So geht's Erste Hilfe

Es kann passieren, dass man als Motorradfahrer Erste Hilfe leisten muss. Aber wer weiß wirklich, was in einem solchen Fall zu tun ist? 2Räder befragte die Rettungsprofis der DRF.

Foto: Schelhorn
Ortstermin Luftrettungszentrum der DRF (Deutsche Rettungsflugwacht e. V.) in Leonberg bei Stuttgart: Der beim hiesigen Krankenhaus stationierte Hubschrauber „Christoph 41“, eine drei Millionen Euro teure, 1500 PS starke und 250 km/h schnelle, fliegende Intensivstation, ist gerade von einem Einsatz zurück und wird sofort wieder frisch betankt. Bei Alarm muss der Heli innerhalb von maximal zwei Minuten in der Luft sein können. Dazwischen haben Notarzt Dr. Stefan Bosch, Rettungsassistent Georg Seyfried und Pilot Peter Stromm Zeit, von ihren Erfahrungen bei Unfalleinsätzen zu berichten, mit medizinisch überholten Klischees aufzuräumen (einem verunglückten Motorradfahrer den Helm eben nicht grundsätzlich aufzulassen), die wichtigsten Erste-Hilfe-Handgriffe zu zeigen und als Praktiker ein paar Wünsche zu äußern: Zum Beispiel, dass jeder Motorradfahrer hin und wieder einen Erste-Hilfe-Auffrischungskurs besuchen sollte, auf dem Motorrad immer eine Rettungsdecke dabei haben und sich im Notfall immer zutrauen sollte, selbst helfen zu können. Rettungsassistent Seyfried: „So lange, bis wir da sind, einem Verletzten als seelischen Beistand einfach die Hand halten kann jeder. Und das hilft oft schon viel.“ Die DRF betreibt in Deutschland 20 Luftrettungszentren. Die Kosten einer Luftrettung tragen die deutschen Krankenkassen in den meisten Fällen nicht komplett. Den Rest zahlt die aus Fördergeldern und Spenden finanzierte DRF. Info: www.drf.de.
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Wie verhalte ich mich bei bewusstlosen Verletzten?

1. Körper äußerlich auf starke Blutungen absuchen. Blutung stillen durch Druckverband (Wenn kein Verband vorhanden, reicht im Notfall ein sauberes Stück Stoff. Keine Papiertaschentücher nehmen!).

2. Starke Blutungen mit einem Gürtel abbinden.

3. Helm abnehmen.

4. In stabile Seitenlage bringen (Bein abwinkeln, gleichseitigen Arm gerade über Kopf strecken, Körper auf die Seite des abgewinkelten Beins drehen, dabei Hals/Kopf stabilisieren, Kopf in den Nacken, Kinn auf Hand ablegen, Mund muss tiefster Punkt des Körpers sein).

5. Wärmeverlust vermeiden (Rettungsdecke!).
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Wie verhalte ich mich bei ansprechbaren Verletzen?

1. Mit Verletztem sprechen, gleichzeitig auf starke Blutungen untersuchen, diese sofort stillen. Fragen, wo der Verletzte Schmerzen hat, unbedingt auf seine Wünsche eingehen (nicht gegen den Willen des Verletzten agieren, nicht dessen Gliedmaßen bewegen, wenn es ihm Schmerzen bereitet).

2. Wenn möglich, Helm abnehmen, dabei Kopf und Nacken stabilisieren – am besten zu zweit.

3. Verletzten in stabile Seitenlage bringen, beim Auf-die-Seite-Drehen auf den Kopf achten.

4. Knochenbrüche stabilisieren.

5. Polster unterlegen.

6. Verletzten seelisch betreuen, ihn informieren, dass Hilfe unterwegs ist; spüren lassen, dass er nicht allein ist (etwa durch Handhalten).

7. Wärmeverlust vermeiden (Rettungsdecke!).

8. Wenn Unfallopfer ansprechbar, aber immer blasser wird und auf der Stirn Schweiß ausbricht, liegt vermutlich ein Schock vor. Schockstellung: Unfallopfer auf den Rücken legen, Beine hoch lagern (außer bei gebrochenen Beinen).
Foto: Schelhorn

Stabile Seitenlage, Helm runter, Beine hoch

Die stabile Seitenlage, so sieht sie aus. Wie sie erreicht wird, ist letztlich egal; Hauptsache, sie wird erreicht. Den Verletzten am besten zu zweit drehen: Einer hält und dreht den Kopf, der andere dem Körper.
Foto: Schelhorn
Helm immer abnehmen.
Foto: Schelhorn
Bei Schock: Beine hoch.

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