So geht's Motorradfahren bei Eis und Schnee

Hier gibt’s Fahrtipps, aber ausnahmsweise geht’s mal nicht um Schräglagen. Es geht darum, die nächsten Monate auf dem Motorrad heil und einigermaßen warm zu überleben.

Foto: Archiv
Keine Sorge, jetzt kommen keine Heldengeschichten der selbsternannten Ganzjahresfahrer. Sprüche wie „Ey Alter, erst wenn die Papageienkombi-Träger von der Straße sind, macht’s Fahren richtig Spaß“ sind ziemlicher Blödsinn. Sich durch Schneematsch, Nebel und Minusgrade zu quälen, macht außer ein paar Schmerzfreien kaum jemand freiwillig. Der sonnige, von trockener Kälte und freien Straßen geprägte Wintertag ist hierzulande die Riesenausnahme. Deshalb gibt 2Räder den Winter-Neulingen, die mit dem Motorrad zur Schule, Lehrstelle oder Arbeit müssen, ein paar handfeste Praxis-Tipps. Trainieren: Wer mit seiner Maschine bereits vor dem ersten Schneefall auf einer feuchten Wiese übt, bekommt recht ge­fahrlos ein Gefühl fürs durchdrehende Hinterrad, das ausbrechende Heck und ein blockierendes Vorderrad.

Mehr Zeit einplanen:
Klingt banal, aber wer früher aufsteht, hat mehr Ruhe, um zum Ziel zu kommen. Neben Schreckreaktionen ist Zeitdruck die häufigste Unfallursache. Thermometer beobachten: Wenn es richtig friert (unter –5 °C), ist es meist weniger gefährlich, weil berechenbarer, als zwischen +3 und –5 °C. Bei solchen Werten um den Gefrierpunkt sind besonders Brücken (Überfrierungen durch Windeinfluss) und Straßen in und an Waldstücken (Laub mit Eis drunter) mit besonderer Vorsicht zu genießen.

Fahrbahn lesen:
Spuren, in denen vorausfahrende Fahrzeugen Nässe hochschleudern, sind weniger glatt als feucht glänzender Belag, auf dem es keine Gischtwolke gibt. Bei Neuschnee nicht in Autospuren fahren, eine eigene Spur bietet mehr Grip.

Richtig bremsen:
Wenn’s auf Glätte haarig wird, mehr mit der Hinterradbremse arbeiten. Ein ausbrechendes Heck lässt sich einigermaßen leicht abfangen, ein blockierendes Vorderrad kaum. Die (unerwünschte) Wirkung der Motorbremse darf man auf Glätte nicht unterschätzen, daher sanfter als sonst einkuppeln.

Korrekt sitzen: Die Füße bleiben so lange wie irgend möglich auf den Rasten. Das oft gesehene Füßeln ist völlig verkehrt und macht das Motorrad instabil. Die Knie gehören fest an den Tank. Das schafft Gefühl für die Reaktionen der Maschine. Technik pflegen: Damit ist besonders die Elektrik gemeint. Die Batterie muss immer trocken und sauber sein, dann gibt’s auch keine Kriechströme, die dem E-Starter den Saft abdrehen können. Die Streuscheibe des Scheinwerfers sollte nach jeder (Streusalz-)Tour sauber gewischt werden. Der Schmierfilm kostet sonst mächtig viel Licht.

Maschine aufrüsten:
Handprotektoren (aus dem Endurobereich) schützen vorm Fahrtwind, Selbermacher experimentieren mit aufgeschnittenen Plastikflaschen und ein paar Schellen. Heizbare Griffe zum Nachrüsten gibt’s im Angebot ab 20 Euro (z. B. Detlev Louis), und Zylinderschutzbügel rechnen sich schon nach dem ersten Ausrutscher.

Zwiebelschalen-Prinzip beherzigen:
Leder und Nylon wärmen nicht. Was wärmt, ist immer die isolierende Luftschicht. Daher nicht eine dicke, sondern mehrere dünne Lagen übereinander anziehen. Baum-wolle auf der Haut transportiert die Feuchtigkeit nicht weg. Lieber Kunstfasern nehmen. Heißer Tipp: einen Faserpelz aus dem Seglerbedarf als Unteranzug kaufen. Den Helm nicht luftdicht verschließen. Für einen klaren Kopf braucht man frische Luft, erst recht im Winter.

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