So geht's Sitzbank erneuern

Na los: Verlagern Sie den Frust auf Ihre alte Bank. Zerreißen Sie Bezug und Schaumstoff – und polstern dann neu.

Foto: Bilski
Vor ein paar Jahren, als alles noch neu war, da konnte man es ewig miteinander aushalten. Und jetzt? Nach zwei, drei Stunden kommt der Frust: Der Hintern tut weh, weil das Schaumstoffpolster völlig platt ist. Außerdem ist der Bezug doch ziemlich unansehnlich geworden, weist sogar Risse auf. Der Fahrer will nicht wahrhaben, wie sehr die arme Sitzbank unter den vielen gemeinsamen Ausfahrten gelitten hat. Warum aber leiden, wenn sich erste Anzeichen von Beziehungsstress ankündigen? Der Zubehörhandel bietet Austausch-Sitzkerne aus hochwertigem Verbundschaumstoff und dazu passende, neue Bezüge. Die Kosten halten sich erfreulicherweise in Grenzen, eine Markenjeans ist in der Regel teurer. Und besonders zeitaufwendig ist die Renovierungsarbeit auch nicht. 2Räder liefert eine Anleitung zur Sitzbank-Erneuerung – damit’s wieder für viele tausend Kilometer gut läuft.
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Do it yourself

Etwas mehr als eine Stunde benötigt ein handwerklich durchschnittlich Begabter für die Sitzbankerneuerung. Den Originalen nachempfundene Bezüge verkauft zum Beispiel Götz Motorsport GbR (Telefon 0 74 76/93 30; www.goetz-motorsport.de) ab 24 Euro. Es gibt allerdings nur noch Restbestände der ehemaligen Götz GmbH, speziell für Enduros und Crosser. Schaumstoffkerne in Originalform kosten bei Götz 56 Euro, Universalteile 40 Euro. Bei Louis (Tel. 0 40/73 41 93 60, www.louis.de) gibt’s für viele Straßenmaschinen typbezogene Sitzbankbezüge (ab 29,95 Euro) sowie Universal-Sitzbankbezüge von Kahedo (ab 19,95 Euro) und Universalschaum (44,95 Euro). Polo (Tel. 01 80/5 22 57 85, www.polo-motorrad.de) hat zwei Universalbezüge im Programm (ab 33,95 Euro). Zum Umgang mit Universalteilen: Den Originalbezug flach auf den rechteckigen Universalsitzbezug legen und diesen dann mit einigen Zentimetern Sicherheits-Zugabe zuschneiden. Um einen Universalschaum passgenau zu formen (am besten mit einem elektrischen Küchenmesser), sind große Geschicklichkeit und viel Zeit nötig. Empfehlung für Laien: Diese Arbeiteinem Profi-Sattler überlassen. Das ist zwar teurer, schont aber die Nerven.
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Schritt für Schritt

Erster Schritt: runter mit dem kaputten Bezug. Dazu alle Klammern mit einer spitzen Zange oder einem Schraubendreher heraushebeln. Danach den Schaumstoff-Sitzkern abziehen – kein Problem, wenn er wie bei der hier gezeigten XT 600 nicht auf die Plattform aufgeklebt ist. Wenn doch, lassen sich hartnäckige Schaumstoffreste mit einer Drahtbürste abreiben. Jetzt den neuen Bezug auf den Nachrüst-Sitzkern auflegen und passend ausrichten.

Als Trockenübung schon mal die Enden des Bezugs und die auf dem Sitzkern aufgeklebte, dünne Schaumkaschierung gleichmäßig um die Sitzbank-Plattform schlagen. Vorhandene Nähte, wie hier beim modellspezifischen Kahedo-Bezug, erleichtern die Ausrichtungsarbeit ungemein. Sitzt der neue Bezug mittig und gerade, wird er zunächst zusammen mit der Kaschierung an der Sitzbank-Front mit ein paar Klammern fixiert.

Dazu einen handelsüblichen Tacker aus dem Baumarkt verwenden. Die Stärke der Klammern sollte sechs oder acht Millimeter betragen. Tipp: Beide Klammer-Stärken besorgen und entsprechend der unterschiedlich dicken Bereiche der Kunststoff-Sitzbankschale einsetzen, da die Acht-Millimeter-Klammern an dünnen Stellen zu weit durchschießen und den neuen Bezug beschädigen können. Nachdem der Bezug vorne befestigt ist, ihn großflächig mit einem Fön erwärmen, kräftig nach hinten ziehen und ihn an der Rückseite erneut mit ein paar Klammern fixieren. Anschließend den Bezug wieder flächig mit dem Fön erwärmen und ihn um die am tiefsten Punkt liegende Sitzbankkante ziehen. Vor dem Festtackern darauf achten, dass der Bezug auf der rechten und linken Seite möglichst gleichmäßig übersteht.

Dass er in kaltem Zustand an manchen Stellen vermutlich nur ein paar Millimeter übersteht – zu wenig, um ordentlich befestigt zu werden – macht nichts. Durch das Erwärmen dehnt er sich zwei bis drei Zentimeter. Erkaltet das Material nach dem Befestigen wieder, bekommt der Bezug die nötige Spannung. Er zieht sich, ohne mit dem Sitzkern verklebt zu sein, sozusagen selbst fest. Unerwünschte Falten bleiben aus. Besonders an heiklen Stellen wie den Ecken übernimmt der Fön also eine entscheidende Rolle. Ganz wichtig: nicht punktuell, sondern immer flächig erwärmen, dann den Bezug über die kritische Stelle an der Plastikschale herüberziehen und sofort festtackern.

Ebenso wichtig: nicht einfach im Kreis herum die Klammern anbringen, sondern die Räume zwischen schon vorhandenen Klammern so weit verkleinern, bis der Bezug gleichmäßig spannt.

Danach das überstehende Material der Schaumkaschierung mit einer Schere oder einem scharfen Messer entfernen.

Zu guter Letzt alle Bereiche der Sitzbank auf Passgenauigkeit überprüfen. Sitzt alles gut, heißt es: Platz nehmen und losfahren.

Viel Spaß.

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