So geht's Motorräder kaufen und verkaufen

Beim Gebrauchtkauf ist jeder Blick bares Geld wert. Wer nicht genau hinschaut, kann schnell viele Euros verlieren. Das gilt beide Seiten. 2Räder sagt, worauf Käufer und Verkäufer unbedingt achten sollten.

Foto: Bilski
Rund 400000 Motorräder wechseln pro Jahr in Deutschland den Besitzer. Das ist rund viermal so viel, wie Neumaschinen verkauft werden. Der Handel mit gebrauchten Bikes erfreut sich einer hohen Beliebtheit. Klar, dass bei dieser hohen Zahl auch Probleme auftreten. Käufer können auf geschönte Bikes, bei denen Unfallspuren böswillig vertuscht werden, hereinfallen. Gutgläubige Verkäufer rücken das Motorrad und die Papiere bereits auf Anzahlung raus und müssen nachher ihrem Geld hinterherlaufen. Durch den starken Anstieg des Internet-Handels sind zudem neue Probleme aufgetaucht: Etliche schwarze Schafe machen Interessenten und Verkäufern von Gebrauchtmotorrädern verlockende, aber unseriöse Angebote. Hier gilt es, besonders kritisch zu sein; blindes Vertrauen ist absolut tabu. Auf den folgenden Seiten hat 2Räder eine Übersicht zusammengestellt, die Interessenten und Verkäufern von Gebrauchtmotor­rädern viel Ärger erspart und das Geschäft für beide Seiten zu einem zufrieden stellenden Ergebnis bringt.
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Tipps zum Motorradverkauf

Motorrad verkaufen

1. Machen Sie in der Anzeige genaue Angaben. Geben Sie neben Hersteller- und Typbezeichnung vor allem Baujahr, Motorleistung, Kilometerstand und Preisvorstellung an.

2. Lassen Sie sich beim ersten Telefonat mit dem Interessenten auf keine Preisverhandlungen ein. Ernsthafte Interessenten machen das erst vor Ort beim Besichtigungstermin.

3. Lassen Sie sich vor der Probefahrt auf jeden Fall den Führerschein zeigen und behalten Sie für die Dauer der Fahrt eine Sicherheit (beispielsweise den Personalausweis des Interessenten) ein.

4. Machen Sie einen schriftlichen Kaufvertrag. Geben Sie keine Zusicherungen ab, die Sie nicht belegen können (beispielsweise Unfallfreiheit). Bestehen Sie auf Barzahlung.

5. Lassen Sie sich die Übergabe mit Datum und genauer Uhrzeit schriftlich bestätigen. Melden Sie den Verkauf umgehend der Zulassungsstelle und Ihrer Versicherung.


Waschen:
Klingt banal, kommt aber immer wieder vor: Motorräder, die verdreckt angeboten werden. Damit verschrecken Sie nicht nur viele Interessenten, auch beim Preispoker haben Sie schlechte Karten. Deshalb: Eine gründliche Wäsche ist Pflicht für einen guten Verkauf. Gehen Sie dabei besonders gründlich vor. Tipp: Säubern Sie das Motorrad auch an versteckten Stellen hinter Verkleidungen und Abdeckungen.

Pflegen:
Selbst wenn Sie sich innerlich schon von Ihrem Untersatz verabschiedet haben: Nehmen Sie sich die Zeit und präparieren Sie Ihr Motorrad, als würden Sie morgen noch einmal zur großen Tour aufbrechen. Eine ordentlich justierte und geschmierte Kette  gehört auf jeden Fall dazu und signalisiert dem potenziellen Käufer, dass Sie sich stets aufmerksam um Ihr Bike gekümmert haben.

Warten:
Auch hier sollten Sie sorgfältig vorgehen. Nichts wäre peinlicher, als ein Interessent, der Sie bei der Besichtigung auf einen zu niedrigen Ölstand aufmerksam macht. Schauen Sie auch nach dem Säurestand der Batterie, und kontrollieren Sie die Bremsbeläge. Noch besser ist, wenn Sie genau dokumentieren können, welche Wartungsarbeiten (Ölwechsel, Austausch der Bremsflüssigkeit usw.) Sie wann an Ihrer Maschine vorgenommen haben.

Fotografieren:
Ein gutes Bild gehört zu einer guten Anzeige. Das Motorrad sollte ausgeleuchtet (Sonne im Rücken) vor einem neutralen Hintergrund (nicht im Schatten) stehen. Profis leuchten Details mit speziellen Aufhellern besonders aus.

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Tipps zum Motorradkauf

Motorrad kaufen

1. Versteifen Sie sich bei der Suche nicht auf ein bestimmtes Modell, eine spezielle Farbe oder ein genaues Baujahr. Damit setzen Sie sich nur unnötige Grenzen.

2. Lassen Sie die Finger von schlecht gewarteten Maschinen. Kontrollieren Sie dazu vor allem Reifendruck, Kettenspannung und Ölstand. Vorsicht bei bereits warmgefahrenen Motoren.

3. Lassen Sie sich mit dem Verweis auf „viele Interessenten“ seitens des Verkäufers nicht unter Druck setzen. Kaum ein Angebot auf dem Gebrauchtmarkt ist einmalig.

4. Halten Sie alle zugesicherten Eigenschaften (beispielsweise Unfallfreiheit) schriftlich fest. Achten Sie darauf, dass das mitverkaufte Zubehör (beispielsweise ein anderer Auspuff) auch zugelassen ist.

5. Gehen Sie beim Kauf rational und besonnen vor. Hören Sie aber auch auf Ihren Bauch: Ein Motorrad gefällt einem auf Anhieb, oder es gefällt einem nie.


Sturzschäden:
Fahnden Sie bei der Besichtigung nach verdächtigen Sturzspuren. Neben dem Auspuff sind diese auch oftmals am Motorgehäuse zu finden. Werfen Sie dabei einen genauen Blick unter die Verkleidung. Kontrollieren Sie auch den Lenkeinschlag auf mögliche Beschädigungen. Bei der Probefahrt auf einen sauberen Geradeauslauf achten.

Technik:
Verlassen Sie sich nicht auf die einwandfreie Optik des Wunschmotorrads. Kontrollieren Sie das Bike wie ein TÜV-Prüfer: Sind die Federbeine dicht, stimmt der Säurestand der Batterie, sind die Reifen zugelassen? Vertiefen Sie sich bei der Besichtigung in Details. Viel ärgerlicher wäre es, Unstimmigkeiten erst in der eigenen Garage zu entdecken. Tipp: Nehmen Sie zur Besichtigung auf jeden Fall einen Freund mit, der kritisch genug ist und zudem Ahnung von Motorrädern hat.

Händlernachfrage:
Gerade bei jungen Gebrauchten, die vom Preis noch sehr hoch gehandelt werden, empfiehlt sich bei der Probefahrt ein Abstecher zu einem Vertragshändler (vorher um einen Termin nachfragen). Der kann Ihnen anhand der Fahrgestellnummer auf jeden Fall sagen, ob für das Motorrad noch Arbeiten wie beispielsweise Rückrufaktionen ausstehen. Zudem kann schnell geklärt werden, ob das Bike an typischen Schwachstellen krankt.


Garantie für Gebrauchte ?

Grundsätzlich gilt: Wer eine gebrauchte Maschine über einen Händler kauft, kann auf eine Sachmängelhaftung pochen. Allerdings können Händler die Haftung auf ein Jahr verkürzen. Das muss aber ausdrücklich mit dem Kunden vereinbart werden - ein Vermerk im Kleingedruckten reicht nicht aus. Fehlt dieser Hinweis komplett, gilt automatisch die gesetzliche Gewährleistungszeit von zwei Jahren. Auch Privatverkäufe sind von dieser Haftpflicht betroffen. Allerdings können Privatpersonen diese durch einen schriftlichen Haftungsausschuss umgehen. Dazu müssen sie eine entsprechende Formulierung („Verkauf unter Ausschluss der Sachmängelhaftung“) in den Kaufvertrag aufnehmen. Diese Möglichkeit machen sich aber auch schwarze Schafe unter den Gebrauchthändlern zu nutze, indem sie sich als Privatpersonen tarnen oder den Verkauf über Strohmänner abwickeln. Gehaftet wird übrigens nur für Mängel, die bei Übergabe vorhanden waren, und nicht für Defekte, die erst später auftreten. Allerdings muss in den ersten sechs Monaten der Händler den Nachweis erbringen, dass der Mangel erst nach dem Kauf aufgetreten ist. Unseren besonderen Service für Gebrauchtkäufer finden Sie in dieser Ausgabe von 2Räder ab Seite 194. Dort sind die Gebrauchtpreise der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) von den wichtigsten Modellen der letzten zehn Jahre gelistet. Für die Besichtigung und Probefahrt haben wir Ihnen außerdem eine umfassende Checkliste zusammengestellt.

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