So geht`s Zündkerzen prüfen und wechseln

Was für frühere Motorradfahrer-Generationen zum täglichen Pflegeprogramm gehörte, ist heute eher ungewohnt – der Zündkerzen-Ausbau.

Foto: Bilski
Ohne sie geht gar nichts. Die Zündkerze sorgt dafür, dass das verdichtete Benzin-Luft-Gemisch gezündet wird und explosionsartig den Kolben in die Tiefen des Zylinders treibt. Der Kolben ist über das Pleuel mit der Kurbelwelle verbunden – und schon gibt’s eine wunderbare Rotationsbewegung. Doch Zündkerzen sind Verschleißteile, was bei den langen Standzeiten moderner Funkenspender gern vergessen wird. Was beim Aus- und Einbau zu beachten ist, steht hier.
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Kerzen wechseln in 5 Schritten


1. Der Kerzensteckerkommt als erstes runter. Dabei nie am Kabel, sondern immer direkt am Stecker ziehen. Festsitzende Stecker durch leichte Drehbewegungen lösen. Bei verschmutzten Motoren die Umgebung der Kerze vor dem Ausbau reinigen (z. B. mit Druckluft), um zu verhindern, dass später Fremdkörper über das Zündkerzenloch in den Zylinder gelangen. Bei verbauten Motoren muss man ggf. zuvor Teile (Verkleidungen, Tank, Kühler etc.) entfernen und spezielle Stecker-Abzieher benutzen.
2. Mit einem Steckschlüsselwird die Zündkerze nun gegen den Uhrzeigersinn gelöst. Wegen Ablagerungen am Kerzengewinde lassen sich manche Zündkerzen nur schwer herausdrehen. Meist lässt sich dies durch leichtes Hin- und Herdrehen lösen. In hartnäckigen Fällen hilft ein Kriechöl (z. B. WD40 oder Ballistol), das auf den Gewindesitz gesprüht wird und in das Gewinde sickert. Keine Gewalt anwenden, lieber Geduld haben.
3. Die Elektrodenwerden nun kontrolliert. Sind sie an den Kanten rundlich abgebrannt oder haben großen Abstand, sind die Kerzen verschlissen. Aber auch bei neuen Kerzen sollte der Elektrodenabstand mit einer Fühlerlehre kontrolliert werden. Bei falschem Abstand wird der kleine Elektrodenbügel durch vorsichtiges Auf- oder Zubiegen auf das richtige Maß gebracht. Der Wert für den korrekten Elektrodenabstand ist meist im Fahrerhandbuch zu finden.
4. Das Kerzengewindewird nun mit etwas (wirklich nur ganz wenig!)
Kupferpaste bestrichen, um ein Festbacken im Aluminium des Zylinderkopfs zu vermeiden. Vor dem Einsetzen der Kerze darauf achten, dass der Dichtring auch tatsächlich auf dem Gewinde montiert ist. Meist ist der Dichtring aber so gesichert, dass er bei der Montage nicht über das Gewinde rutschen kann.
5. Mit der Hand und viel Gefühl
wird die Kerze in das empfindliche Kerzengewinde eingeschraubt. Bei schwer zugänglichen Kerzenlöchern wird die Kerze mit dem Steckschlüssel angesetzt und vorsichtig eingedreht. Die Kerze muss sich über drei oder vier Umdrehungen leicht einschrauben lassen, um sicher zu sein, dass sie im Gewinde nicht schief sitzt. Das endgültige Festziehen erfolgt am besten mit dem Drehmomentschlüssel.
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Foto: Bilski

Typenkunde

Zündkerzen gibt es in vielen Varianten. Sie unterscheiden sich in ihrer Bauart (Gewindelänge, Elektrodenform etc.) und in ihrem Wärmewert. Der Wärmewert ist ein Maß für die thermische Belastbarkeit der Zündkerze; er muss genau auf die Arbeitsbedingungen des Motors abgestimmt sein. Bauart und Wärmewert sind in der Typ-Bezeichnung verschlüsselt.Grundsätzlich ist immer die Kerze zu verwenden, die der Motorradhersteller vorschreibt. Allerdings kann auch auf einen anderen Kerzenhersteller ausgewichen werden, dafür gibt es Vergleichstabellen. Kerzen, die nicht den Angaben entsprechen, können Motorschäden verursachen. Wissenswertes zum Thema Zündkerze gibt’s vom weltgrößten Zündkerzen-Hersteller im Internet unter www.ngk.de.

Benötigtes Werkzeug:

Der passende Zündkerzenschlüssel ist grundsätzlich in jedem Bordwerkzeug vorhanden, aber nicht immer praxisgerecht. Ein im Zubehörhandel erhältlicher Kerzenschlüssel mit Gelenk vereinfacht ggf. das Arbeiten. Metallplättchen zum Messen des Elektrodenabstands sind mittlerweile Bordwerkzeug-Luxus, aber als Fühlerlehren-Satz für wenig Geld im Zubehörhandel zu bekommen. Die Flachzange aus dem Bordwerkzeug ersetzt man am besten durch eine vielseitigere, robustere kleine Wasserpumpenzange. Eine Tube Kupferpaste (zirka 5 Euro) hält bei Otto Normalschrauber nahezu ein Schrauberleben lang.

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