Sammy Miller-Motorradmuseum (Archivversion)

Mach´s noch einmal, Sam

Als König des Trialsports war Sammy Miller in den 60er Jahren berühmt. Jetzt sammelt und restauriert er Klassik-Bikes.

»Die AJS V-4 ist wie die Mona Lisa - einmalig auf der Welt«, sagt Sammy Miller zärtlich. »Wenn ich sie bei Shows und Ausstellungen herzeige, fahre ich sehr vorsichtig.« Der Werksrenner von 1939, angetrieben von einem wassergekühlten Vierzylinder-Kompressormotor, sollte Schorsch Meier schlagen. Der hatte im gleichen Jahr die Tourist Trophy auf BMW gewonnen. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieg beendete diese Episode britischen Motorradbaus. Neben der AJS sind im Sammy Miller-Motorradmuseum rund 200 Motorräder ausgestellt. Fast alle eigenhändig restauriert. »Ich kaufe am liebsten Schrott. Das ist billiger«, grinst der begnadete Schrauber, der Restaurieren als Krönung seines Handwerks begreift. Auch zahlungskräftige Kunden wie Rennfahrer John Surtees kaufen seine Bikes. Nebenbei versilbert Miller - »um das Museum zu finanzieren« - seinen Ruhm als Trial-Legende.Nach einem dritten Platz beim 250er Grand Prix 1957 auf einer Mondial entdeckte der Ire die Langsamkeit und gewann fortan: fünfmal das Schottische Sechstage-Trial, zu Beginn mit der legendären Ariel HT5, dann mit einer 250er Zweitakt-Bultaco, die er beide mitentwickelt hatte. Zweimal war er Europameister und elfmal in Folge deklassierte er die Konkurrenz beim britischen Trial-Championat. »Für mich waren Siege immer das Wichtigste«, sagt Miller, der sich 1970 vom aktiven Sport zurückzog, aber schon vorher angefangen hatte, Motorräder zu sammeln. »Es begann mit dem Bike, das ich zuerst gefahren bin, einer Francis Barnett. Inzwischen ist das Hobby außer Kontrolle geraten«, scherzt er. Zu den Juwelen der Sammlung zählen Werks-Rennmaschinen: eine der ersten aerodynamisch gestalteten Motorräder, die Norton Kneeler, 1953 als Silberfisch bekannt. Einzigartig auch ein von BSA lange geheimgehaltenes Projekt: die MC1 mit Einzylinder-Triebwerk, zwei obenliegenden Nockenwellen, vier Ventilen und zwei Vergasern. Für Liebhaber exklusiver Italiener glänzt eine MV Agusta mit 750-cm³-Imola Daytona-Triebwerk in den Hallen. Ebenso eine wunderschöne Linto, deren zwei liegende 250er Aermacchi-Motoren 1969 immerhin 65 PS produzierten. Aber auch eine Kawasaki H1R kommt zu Ehren. »Ich interessiere mich für alles, was technisch oder vom Design her herausragend war«, sagt Miller. Neben klangvollen englischen Namen wie Norton Manx, BSA Rocket Gold Star, Vincent HRD Shadow oder gar Brough Superior SS 100 sind Indian Chief, Victoria Bergmeister, NSU Sportmax und 125er Bultaco TSS vertreten. Manche Marken gibt´s gleich mehrfach zu sehen. Verschmitzt lächelnd zeigt Sammy Miller auf drei Esel, die auf einer Wiese vor Bashley Manor grasen: »Da sind Guzzi, Norton und Douglas.« Sammy Miller-Motorradmuseum, Bashley Manor, Bashley Cross Roads, New Milton Hampshire BH25 5SJ, England. Öffnungszeiten täglich von 10 bis 16.30 Uhr, Telefon 0044/1425/620777.

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