So geht's Welche Reifen für welches Mototrrad?

Früher war’s einfach: Man durfte die Reifen benutzen, die eingetragen oder freigegeben waren. Das war einmal.

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Reifenfabrikatsbindung - so lautet der Fachbegriff dafür, dass in der Vergangenheit sehr detailliert vorgeschrieben war, welcher Reifentyp von welchem Reifenhersteller auf welchem Motorradmodell zulässig war. Dies war bei der alle zwei Jahre fälligen Hauptuntersuchung mit einem Blick in den Kfz-Schein oder/und der Freigabe des Motorradherstellers vom TÜV- oder Dekra-Mann zu kontrollieren. So weit, so klar. Doch das ist - wie gesagt Vergangenheit. Denn zwischenzeitlich hat die Zulassungsbescheinigung Teil I den Kfz-Schein abgelöst, und die sieht nur noch eine, nicht mehr zwei mögliche Reifengrößen vor. Anstelle einer Reifenfreigabe heißt es unter Ziffer 22 höchstens noch lapidar: „Reifenfabrikatsbindung gemäß Betriebserlaubnis beachten”. Dann ist eine sogenannte Freigabe oder Unbedenklichkeitsbescheinigung nötig. Die besagt, dass der Reifen für das jeweilige Motorradmodell vom Hersteller geprüft und freigegeben ist. Diese Bescheinigung ist für den Fall einer Kontrolle mit den Papieren mitzuführen. Die Reifenhersteller (und auch manche Motorradhersteller) bieten entsprechende Papiere auf ihren Websites zum Herunterladen an. Ist unklar, ob ein Reifen montiert werden darf oder nicht, sollte man sich im Interesse der eigenen Sicherheit jedoch immer an den Motorrad- bzw. Reifenhändler wenden. Oder aber Feld 22 der Zulassungsbescheinigung bleibt ganz leer. Dann dürfen alle Reifentypen montiert werden, solange sie die korrekten, in den Papieren aufgeführten Dimensionen haben. Immer mehr Motorradhersteller gehen nämlich dazu über, die Reifenfabrikatsbindung ganz aufzuheben (siehe Tabelle auf der rechten Seite). Mit dieser neuen Freiheit können viele Motorradfahrer oft wenig anfangen. Denn Reifen ist nicht gleich Reifen, der Einfluss von unterschiedlichen Profilen und Gummimischungen aufs Fahrverhalten kann enorm sein, und je nach Einsatzzweck (bummelige Landstraßenfahrt, eher sportlicher Einsatz, eventuell sogar Rennstrecke) können ganz unterschiedliche Reifentypen fürs gleiche Motorradmodell empfehlenswert sein. Hier helfen im Zweifelsfall die Vergleiche von Fachzeitschriften weiter, wobei Testergebnisse eines Reifens nur sehr bedingt auf verschiedene Motorradmodelle übertragbar sind. Auch kann das Verschleißverhalten eines Reifens - für die Unterhaltskosten nicht ganz unwichtig - von Motorrad zu Motorrad deutlich variieren. Manche Hersteller, etwa Honda oder Ducati, sprechen daher weiterhin Empfehlungen in Form von Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus. Die sind zwar nicht bindend, aber nützlich als Orientierung für den Kunden.
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Erklärung der Reifenangaben

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Die neuen Papiere nennen nur noch eine erlaubte Größe, auch wenn laut ABE und alten Papieren (Kfz-Schein) zwei zulässig sind. Diese zweite Größe bleibt legal. Tipp: Kopie des Kfz-Scheins aufheben. Wenn das Feld 22 der Zulassungsbescheinigung leer ist, dürfen alle Reifentypen korrekter Größe montiert werden
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190
Reifenbreite in Millimeter

17

Felgen-Durchmesser in Zoll

MC 
Motorcycle (Motorrad), ab Fertigungsdatum 2003 vorgeschrieben

50
Reifenhöhe in Prozent der Breite

ZR
Radialreifen, über 240 km/h

(73W)
Betriebskennung:
73: Tragfähigkeitszahl;
W: Geschwindigkeitskennung, in Klammern über 270 km/h zugelassen, ohne Klammern bis 270 km/h

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E4
Typ-Prüfung für den europäischen Markt. Dahinter: die Reifennorm ECE-75 R
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20
20. Produktionswoche

07

Produktionsjahr 2007

DOT
Department of Transportation mit inter­ner Herstellercodierung für Werk, Größe, Profil

Reifenfabrikatsbindung - wer keine mehr hat

Marke
 aufgehoben seit
 Reifenempfehlungen
 Aprilia 01 Nein
 Buell 05, Modelljahr 06
 Erstausrüstung
 Benelli  Nein
 Ducati Oktober 05
 Unbedenklichkeitsbesch.
 Harley-Davidson 05, Modelljahr 06
 Erstausrüstung
 Honda Oktober 05
 Unbedenklichkeitsbesch.
 Moto Guzzi
  Ja
 Moto Morini
  Nein
 Sachs Oktober 05
 Nein
 Suzuki Mai 07
 Erstausrüstung
 Triumph Ende 05
 1 bis 3 Reifenmodelle
 Yamaha  Unbedenklichkeitsbesch.

Hier dürfen alle Reifentypen korrekter Größe drauf. Empfehlungen sind nicht bindend. Ausnahmen: Bikes mit Baujahr vor der Aufhebung, Yamaha-Supersportler

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