So geht's Motorradfahren im Ausland

Vor einer Auslandstour sollte man sich gründlich über Verkehrsregeln und Besonderheiten in den Reise- und Zielländern informieren.

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Andere Länder, andere Sitten. Ganz massiv gilt dieser Spruch für unterschiedliche nationale Gepflogenheiten und rechtliche Besonderheiten im Straßenverkehr. Darum sollte man sich vor einer Tour ins Ausland, sei es eine wochenlange Motorradreise mit Kumpels, Sack und Pack, oder ein bloß ein Wochenendabstecher ins Nachbarland, genau über die örtlichen Gegebenheiten informieren. Generell gilt: Kaum ein anderes Land ahndet Verkehrsverstöße so mild wie die Bundesrepublik. Sprich: Wer anderswo beim Rasen erwischt wird, der muss möglicherweise finanziell richtig bluten (siehe Tabelle rechts). Einzelne Länder, darunter Frankreich, sehen für eklatante Tempoverstöße sogar Gefängnisstrafen vor. Außer in Österreich gilt bisher jedoch, dass nur derjenige Ausländer zahlen muss, der in flagranti bei einer Übertretung erwischt und gleich zur Kasse gebeten wird. Denn noch hat lediglich Österreich mit Deutschland ein sogenanntes Amtshilfeabkommen. Es sieht vor, dass die deutschen Behörden Verkehrsverstöße von Deutschen in Österreich, etwa bei Radarfotos, ahnden können und umgekehrt. Allerdings ist das Euro-Knöllchen bereits in Planung, das laut ADAC möglicherweise schon im Herbst 2007 eingeführt wird. Ein per Post nach Hause gesandter Strafzettel aus Italien oder Spanien ist dann genauso zu behandeln wie einer aus Dresden oder Düsseldorf. Man muss kein Raser oder Falschparker sein, um im Ausland gegen geltende Gesetze zu verstoßen, und sei’s bloß, weil man sie nicht kennt. So sind Motorradfahrer in Österreich zum Mitführern eines Erste-Hilfe-Sets verpflichtet, und die italienische Polizei kann einen Verstoß gegen die Helmpflicht oder das Tragen eines Helms ohne E-Prüfzeichen sogar mit Konfiszieren des Motorrads für bis zu 60 Tage ahnden. Die Pflicht, stets eine Warnweste für den Pannenfall dabei zu haben, gilt für Motorradfahrer in diesen beiden Ländern jedoch nicht. Anders als in Deutschland erlaubt das Verkehrsrecht in Österreich Motorradfahrern das Vorbeifahren an Autoschlangen vor Ampeln, Kreuzungen, Bahnübergängen etc. Voraussetzung ist nur ein ausreichender, aber nicht näher definierter Sicherheitsabstand und dass weder Sperrflächen noch durchgezogene Linien dabei überfahren werden.

Auch das Thema Versicherung kommt bei Auslandsreisen immer wieder auf. Zwar ist innerhalb der EU keine Grüne Versicherungskarte mehr nötig, dennoch empfehlen die großen Automobilclubs, die Karte zumindest im fremdsprachigen Ausland, auch innerhalb der EU, dabei zu haben.

Stichwort Automobilclubs: Man muss nicht unbedingt Mitglied sein, um deren Informationsangebot etwa im Internet nutzen zu können. Auf www.avd.de bietet der Automobilclub von Deutschland unter dem Stichwort „Verkehrsrecht/Vorschriften“ die wichtigsten Auslandsbestimmungen sortiert nach Ländern. Diese und weitere Länderinformationen gibt’s auch vom Auto Club Europa (www.ace-online.de). Der ADAC dagegen versorgt nur seine Mitglieder, bietet jedoch u. a. auch kostenlose Landkarten und sehr exakte Informationen über die aktuellen Maut- und/oder Autobahngebühren der einzelnen Länder (www.adac.de).
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An was sie bei der Reise denken sollten.

In Österreich Pflicht, auch sonst eine sinnvolle Ergänzung der Tourausrüstung: Alle großen Zubehöranbieter haben so ein Erste-Hilfe-Set für Biker im Programm.

Infos zu Maut und Vignetten gibt’s von den Automobilclubs, die Aufkleber selbst an Grenzen und Tanken.

Die Grüne Versicherungskarte dient bei einem Unfall im Ausland als Haftpflichtnachweis für alle nicht durchgestrichenen Länder. Sie gibt’s auf Wunsch kostenlos von der Versicherungsgesellschaft.
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Wer vergleicht, stellt fest, dass Verkehrssünden in Deutschland noch ziemlich billig sind. Bald sollen die deutschen Behörden Übertretungen im Ausland per EU-Knöllchen ahnden können.

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