe-Kabel für Motorräder oder ein Akkubooster sowie ein Spannungsprüfer bzw. ein eingebauter Batterie-Guard zur Grundausstattung. Als Diebstahlsicherung reicht meist ein gutes Bremsscheibenschloss. ­Zusätzlich habe ich auch immer ein Spiralschloss dabei, damit kann ich den Helm bei Pausen am Rahmen sicher anschließen und muss ihn nicht immer mitschleppen. Praktisch finde ich eine Unterlage für den Seitenständer (am besten aus Metall). Sie verhindert, dass der Ständer auf weichem Untergrund einsackt und das Moped umkippt. Schließlich sollte man Warnweste und Verbandkasten (je nach Land und Vorschriften) nicht vergessen.

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