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Serie Eckes Fahrtipps.

So geht's: Fahrtipps zum richtigen Überholen Schnell raus, schnell vorbei

Schneller werden liegt in der Hand des Fahrers. Schneller sein nicht immer, denn hin und wieder steht ein anderer im Weg. Von der rollenden Schikane in Renntrainings bis zum verbissenen Zweikampf im Rennen: Überholen will gelernt sein. So geht's!

In den letzten Folgen waren wir immer mit uns und der Strecke allein. Das war gut so, denn zunächst sollte man sich auf sich konzentrieren, die Rennstrecke lesen können und die richtige Linie finden. Wir achten auf den passenden Gang, suchen uns die richtigen Bremspunkte für jede Kurve und arbeiten am Einlenkpunkt oder wo wir wieder Gas geben. Und ob das nicht schon genug wäre, kommt noch ein großer Brocken dazu. Denn jetzt, wo wir das alles können, sind wir merklich schneller geworden - häufig schneller als andere auf der Piste. Das ist der Moment für echte Männer. Hier entscheidet sich, wer ein echter Racer ist. Ihr ahnt es: Es geht ums Überholen. Es geht um die Ehre.

Mir fällt beim freien Fahren an meinen Trainingsgruppen immer wieder auf, dass Teilnehmer ihrem Vordermann rundenlang hinterherfahren, obwohl sie schneller fahren könnten. Jetzt mal von Racer zu Racer: Wir sind doch echte Kerle, die sich zu Hause ja auch nichts aufzwingen lassen, oder? Warum lassen wir uns dann ausgerechnet auf der Rennstrecke von einem wildfremden Motorradfahrer dessen Rhythmus und Speed aufdrängen? Und wenn wir dann lange genug hinterher eiern, fahren wir sehr bald denselben Stiefel zusammen und unsere Lernerfolge sind beim Teufel.

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Also Grundregel eins: Lasst euch nicht das Tempo vorschreiben. Wenn ihr schneller könnt, dann überholt und macht euer Ding. Anders sieht es im Rennen aus. Da ist es manchmal ratsam, den Gegner zuerst etwas zu studieren, um zu sehen, wo man einen Vorteil hat. Aber überprüft auch, wo ihr selbst langsamer seid, denn wenn wir vorbei sind, wird der Gegner spätestens in der letzten Runde genau dort die Attacke ansetzen.

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, wie man sich ein Rennen einteilen sollte. Mir ist es schon passiert, dass ich mich fast das komplette Rennen zurückgehalten habe, obwohl ich hätte vorbeifahren können, und dann wurde das Rennen wegen Regen oder Sturz abgebrochen. Das war dann wohl nichts. Meine Lehre daraus und mein Tipp: Wenn ihr meint, dass ihr schneller seid und eine Lücke auffahren könnt, dann los! Denkt aber nicht nur zwei Runden weit, sondern bis zum Schluss des Rennens: Passt die Kondition? Wisst ihr, wo ihr die Tür zumachen müsst? Aber das sind die nächsten Schritte.

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Foto: 2snap
Schneller sein liegt nicht immer in der Hand des Fahrers, denn hin und wieder steht ein anderer im Weg.
Schneller sein liegt nicht immer in der Hand des Fahrers, denn hin und wieder steht ein anderer im Weg.

Hier nur noch etwas Grundsätzliches: Bevor wir zum Überholen ansetzen, müssen wir entscheiden, wie viel Risiko in diesem Moment angebracht ist. Wenn sich ein erfahrener Racer in seinem Wohlfühltempo an einem Anfänger vorbeibremst, kann es gut sein, dass der arme Kerl knapp einem Herzinfarkt entgeht und den direkten Weg ins Kiesbett nimmt. Viele Hobby-Racer kennen den Grenzbereich nicht und erschrecken, wie schnell man in so eine Kurve reinfahren kann. Der Crack wird sich an die Situation wahrscheinlich nicht einmal erinnern - für ihn war das ganz normal. Meine Message hierzu: Bei Renntrainings sind viele Fahrer auf verschiedenen Levels unterwegs. Lasst euch bei diesen Trainings genug Luft zum Leben, dann haben alle Spaß. Hier hat es absolut nichts mit Ehre zu tun, riskant zu überholen - das ist Dummheit! Obwohl es in der IDM immer eng zuging, war es nach meinen Beobachtungen dort um einiges sicherer als bei freien Renntrainings. In einer Meisterschaft kennt man (meistens) seine Pappenheimer und weiß, was sie tun.

Bei Renntrainings gibt es dagegen viele Unbekannte und man kann nie wissen, was der eine oder andere auf den nächsten Metern vor hat. Also lasst Vorsicht walten! Was übrigens auch für den Überholten gilt. Wenn einer vorbeigehen will, der rundenlang am Hinterrad war, dann bringt es nichts, bei dessen Überholmanöver plötzlich den Spätbremser zu markieren. In der nächsten Kurve wird er es dann wieder versuchen - nur mit mehr Risiko.

Damit das Überholen in der Praxis klappt, zeigen wir in der nächsten Folge, wie man das Manöver vorbereitet, wann man sich für innen oder außen rum entscheidet und wie man schließlich vollstreckt. Bis dann...

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