So geht's Standschäden

Wer rastet, der rostet. Oder gammelt anderweitig, denn durch Nichtbenutzung leiden nicht nur Metallteile. Ein Standschäden-Überblick.

Foto: Gargolov

Die durchschnittliche Kilometerleistung des deutschen Motorradfahrers sinkt von Jahr zu Jahr. Wer in der Saison über 10000 Kilometer fährt, ist mittlerweile schon eine Ausnahme. Niedrige vierstellige Werte sind eher die Regel. Das hat Auswirkungen auf den Gebrauchtmarkt, denn es gibt zwar immer mehr Schätzchen mit zum Teil sehr geringer Laufleistung, aber leider auch immer mehr typische Standschäden.

Rahmenteile
Rost nistet sich vorzugsweise an schlecht zugänglichen Stellen ein. Also auch unter dem Tank kontrollieren. Tipp: Schmutz gründlich entfernen und kleine Lackschäden vor längeren Standzeiten beheben.

Gummi, Kunststoffe
Ozon und UV-Strahlung lassen Gummiteile und Kunststoffe verspröden. Besonders aufmerksam sollte man daher reifen, Bremsschläuche und Ansaugstutzen kontrollieren. Zeigen letztere Risse, droht Gemischabmagerung und schlimmstenfalls sogar ein Motorschaden. Tipp: Gummi- und Kunststoffteile regelmäßig mit einem Pflegemittel behandeln und vor UV-Strahlung schützen.

Lack
Stark ausgeblichener Lack ist ein Indiz für lange Standzeiten im Freien. In diesem Fall alle durch UV-Strahlung von Alterung bedrohten Bauteile kontrollieren. Tipp: Lack beim Einmotten versiegeln und vor UV-Strahlung schützen.

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Flüssigkeiten, Bremsen, Räder

Flüssigkeiten
Bremsflüssigkeit (siehe Bremsen) und ÖL kontrollieren. Außerdem bei flüssigkeitsgekühlten Motoren in jedem Fall Frostschutz überprüfen. Dieser sollte bis etwa minus 25 Grad reichen, sofern das Bike im Freien steht. Angesichts strenger Frostperioden könnte ansonsten ein kapitaler Motorschaden drohen.  Tipp:  Für längere Standzeiten Frischöl einfüllen und auf ausreichenden Frostschutz bei wassergekühlten Motoren achten.

Bremsen

Bei Scheibenbremsanlagen gibt es gleich mehrere Bauteile, die durch langes Stehen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Vorsicht ist geboten bei starkem Rostbefall von Stahlbremsscheiben. Hier können unter Umständen die Bremskolben in den Sätteln festsitzen. Weiterhin besteht die Gefahr, dass sämtliche Gummiteile wie Hydraulikleitungen oder die Dichtungen im Bremszylinder sowie in den Zangen ausgehärtet oder porös sind. Stark gealterte Bremsflüssigkeit – erkennbar an der dunklen Verfärbung, die zum Teil mit Schlierenbildung einhergeht – besitzt aufgrund ihrer hygroskopischen (Wasser bindenden) Eigenschaft nach längerer Zeit einen erhöhten Wasseranteil, der nicht nur den Siedepunkt drastisch senkt, sondern auch zu Korrosion in Bremszylindern oder -zangen führen kann. In diesem Fall müssen die Bauteile unbedingt überholt oder gegebenenfalls ersetzt werden. Standschäden an Trommelbremsen beruhen meist auf eingedrungener Feuchtigkeit, die zu Rostbildung innerhalb der Trommel führt. Tipp: Bremsflüssigkeit auch während der Standzeiten spätestens alle zwei Jahre wechseln und Flugrost von Stahlscheiben entfernen.

Räder
Abgesehen von Korrosionsspuren sind bei Leichtmetallgussrädern keine Standschäden zu befürchten. Bei DRAHTSpeichenrädern können sich aber die Speichen durch langes Stehen setzen. Im Fahrbetrieb droht dann ein Felgenschlag. Tipp: Speichenspannung vor Wiederinbetriebnahme kontrollieren.
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Elektrik, Feder, Vergaser, Tank, Auspuff

Elektrik
Lange Standzeiten ohne Pflege mögen Batterien überhaupt nicht. Wenn sie keinen Strom mehr liefern, liegt es entweder an Sulfatierung oder Plattenschluss. Ersteres ist eine Alterserscheinung, die durch Tiefentladung beschleunigt wird und schließlich zur Bildung von schlecht leitenden Bleisulfat-Kristallen führt. Dann liegt nach längerer Ladephase zwar die Ruhespannung über zwölf Volt an, aber die Leistung reicht dennoch nicht mehr aus, um den Motor zu starten. Plattenschluss äußert sich nach dem Ladevorgang durch eine verminderte Ruhespannung, verursacht durch Ablagerungen am Zellenboden. Diese Ablagerungen bestehen aus von den Platten abgesprengten Partikeln und führen zur Zerstörung der Zellen. Auch ein Grund für den Ausfall elektrischer Komponenten sind oxidierte Verbindungen der Kabel. Tipp: Batterie entnehmen, in einem trockenen und kühlen Raum lagern und an ein Frischhaltegerät anschließen, dabei auf korrekten Säurestand achten. Außerdem alle Steckverbindungen des Kabelbaums mit Kontaktspray konservieren.

Federelemente
An Gabel und Federbeinen können die Dichtungen unter dem Einfluss von UV-Strahlen verspröden, und in der Folge tritt Öl aus. Während eine Reparatur der Gabeldichtringe generell möglich ist, müssen leckende, nicht zerlegbare Originalfederbeine ersetzt werden. Des Weiteren auf durch Steinschlag verursachte Rostpickel an den Gabelstandrohren achten, die auch neuen Dichtringen stark zusetzen. Tipp: Flugrost an den Gabelstandrohren beim Einmotten entfernen und Fahrzeug keiner UV-Strahlung aussetzen.

Vergaser
Durch Ablagerungen verstopfte Vergaser gehören zu den häufigsten Standschäden, die zum Teil bereits nach relativ kurzen Ruhezeiten während der Wintermonate auftreten können. Außerdem bereiten nicht selten die Membranen bei Gleichdruckvergasern Probleme, die entweder aufquellen oder durch Versprödung reißen und damit reif für den Austausch sind. Tipp: Schwimmerkammern vor Standzeiten immer komplett entleeren. Wer nicht schrauben will, schließt den Benzinhahn und lässt den Motor laufen, bis er abstirbt.

Tank
Starke Temperaturschwankungen führen zu Kondenswasserbildung und in der Folge zu mehr oder weniger ausgeprägtem Rostbefall bei unbeschichteten Stahlblechbehältern, sofern sich nur wenig Benzin darin befindet. Eine Sanierung ist äußerst aufwendig, im schlimmsten Fall muss sogar ein neuer Tank her. Tipp: Tank komplett entleeren, abnehmen, mit einem Korrosionsschutzöl befüllen und so lange drehen und wenden, bis alle Stellen benetzt sind. Der gewählte Lagerort des Spritbehälters sollte trocken sein und keinen starken Temperaturschwankungen unterliegen.

Auspuff

Der natürliche Feind aller Auspuffanlagen aus Stahlblech heißt Rost, egal, ob die Außenseiten verchromt oder lackiert sind. Deutliches Zeichen fortgeschrittenen Rostfraßes im Inneren sind ringförmige Auswölbungen der Ummantelung entlang der Prallbleche. Bei der Klopfprobe lassen sich häufig klappernde Geräusche ausmachen, oder sogar das Rieseln der Rostpartikel ist zu hören. Solche Schalldämpfer gehören auf den Schrott. Rostpickel an der Außenhülle findet man zumeist an versteckten, schlecht zu pflegenden Stellen. Leichten Flugrost kann man mit einer Chrompolitur häufig komplett wieder entfernen. Tipp: Auspuff vor dem Einmotten gründlich reinigen, von bereits vorhandenem Flugrost befreien und mit Korrosionsschutzöl einsprühen. Unmittelbar vor dem Einlagern sollten Kaltstarts wegen des dabei entstehenden Kondenswassers vermieden werden.
 

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