So geht's: Sicher starten in die Motorradsaison Die erste Motorradausfahrt im Jahr

Bei der ersten Ausfahrt müssen Motorradfahrer Kurven und Maschine neu kennenlernen. 2Räder liefert den 7-Punkte-Plan für einen gelungenen Saisonstart.

Foto: Gargolov

Parkplatz-Übungen
Auf einer abgelegenen Straße im Industriegebiet oder einem leeren Parkplatz reisen Sie gedanklich in Ihre Fahrschulzeit zurück: Fahren Sie im Schritttempo den langsamen Slalom (Pylonenabstand 3,5 Meter). Anschließend nun zwei dieser Pylonen (als Ersatz eignen sich halbierte Tennisbälle) eine langsame Acht. Zügiger geht der schnelle Slalom (Abstand sieben Meter), mindestens 30 km/h sollten es sein. Ihr Bremsgefühl trainieren Sie, indem Sie die hintere Bremse bei 30 km/h wiederholt zum Blockieren bringen. Die Notbremsung wird aus einem Tempo zwischen 30 und 50 km/h geübt: Vorder- und Hinterradbremse kraftvoll betätigen bis zum Stillstand. Vergessen Sie nicht: bei jeder Bremsübung Kupplung ziehen. Ihre Körperbeherrschung trainieren Sie abermals mit langsamem Fahren, mal im Damensitz und mal im Stehen. Auch gut: Mit den Füßen auf den Rasten bis zum Stillstand bremsen, dann ohne absetzen wieder anfahren. Es gilt die Regel: Wer seine Maschine bei extremer Langsamfahrt beherrscht, behält auch bei höherem Tempo besser die Kontrolle.

Anzeige

Nicht zu weit weg

Selbstverständlich wollen Sie bei dem tollen Wetter gleich eine große Runde drehen. Der Winter war schließlich lang und hart, Sie haben sich diese Tour verdient. Machen Sie es trotzdem nicht, sondern backen Sie kleine Brötchen. Es wird Sie verwundern, wie ungewohnt selbst die vertraute Hausstrecke nach langer Pause erscheint und die Fahrt nicht annähernd so unspannend wird wie erwartet. Auf fremdem Terrain läuft man erst recht Gefahr, sich zu verschätzen und in brenzlige Situationen zu geraten. Absolvieren Sie daher lieber zwei oder drei Runden auf heimischem Asphalt, denn schon der hat nach dem Winter mehr Tücken als man vermutet: Frostaufbrüche, Bitumen-Flickerei und quer über die Fahrbahn verteilter Split vom Streudienst. Letzterer sammelt sich durch den Autoverkehr häufig in der Mitte der Fahrbahnhälfte – also Obacht in Kurven, beim Bremsen und Beschleunigen.

Anzeige

Nicht ans Limit

Natürlich haben Sie es fahrerisch voll drauf, Sie sind ein Kurvenkratzer par Excellence – alle wissen das. Daher haben Sie es auch nicht nötig, beim Saisonstart gleich einen auf Valentino Rossi zu machen. Geben Sie noch nicht alles, sondern belassen Sie es bei 80 Prozent. Die übrigen 20 investieren Sie in ein vernünftiges Sicherheitspolster. Sie wollen gerne mit den Kumpels die Saison beginnen? Lassen Sie das lieber, und fahren Sie Ihre erste Tour alleine. Die Gruppendynamik des Konvois verleitet häufig dazu, über die eigenen Grenzen hinauszufahren. Wer zudem ganz hinten mitfährt, muss deutlich stärker am Kabel ziehen, um den Anschluss zu halten – der Fahrstil wird unrhythmischer und damit unsicher. Beim Solo-Trip sind Sie dennoch nicht allein: Rechnen Sie allerdings damit, dass Sie von den Autofahrern übersehen werden. Sie waren schließlich lange nicht da.

Erst Check, dann weg

Das Renneisen, die Cruiser-Schaukel, das verschärfte Naked Bike, den Supertourer – egal welches Motorrad Sie fahren, Sie haben es gewissenhaft den Winter über ein-gemottet und inzwischen wieder ausgemottet. Trotzdem nehmen Sie sich jetzt ruhige zehn Minuten für einen letzten, gründlichen Check. Sie wollen ja wohl kaum liegenbleiben, weil Ihnen das Cockpit einen zu geringen Öldruck anzeigt – von möglichen Folgen wie Motorschaden und Unfall einmal abgesehen. Prüfen Sie also Ölstand und Luftdruck, betätigen wenigstens einmal alle Hebeleien: Bremshebel und -pedal, Kupplungshebel, Seiten- und Hauptständer. Klemmt was? Ein wenig WD-40 oder vergleichbares Schmier-Spray hilft. Kettendurchhang prüfen Sie am besten schon am Abend vorher, das Nachstellen dauert unter Umständen ein wenig. Kette trocken? Dann gleich noch mit Kettenspray einsprühen – das kann dann über Nacht einwirken.

Pfeifen sie

Und zwar ein Liedchen. Wem es beliebt, natürlich auch den Mädels hinterher, aber eigentlich geht es hier um Entspannung. Unsichere Fahrer neigen zu körperlicher Anspannung, die sich sogar zu Verkrampfungen ausweiten kann – kontrolliertes Fahren ist dann schwierig. Und unsicher sind wir beim ersten Ausritt alle. Trällern Sie unterm Helm also ein Liedchen. Das hält den Unterkiefer locker, Sie fahren sicherer. Die Erklärung: Ihre Anspannung wird unterbrochen, wenngleich nur punktuell. Da alle Muskelgruppen mit-einander verbunden sind, entkrampfen Sie auf diese Weise das gesamte System – körperlich und psychisch. Somit können Sie sich wieder voll und ganz auf die Straße konzentrieren. Bekämpfen Sie Ihre falsche Scham und lassen den Frühlingsgefühlen freien Lauf, unterm Helm hört Sie doch ohnehin niemand. Und fürs kraftvolle Hinterherpfeifen haben Sie nebenbei auch noch fleißig geübt.

Es ist kälter als sie denken

Nicht nur in Ihrer lichtdurchfluteten Altbauwohnung lässt die Sonne die Temperatur steigen, sondern auch draußen auf der Straße ist es endlich annehmbar warm. Doch der Frühling ist tückisch und leider deutlich kälter als Sie denken: Die Durchschnittstemperatur im April liegt laut Deutschem Wetterdienst bei rund acht Grad. Beim Landstraßensurfen bringt der Fahrtwind Ihre gefühlte Temperatur schnell auf den Gefrierpunkt, besonders Kopf und Hals reagieren auf die Kälte sehr empfindlich. Schon eine kurzzeitige Unterkühlung kann Ihnen eine Erkältung bescheren, die weitere Touren vorerst vereitelt. Führt die Straße von freiem Feld in dichten Wald, wünscht sich selbst ein Hardcore-Biker, er hätte – wenn schon nicht die teure Thermo-Funktionswäsche – zumindest einen flauschigen Pulli angezogen. Verwechseln Sie die Frühjahrshelligkeit also nicht mit Wärme, und ziehen Sie sich mehr an, als Sie für nötig halten.

Ihr Körper brauct Energie

Motorradfahren erfordert körperliche Fitness und hohe Konzentration. Das kostet Energie, die erstens beim Fahrer vorhanden sein muss und zweitens rechtzeitig wieder aufgefüllt werden will. Im Klartext: Fahren Sie nicht mit knurrendem Magen los. Essen Sie vor Ihrer Tour aber auch bitte keine vor Fett triefende Schweinshaxe – die wäre zu viel des Guten. Leicht und ausgewogen sollte sowohl der Snack vor als auch während der Tour ausfallen, wenig Fett, viele Kohlehydrate. Lässt Ihre Konzentration arg nach, wirkt ein Schoko­riegel durch den Zucker-Kick wie ein kleines Wunder. Der Imbiss bietet Ihnen außerdem die Zeit und Ruhe, die zurückgelegte Strecke Revue passieren zu lassen: Wo lief’s gut? Wo war es gefährlich? Wo geht das nächste Mal mehr? Damit auch die Weiterfahrt flüssig von der Hand geht: Trinken nicht vergessen!

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel