So geht's:Reifendruck Der richtige Reifenfülldruck

Die enorme Zuverlässigkeit moderner Motorräder verführt viele Motorradfahrer zur Nachlässigkeit bei Routineprüfungen. Beim Reifenfülldruck wird am häufigsten geschlampt.

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Das günstigste Tuning kostet gar nichts. Höchstens etwas Zeit. Mangelnde Lenkpräzision, mieses Handling, schwerfälliges Einlenken und Aufschaukeln in Kurven müssen ihre Ursachen nicht in schwerwiegenden Fahrwerksmängeln haben. Oft liegt’s ganz einfach am zu niedrigen Reifenfülldruck. Im Extremfall kann der sogar zum Sturz führen. Nämlich dann, wenn der Reifen zu stark walkt, sich der Reifenunterbau durch innere Reibung enorm erhitzt und sich die aufvulkanisierte Lauffläche ablöst. Die Maschine schlingert und legt sich schlimmstenfalls ab. Damit das nicht passieren kann, ist vor jeder längeren Tour, spätestens nach 1000 Kilometern Reifenkontrolle angesagt. Bei der Gelegenheit bitte auch nach der Profiltiefe schauen. Der Gesetzgeber schreibt mindestens 1,6 Millimeter rundum vor.

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Technik

Ein Ventil im Querschnitt (lange Version): Undichtigkeiten können am Sitz in der Felge, an der Dichtung des Schraubeinsatzes oder am Ventilsitz selbst auftreten. Die Kappe ist als zusätzliche Sicherung wichtig.

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Kaufberatung

Luftdruckprüfer, Standard
Diverse Anbieter, z. B. Baumärkte
Preis: ab zirka 2,50 Euro
Messung: ausreichend genau
(maximale Abweichung 0,15 bar), leichte Schwankungen bei wiederholten Messungen, wenig stabile Kunststoffausführung
Noch empfehlenswert

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Luftdruckprüfer, chromfarben
Louis, Telefon 0 40/73 41 93 60
Preis: 1,95 Euro
Messung: ungenau
(maximale Abweichung 0,3 bar),
sehr leicht Fehlmessungen möglich, da Anzeige sich beim Abziehen verändert; Dichtung fällt leicht heraus
Nicht empfehlenswert

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Moto-Detail Dig. Luftdruckpr.
Louis, Telefon 0 40/73 41 93 60
Preis: 14,95 Euro
Messung: sehr genau
(keine Abweichung, Abstufung 1/10 bar), Handhabung im Prinzip gut, Messung aber manchmal schwierig, da das Gerät gerade ans Ventil angesetzt werden muss
Sehr empfehlenswert

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Flaig Luftdruckprüfer, Metall
Flaig, Telefon 0 77 25/76 83
Preis: ab 22,95 Euro
Messung: sehr genau
(maximale Abweichung ± 0,05 bar), stabil, sehr gute Handhabung, auch mit Ablassventil lieferbar. Gibt’s unter anderem bei Louis.
Sehr empfehlenswert

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Grundlagen

Ventilkörper können aus Gummi oder Metall bestehen. Die langen Ventile sind für schnelle Maschinen ungeeignet. Abgewinkelte Versionen verbessern die Zugänglichkeit besonders beim Vorderrad.

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In Schläuchen oder manchen langen Ventilen finden sich noch die langen Einsätze alter Bauart. Bei Straßenmaschinen sollten heute grundsätzlich die kurzen Einsätze verwendet werden, am besten mit harter Feder und rotem Dichtring.

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Am sichersten sind Metallkappen, eventuell mit Ausdreher für den Einsatz. Bei Kunststoffkappen auf die Dichtung achten. Keinesfalls empfehlenswert sind Kappen mit Druckkontrolle, da sie das Ventil öffnen und erst bei knapp über einem Bar warnen – das ist viel zu spät.

Tipps und Tricks für den Reifenfülldruck

Den vorgeschriebenen Reifenfülldruck beachten, die Werte finden sich in der Betriebsanleitung des Motorrads und in den Empfehlungen der Reifenhersteller. Falls eine Spannweite angegeben wird, immer den Maximalwert wählen. Das verschlechtert den Komfort nur minimal, senkt aber den Rollwiderstand und damit den Verbrauch. Reifenfülldruck regelmäßig kontrollieren, besonders vor langen Touren oder schnellen Autobahnfahrten. Druck immer am kalten Reifen messen, dafür ist der Wert angegeben. Bei warmen Reifen erhöht er sich um bis zu 0,5 bar. Bei großer Zuladung wird manchmal ein höherer Reifenfülldruck empfohlen. Daher für Urlaubsreisen oder längere Soziusfahrten Druck anpassen. Zur Sicherheit immer Kappen auf die Ventile schrauben, niemals ohne fahren. Am besten sind Stahlkappen, Kunststoffkappen mit Dichtringen taugen aber auch. Vorsicht vor Zierkappen, zum Beispiel verchromte Ornamentkappen für Chopper, die haben teilweise keine Dichtung. Beim Reifenwechsel immer das Ventil plus Einsatz tauschen und grundsätzlich eine neue Dichtkappe verwenden.

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