Service Preis-Check: japanische Supersportler Satte Rabatte auf japanische Motorräder

Schnäppchen-Alarm! Wer jetzt einen japanischen Sportler schießt, kann über 20 Prozent sparen. Und günstiges Zubehör gibt’s noch obendrauf.

Foto: Jahn

Würde die Yamaha YZF-R1 derzeit eine Kontaktanzeige auf einer Partnerbörse schalten, könnte diese wie folgt lauten: „Umgängliche, liebevolle Ausdauersportlerin sucht dringend Genusspartner für langjährige und bodenständige Beziehung ohne Schnickschnack.“ Die aktuelle Rabattschlacht der japanischen Hersteller erinnert tatsächlich ein bisschen an die Torschlusspanik vereinsamter Mittvierziger. Yamaha drückt beispielsweise den Preis ihrer Traditionssportlerin R1 (Modelljahr 2010) um 3665 Euro - ein historischer Preisnachlass.

Doch trotz der hohen Preisnachlässe müssen die Händler um das Interesse ihrer Kunden kämpfen. „Wir versuchen, unsere Motorräder mit Kennzeichen-umbauten oder vergünstigtem Zubehör zusätzlich attraktiv zu machen“, erklärt Wolfgang Harbusch, langjähriger Honda-Händler aus Niedersachsen.

Aktuelle Rabatte Japaner

ModellPreisnachlass
Baujahr 2010
Preisnachlass
Baujahr 2011
Preisnachlass
Baujahr 2012
UVP
Baujahr 2012
Honda CBR 600 RR (ABS)--2040 Euro*13030 Euro
Honda Fireblade CBR 1000 RR (ABS)-2295 Euro*1295 Euro15285 Euro
Kawasaki ZX-6R-1200 Euro-12294 Euro
Kawasaki ZX-10R (ABS)-1382 Euro-16794 Euro
Suzuki GSX-R 600-600 Euro-12080 Euro
Suzuki GSX-R 10001000 Euro1000 Euro-14710 Euro
Yamaha YZF-6R---12525 Euro
Yamaha YZF-R13665 Euro*2025 Euro-15790 Euro

* Tageszulassung; Hinweis: alle Preise inklusive Überführungskosten

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Foto: Archiv

Noch vor wenigen Jahren gingen japanische Sportler weg wie warme Semmeln und erzielten stabile Preise. „Zwischen 2004 und 2006 verkauften wir rund 35 R1-Modelle pro Saison. 2012 sind es bisher nur zwei“, erzählt Dominik Klein, Yamaha-Händler aus dem Saarland. Kein Wunder, damals bildete die R1 gemeinsam mit ihren japanischen Kollegen Suzuki GSX-R 1000, Honda Fireblade und Kawasaki ZX-10R die Speerspitze in der Sportlerszene. Kein europäischer Hersteller konnte in Sachen Leistung, Handling und Preis mithalten. Damals kostete eine Ducati 999 deutlich mehr bei gleichzeitig weniger Leistung. Eine MV Agusta F4 1000 S Tamburini leistete zwar schon würdige 173 PS, sprengte aber ebenfalls das Bankkonto.

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Der Blick auf die Zulassungszahlen veranschaulicht die japanische Dominanz des vergangenen Jahrzehnts, zeigt aber auch den massiven Einbruch ab 2008. Von diesem Zeitpunkt an fielen die Entwicklungsschritte neuer Modelle kleiner aus als zuvor. Und es schien fast so, als wäre das Verlangen nach immer mehr Leistung gesättigt. Bis schließlich der bayerische Hersteller BMW vor zwei Jahren seinen ersten Supersportler präsentierte. Die S 1000 RR infizierte bereits im ersten Jahr in Deutschland über 2000 Fahrer und erzielte damit fast so viele Verkäufe wie alle japanischen Superbikes im selben Jahr zusammen. Die Erfolgsformel? Man nehme 200 PS und kontrolliere die Leistung durch elektronische Helfer. Seither entbrannte ein regelrechter Elektro-Hype, dem jetzt auch die neue Ducati Panigale 1199 folgt, ebenfalls sehr erfolgreich mit bereits über 600 Neuzulassungen in diesem Jahr. Aufgrund der hohen Nachfrage können Käufer hier allerdings kaum auf Preisnachlässe hoffen. „Die Panigale 1199 ist so begehrt, da müssen wir keine Rabatte geben, höchstens auf Zubehör“, erklärt Oliver Schopen, Ducati-Verkäufer aus Rheinland-Pfalz. Dementsprechend erzielen Ducati- und BMW-Händler aktuell deutlich höhere Gewinne als die Anbieter japanischer Modelle. „Wir müssen die R1 fast zum Einkaufspreis verkaufen, sonst stehen die wie Blei im Laden“, sagt Dominik Klein. Der Yamaha-Händler kennt natürlich die Gründe: „Unsere Modellpalette ist überaltert, es fehlen einfach attraktive Neuerscheinungen.“

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Wir wollen den technologischen Fortschritt nicht belächeln, aber offenbar haben wir vor lauter Gier nach Leistung und elektronischen Helfern vergessen, wie großartig japanische Motorräder sind. Jahrzehntelange Entwicklungarbeit formten sie zu ausgewogenen Sportlern, die in nahezu allen Drehzahl- und Geschwindigkeitsbereichen Freude bereiten - und das bei gleichzeitig hoher Zuverlässigkeit. Das beweist der Blick auf die 50 000-km-Dauertest-Bestenliste unseres Schwesterblatts MOTORRAD: Hier liegen die japanischen Sportler in Sachen Zuverlässigkeit und Standfestigkeit deutlich vor den europäischen Bikes. Die Ducati 1098 verbuchte sogar zwölf unplanmäßige Werkstattbesuche sowie drei Ausfälle. Auch die BMW S 1000 RR musste häufiger in die Werkstatt als die japanische Konkurrenz.

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Wer ganz neugierig ist, sucht im Internet nach „Motorschäden BMW S 1000 RR“. In der heutigen Zeit dokumentieren Besitzer solche Erlebnisse gerne mit aussagekräftigem Bildmaterial. Wer nach demselben Phänomen bei japanischen Sportlern sucht, braucht eventuell etwas länger, bis er fündig wird. Aktuell ist das für die meisten noch uninteressant, aber die Garantiezeit läuft in der Regel nach zwei Jahren ab, und die Kulanz der Hersteller währt nicht ewig.

Wir sollten die japanischen Sportler also nicht abschreiben. Und wer weiß, vielleicht überrascht uns Yamaha 2014 mit einer brandneuen R1, die wie 1998 wieder alle Rekorde bricht. Bis dahin freuen wir uns über die hohen Rabattsätze und bleiben bei den Preisverhandlungen fair. Schließlich lassen wir uns von der hübschen Blonden aus der Kontaktbörse auch nicht das Essen bezahlen - jedenfalls nicht, wenn wir sie wirklich abschleppen wollen.

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