Kurvenfahren, Teil 3: Spezialitäten und kritische Situationen Schwierige Kurven mit dem Motorrad richtig fahren

Ob durch ihren Verlauf oder die Topografie, in welche sie eingebettet sind - manche Kurven scheinen geradezu darauf angelegt zu sein, Motorradfahrer in Schwierigkeiten zu bringen. Was kann man tun, um sie sicher zu umrunden?

Foto: Archiv

Von oben betrachtet, ist mit den Kurven auf dem Aufmacherfoto alles klar. Ein weit gezogener Linksbogen knickt zum Ausgang hin plötzlich ab. Dank freier Sicht ist dieser nicht ganz unproblematische Verlauf aber gut zu erkennen - scheinbar keine Gefahr.

 

Für den Motorradfahrer, der sich dem Knick nähert, sieht das ganz anders aus. Er wird in der Annäherung genau in die Sonne blicken und deshalb die Feinheiten der Linienführung sowie den vom außen gelegenen Parkplatz auf die Straße geschleppten Schotter vielleicht nicht genau erkennen. Gründe genug, sich dem abknickenden Teil des Linksbogens langsam zu nähern, um die Lage erfassen zu können. Dann möglichst weit rechts außen, aber nicht auf dem Schotter am Straßenrand anfahren und den Knick etwa auf Höhe des rechten Leitpfostens mit einer energischen Wendung des Blicks nach links ansteuern.

 

Eine hohe Flexibilität der Blickführung und Fahrtechnik ist in schwierigen Situationen das wichtigste Mittel für sichere und lustvolle Kurvenfahrt. So lässt sich die von vielen ungeliebte Übung „Rechtskehre bergauf“ oft schon im Ansatz entschärfen, wenn der Fahrer die Beweglichkeit und mentale Kapazität besitzt, in der Anfahr- und Bremsphase nach rechts oben zu schauen, um eventuellen Gegenverkehr frühzeitig zu erkennen. Wenn er sicher ist, dass es gerade keinen gibt, aber bitte nur dann, kann er vor der Kehre weiter nach links ausholen und so den Radius zugunsten einer flüssigen Kurvenfahrt vergrößern. Ist die Lage in steileren Rampen und wegen hoher Stützmauern nicht genau zu erkennen oder kommt doch jemand entgegen, bleibt wenigstens die eigene Fahrbahnhälfte, um die im Scheitelpunkt von Kehren meist stark ausgeprägte Stufe außen zu umfahren.

Häufig wird der Radius in Rechtskehren so eng, dass Motorradfahrer im ersten Gang die Kupplung schleifen lassen müssen, um im langsamsten und steilsten Teil der Kehre den Motor nicht abzuwürgen. Spätestens dann ist neben Fingerfertigkeit eine andere Kurventechnik gefragt, mit der man aus der Notwendigkeit sogar eine Tugend machen kann: auf einer nur leicht gekrümmten Linie einen günstig gelegenen „Umkehrpunkt“ in der Kurvenmitte anbremsen, dort auf engstem Radius langsam und mit schleifender Kupplung das Motorrad zum Kurvenausgang hin ausrichten und dann wieder auf einer nur leicht gekrümmten Linie hinausbeschleunigen. Entscheidend ist auch dabei die Blickführung; der Fahrer sollte im Umkehrpunkt über seine kurven-innere Schulter hinweg den Ausgang anvisieren können. Weit vorne zu sitzen und die kurvenäußere Körperseite leicht nach vorn zu schieben verschafft mehr Bewegungsfreiheit und besseren Überblick.

 

Für den Fall, dass man sich in einer zuziehenden Kurve derartig verschätzt hat, dass die klassische Handlungsanweisung „legen, legen legen“ nicht mehr ums Eck hilft, ist diese Technik die Vorstufe für ein Notfallmanöver: Motorrad aufrichten, zusammenbremsen und mit Blick nach innen die Kurve langsam vollenden. Nicht sehr elegant, aber besser, als in Schönheit ein entgegenkommendes Auto zu rammen.

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