Ratgeber: Besser Fahren Frühlings-Gefühle: Tipps zum Saisonstart

"Besser fahren" nennen wir die Serie rund ums Motorradfahren: Beginnen wollen wir mit dem perfekten Start in die Motorradsaison.

Foto: jkuenstle.de

Endlich, endlich, endlich: Ein heftiger Regenguss spült die letzten Salzreste von den Straßen, die wärmende Märzsonne trocknet den Asphalt, die Maschine rollt aus der Garage. Ein schöneres Gefühl gibt es für den Biker kaum; es kann nur noch getoppt werden von einer sofort anspringenden Maschine und einer anschließenden Genießertour auf der geliebten Hausstrecke.

Soweit die schöne Theorie. In der Praxis kann einem ein standesgemäßer Saisonstart ganz schön vermiest werden. Sei es, dass die Maschine einfach nicht anspringen will, wie es eigentlich geplant war, sei es, dass schon nach wenigen Kilometern Fahrt eine unglaubliche Kälte unter die Kombi kriecht und hier und da noch tückische Reifglätte mit Frostaufbrüchen lauert. Es ist eigentlich immer dasselbe: Man weiss ja, was zu tun ist, belässt es aber oft beim Wissen und scheut die Exekutive. Und wundert sich dann ziemlich darüber, dass die Batterie fünf Monate ohne Laden nicht überlebt hat, die Reifen eiern oder man partout die Linie nicht treffen kann.

Vor der ersten Ausfahrt gilt es also eine ganze Menge zu beachten. Ist die Maschine fit für den Frühling? Passen Temperatur und Bekleidung wirklich zusammen? Oftmals unterschätzt man nach einigen Monaten Autoheizung die kühlende Wirkung des Fahrtwinds. Bin ich selbst fit genug und wach, um nun wieder mit voller Aufmerksamkeit auch die Fehler anderer mit einzukalkulieren? Sind alle Fragen beantwortet, können die ersten Kilometer des Jahres beruhigt und voller Lust angegangen werden. Dabei kann es kaum etwas Schöneres geben, als die alten bekannten Strecken wieder neu abzufahren, die Luft statt durch den Innenraumfilter endlich mal wieder in den Helm blasen zu lassen und durch Kurven zu tanzen, wie bei einer rasanten Skiabfahrt. Wenn dann noch ein paar Kumpels und die beste Sozia von allen
mit von der Partie sind, machen auch die Pausen so richtig Spaß.

Die wichtigsten Tipps und Ratschläge aus dem großen Erfahrungsschatz der MOTORRAD-Redakteure fassen die nächsten Seiten zusammen. Ein Tipp noch vorneweg: Auch wenn noch so schönes Wetter ist, lasst es langsam angehen!

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Motorrad - Prüfen und Füllen

Vor der ersten Fahrt muss die Technik stimmen. Ein ausführlicher Frühjahrscheck schützt vor Überraschungen.

Einige der nachfolgend beschriebenen Arbeiten werden oft schon beim Einmotten erledigt. Trotzdem sollten Rücklicht, Blinker, Frontscheinwerfer und Bremslicht vor der ersten Fahrt geprüft werden. Ebenso Durchhang und Schmierzustand der Kette, sowie Öl- und Kühlmittelstand. Ganz wichtig: Die Reifen. Vor der ersten Fahrt den Luftdruck kontrollieren, Reifenprofiltiefe feststellen und Reifen bei weniger als 1,6 Millimeter wechseln. Batterie laden und beim ersten Start den Motor im Leerlauf kurz laufen lassen. Klingt alles normal? Drückt irgendwo Öl oder Kühlmittel raus? Beim ersten Tanken nochmals nachsehen. Auch wichtig: Sitzen alle Schrauben fest? Wenn während des Winters an der Maschine geschraubt wurde, Ergebnis nochmals kontrollieren. Oft wird etwas vergessen. Bremsflüssigkeit und Bremsdruck kontrollieren. Ist der Druckpunkt weich? Wenn ja, vor weiteren Touren die Bremse entlüften lassen. Jetzt noch die Hebel einstellen und bei Schwergängigkeit deren Lager schmieren, dann kann es losgehen.

Tipps:

  • Beleuchtungsanlage am besten bei laufendem Motor prüfen. Das schont die Batterie.
  • Batterie am Tag vor der ersten Fahrt laden.
  • Kette, Luftdruck, Öl und Kühlwasser prüfen.
  • Nach einigen Kilometern Fahrstrecke Motorrad nochmals inspizieren.
  • Alle wichtigen Schrauben vor der ersten Fahrt überprüfen.
  • Ventile auf poröse Stellen untersuchen. Ist das Käppchen festgedreht?
  • Reifen und Bremsen auf Verschleiß prüfen und eventuell tauschen lassen.
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Kleidung - Waschen, Durchblick schaffen

Haben Sie den Winter genutzt, um ihre Ausrüstung auf Vordermann zu bringen? Nein? Dann machen Sie es jetzt.Unglaublich, dass man diesen Stinkhelm letztes Jahr noch tragen konnte. Und Durchblick erlaubt er auch nicht mehr. Dann haben Sie bestimmt ihren Helm im Speicher offen stehen lassen. Besser wäre es gewesen, ihn an einem trockenen, nicht zu kalten Ort im Karton oder Helmbeutel zu lagern. So muss nun das Visier vorsichtig mit warmem Wasser und Spülmittel gereinigt werden. Ist der Helm innen sehr verschmutzt, Innenteile einweichen, auswaschen und trocknen lassen oder Helmpolsterreiniger verwenden. Ein Blick auf das Herstelldatum lohnt: Ist der Helm älter als fünf Jahre, prüfen, ob er noch gut sitzt. Wenn nicht, ist ein neuer fällig. Ein verkratztes Visier sollte man immer gegen ein beschlagfreies austauschen. Die Lederkombi mit Schwamm feucht abwischen, mit Lederfett behandeln und dieses gut einziehen lassen. Herausnehmbare Innenfutter können in die Waschmaschine, Textilkombis ohne Protektoren auch. Bei der Wäsche keinen Weichspüler verwenden. Nach dem Trocknen mit Spray imprägnieren (im Freien). Stiefel und Handschuhe je nach Material wie die Kombi behandeln und ebenfalls imprägnieren.

Tipps:

  • Alter und Zustand des Helms genau prüfen. Innenreinigung zweckmäßig.
  • Handschuhe und Stiefel je nach Obermaterial einfetten oder imprägnieren.
  • Über den Winter gehen Motorradklamotten oft ein, beziehungsweise der Fahrer auseinander, deshalb rechtzeitig vor der ersten Fahrt anprobieren.
  • Innenfutter, Funktionsunterwäsche und Textilkombis waschen und trocknenLederkombi mit Lederseife und Schwamm feucht abwischen, dann einfetten.
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Fahrer - Fit für den Frühling

Motorradfahren ist Konzentrationssache. Dazu braucht es körperliche Fitness. Schon bei den ersten Touren.Wohl dem, der über den Winter Sport getrieben hat. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger haben nämlich nicht nur ihre Muskulatur auf Vordermann gebracht, sondern auch ihren für das Motorradfahren so wichtigen Gleichgewichtssinn. Wer gut trainiert ist, kann sich höchstens noch durch spezielles Unterarmtraining fit machen, denn Gasgriff, Kupplung und Bremse erfordern bei einigen Bikes ziemlich viel Kraft und bei allen die richtige Koordination. Nicht nur gemütliche Zeitgenossen sollten es zum Saisonstart langsam angehen lassen, sich speziell bei den ersten Touren nicht zuviel vornehmen und spätestens nach einer Stunde Fahrt eine Pause von mindestens zehn Minuten einlegen. Keinesfalls darf man die konditionsmordende Wirkung der Kälte außer Acht lassen. Gerade beim Motorradfahren mit seinen fein zu koordinierenden Bewegungen sind warme Gliedmaßen wichtig. Deshalb immer wärmende Unterwäsche tragen, bei Kältegefühl anhalten und aufwärmende Gymnastik machen. Sieht vielleicht lustig aus, regt aber den Kreislauf an und schärft die Aufmerksamkeit.

Tipps:

  • Vor dem Saisonstart öfters mal aufs Mountainbike steigen.Hilft Kondition und Koordination zu verbessern.
  • Unterarmmuskulatur bei schwergängigen Armaturen extra trainieren.
  • Während der ersten Touren bewusst langsam, aber flüssig fahren und sich keine zu lange Strecke vornehmen.
  • Öfters als gewohnt Pausen einlegen, bei Kälte dabei Gymnastik machen.
  • Wärmende Thermounterwäsche anziehen, bei kalten Fingern nützen zusätzliche dünne Innenhandschuhe.

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