So geht's Fahrwerk richtig einstellen

Es wackelt, rüttelt und rührt? Bei vielen Motorrädern ist ein schlecht eingestelltes Fahrwerk das Problem. 2Räder gibt Tipps zum Optimieren.

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Einstellungen an der Front

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Einstellungen an der Front

Front/Analyse

Zu Hart?
Spricht die Gabel schlecht an, wirkt das Motorrad gerade auf schlechten Strecken unkomfortabel? Ursache kann ein zu hoher Ölstand in der Gabel sein. Die korrekte Füllmenge steht im Handbuch. Andernfalls sind die Gabelfedern zu hart und sollten gegen weichere getauscht werden.

Zu weich?
Taucht die Gabel beim Bremsen tief ein und geht bei harten Schlägen „auf Block“? Eventuell  ist der Ölstand in der Gabel zu niedrig oder das verwendete Gabelöl zu dünnflüssig. Weiterhin könnten die Gabelfedern zu weich sein, oder die Dämpferventile sind verschlissen.

Zu unruhig?
Federt die Gabel auf welligem oder holprigem Belag nicht schnell genug ein und aus? Oder schwingt das Motorrad mehrfach nach, wird bei Bodenwellen oder Schräglagenwechseln unruhig? Hier müssen, wenn möglich,Zug- und Druckstufendämpfung eingestellt werden.

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Front/Zubehör: Keine Stellschrauben an der Gabel vorhanden? Kein Problem. Denn über die Viskosität des Gabelöls lassen sich nicht-einstellbare Gabeln feintunen. Dickflüssige Öle (technisch: „Öle mit hoher Viskosität”) haben eine hohe Dämpfwirkung. Spricht die Gabel hart und unkomfortabel an? Dann hilft ein dünnflüssigeres Öl, also eines mit niedrigerer Viskosität. Beim Austausch ruhig ein hochwertiges Markenöl verwenden. Kosten: rund 15 Euro pro Liter. Zubehörshops bieten für viele Bikes Austauschfedern an. Mit etwa 100 Euro bleiben die Kosten dafür überschaubar.
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Front/Einstellung/Pflege: Ist die Federbasis korrekt eingestellt? Beim Aufsitzen sackt das Motorrad in die Federn (Negativfederweg). Belastet sollte dieser Weg ein Drittel des Gesamtfederwegs (Angabe in den technischen Daten) betragen. Wird das Motorrad zu zweit oder mit viel Gepäck bewegt, muss die Federbasis erhöht werden, damit genügend Einfederweg erhalten bleibt. Die Dämpfung des Einfederns (Druckstufe) und des Ausfederns (Zugstufe) lässt sich meist nur bei Sportbikes einstellen. Das Abstimmen durch das Eintauchen der Gabel bei gezogener Handbremse erfordert einige Übung. Eine gute Basis sind die Werte, die im Handbuch angegeben sind. Wie Motoröl verschleißt das zur Dämpfung notwendige Gabelöl. Ein regelmäßiger Wechsel (spätenstens alle 20 000 Kilometern) ist deshalb ratsam.
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Einstellungen am Heck

Heck/Analyse

Zu Hart?
Stöße werden ins Heck eingeleitet, das Hinterrad neigt zum Springen? Möglichkeit 1: die Druckstufendämpfung ist zu hoch und muss reduziert werden. Zum anderen könnte es auch an verdreckten, schlecht geschmierten Gelenken und Lagerstellen an Federbein und Hebelei liegen.

Zu weich?
Unter Zuladung (Sozius, Gepäck) lastet hinten mehr Gewicht als vorne. Kritisch wird es, wenn das Federbein beim Überfahren harter Absätze durchschlägt. Wenn Erhöhen der Federbasis oder Verstellung der Druckstufendämpfung nichts mehr bringen, muss eine härtere Feder her.

Zu unruhig?
Das Motorrad wird beim Durchfahren von Kurven und bei Bodenwellen unruhig? Häufigste Ursache ist ein zu schnell ausfederndes Heck. In solchen Fällen ist die Zugstufendämpfung zu weich eingestellt. Über eine Reduktion der Ausfedergeschwindigkeit lässt sich das Problem oft schnell beheben.
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Heck/zubehör: Viele Probleme lassen sich für wenig Geld beseitigen. Wie zum Beispiel Lagerstellen mit zu viel Spiel, die bei manchen Bikes bereits im Neuzustand zu finden sind. Hier hilft die Umrüstung auf Prä­zisionslager, die bereits für weniger als 200 Euro erhältlich sind (www.emilschwarz.de). Teurer wird es, wenn das Serienfederbein ausgetauscht werden muss. Die Investition von mindestens 400 Euro lohnt sich vor allem für diejenigen, die sich ein Fahrwerk mit feineren Einstellmöglichkeiten (Zug- und Druckstufendämpfung) wünschen oder über eine Tieferlegung mit speziell angepasstem Federbein nachdenken.
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Heck/Einstellung/Pflege: Analog zur Gabel muss auch am Heck die Federbasis korrekt eingestellt sein. Aber Vorsicht: Das ist meist nur mühselig mit einem speziellen Hakenschlüssel aus dem Bordwerkzeug zu erledigen. Zum Einstellen der Zugstufe sollte das Motorrad, wie oben zu sehen, am Heck kräftig in die Federn gedrückt werden. Federt das Bike ruckartig aus, oder schwingt es nach? Dann muss die Zugstufe erhöht werden. Kommt das Bike nur zäh wieder aus den Federn, muss die Zugstufenddämpfung verringert werden. Die Druckstufe ist ohne Routine schwer zu ertasten, hier empfiehlt sich ein Blick in die Herstellerangaben. Grundsätzlich sollten alle Lagerstellen stets gut geschmiert sein.

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